Robert Ley im Portrait
Ein antisemitischer Hetzer großformatig in Öl

W. Damian: Portrait Robert Ley, 1944 (DZO 0173)
Robert Ley als Gauleiter Rheinland-Süd, 1933. Alle "Führer" der nationalsozialistischen Bewegung ließen sich immer wieder mit Portraitfotos in Szene setzen. (D-0215-04)Ley ließ seine Reden auch in Buchform drucken und stellte dabei seine Leistungen heraus. (Robert Ley: Deutschland ist schöner geworden, Berlin 1936, Buchbestand Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände)Auch 1937 erschien ein Buch mit den Reden Robert Leys. (Robert Ley: Wir alle helfen dem Führer, München 1937, Buchbestand Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände)Die Broschüre Leys von 1941 wendet gegen einen angeblichen "internationalen Völkerbrei". (Robert Ley: Internationaler Völkerbrei oder Vereinigte National-Staaten Europas, Berlin 1941, Buchbestand Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände)Ley präsentiert 1941 angeblich jüdisch aussehende "Köpfe", darunter den im selben Jahr nach Folter in Gestapohaft gestorbenen ehemaligen Finanzminister Rudolf Hilferding. (Robert Ley: Internationaler Völkerbrei oder Vereinigte National-Staaten Europas, Berlin 1941, S. 5, Buchbestand Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände)1942 wendet sich Ley gegen den angeblich von Juden gesteuerten US-Präsidenten Roosevelt. Das Bild "des Juden" erinnern an Streichers Wochenzeitung "Der Stürmer". (Robert Ley: Roosevelt verrät Amerika, Berlin 1942, Buchbestand Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände)
Künstler:

Wilhelm Damian

Titel:

Portrait Robert Ley

Datierung:

München 1944

Beschreibung:

Ölgemälde auf Leinwand, Spannrahmen entfernt

Maße:

91 cm breit, 151 hoch

Sammlungsnummer:

DZO 0173

Zu den weniger bekannten Männern aus der Führungsriege der Nationalsozialisten gehört Robert Ley. Obwohl er seit 1923 NSDAP-Mitglied und damit ein Nationalsozialist der ersten Stunde war und wichtige Führungsposten in Partei und Staat bekleidete, gehörte Ley nie zum wirklich engsten Machtzirkel um Adolf Hitler. Zu seinen wichtigen Posten gehörte die Leitung der Deutschen Arbeitsfront (DAF), der größten nationalsozialistischen Massenorganisation mit 25 Millionen Mitgliedern, welche die Gewerkschaften im nationalsozialistischen Staat ersetzten. Ley war ein Initiator der "Kraft durch Freude" (KdF)-Urlaubsangebote, ein KdF-Schiff war nach ihm benannt und er verantwortete große Bauprojekte wie das riesige KdF-Strandbad in Prora auf Rügen. Robert Ley war zudem Reichsorganisationsleiter der NSDAP und damit unter anderem offiziell auch für die Organisation der Reichsparteitage zuständig. Allerdings blieben seine Machtbefugnisse eingeschränkt: So wurde Rudolf Heß und nicht Ley von Hitler mit der Führung der NSDAP betraut.
Vor allem im Krieg verlor Robert Ley stark an Einfluss: Die wichtigsten Entscheidungen im Bereich der Arbeitswelt fällte nicht der Leiter der DAF Ley, sondern Rüstungsminister Albert Speer. Ley blieb lediglich der 1940 neu geschaffene Posten als "Reichskommissar für den sozialen Wohnungsbau".

Auch wenn Ley nicht zum engsten Führungszirkel des nationalsozialistischen Staats gehörte, war er dennoch einer der Hauptverantwortlichen für die verbrecherische Politik des Nationalsozialismus. Am Aufstieg des Nationalsozialismus sowie an dessen Etablierung nach 1933 war Ley maßgeblich beteiligt. Über die DAF und seine Freizeitorganisation "Kraft durch Freude" versuchte Ley einen totalen Zugriff auf das Leben der Menschen zu organisieren – ein Privatleben sollte nach seinen Worten nur noch im Schlaf möglich sein. Von Anfang an gehörte er zu den primitivsten antisemitischen Hetzern der nationalsozialistischen Bewegung. Der promovierte Chemiker hatte schon 1928 seine Anstellung bei den IG-Farben nicht nur wegen seiner Alkoholprobleme, sondern auch wegen Angriffen auf einen jüdischen Bankier verloren. Immer wieder forderte er, vor allem im Krieg, offen die Vernichtung der "jüdischen Rasse".

Dass Ley heute weniger bekannt ist als andere Figuren der Nazi-Elite liegt auch daran, dass er zu den "Nicht-Angeklagten" der Nürnberger Prozesse gehört: Als führender Nationalsozialist von den Amerikanern verhaftet, erhängte er sich vor Prozessbeginn am 25. Oktober 1945 in seiner Zelle im Nürnberger Gefängnis. So waren er und seine Taten nicht Thema im Nürnberg Prozess und Leys Rolle im Nationalsozialismus wurde auch später eher selten beleuchtet.

Aus den USA nach Nürnberg - ein Ölgemälde Leys von 1944

Im Sommer 2020 erreichte das Dokumentationszentrum per E-Mail eine Anfrage aus dem Bundesstaat New York, ob Interesse an einem Ölgemälde von Robert Ley bestünde. Ein US-Soldat hatte das Gemälde nach dem Krieg mit in die USA genommen. Dessen Sohn hatte kein Interesse mehr an dem großformatigen, künstlerisch nicht unbedingt hochwertigen, aber historisch aussagekräftigen Stück. So bat er einen Freund, für das Gemälde einen Platz in einem Museum zu suchen. Es spricht für den Ruf Nürnbergs, dass das Memorium Nürnberger Prozesse und das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände auch international als Institutionen wahrgenommen werden, die als Aufbewahrungsort für ein solches Gemälde in Frage kommen. Die genauen Umstände, wie das Bild in die USA gelangte und wo es ursprünglich hing, sind noch nicht geklärt. (Wir berichten an dieser Stelle, wenn wir Neues herausfinden). Es war aber keineswegs ungewöhnlich, dass US-Soldaten als Souvenir ein Erinnerungsstück mit nationalsozialistischem Kontext mit nach Hause nahmen. So kam auch eine Hakenkreuzflagge aus den USA wieder nach Nürnberg zurück (Demnächst in unserer Reihe Ans Licht geholt).
Eine Kontaktaufnahme ist in Zeiten des Internets einfach. So kam nach der Lösung von Problemen mit Verpackung, Transportkosten und Zoll im September 2020 eine große Papprolle im Dokumentationszentrum an, die das Gemälde von Robert Ley enthielt. Many thanks for the generous donation!

Das Gemälde des unbekannten Künstlers Wilhelm Damian zeigt Robert Ley in der Uniform eines Politischen Leiters im höchsten Rang eines Reichsleiters. Links im Hintergrund ist ein dickes aufgeschlagenes Buch zu erkennen, was vielleicht ein intellektuelles Niveau des Abgebildeten andeuten soll. Das Gemälde stammt aus dem Jahr 1944 und wurde in München geschaffen. Es ist bezeichnend, dass Ley noch im vorletzten Kriegsjahr das Bedürfnis verspürte, sich derart großformatig in der Würdeform Ölgemälde verewigen zu lassen. Auch Ley muss 1944 klar gewesen sein, dass der Krieg verloren war. Wie viele versuchte er dies aber zu überspielen. So kann dieses Ölgemälde auch als Teil einer Fassade der Normalität gesehen werden, die man aufrechterhielt, obwohl schon viele deutsche Städte in Schutt und Asche lagen.

Robert Ley in der Sammlung des Dokumentationszentrums

In der Sammlung des Dokumentationszentrums stößt man an verschiedenen Stellen auf Spuren von Robert Ley. Einige Fotos der Sammlung zeigen Ley – meist jedoch in einer Gruppe mit anderen und nicht als Hauptperson. Er erscheint auch in vielen nationalsozialistischen Publikationen im Bestand nationalsozialistischer Literatur, zum Beispiel in den Führern und Erinnerungsbänden der Reichsparteitage, da er in Nürnberg als Reichsorganisationsleiter zuständig war. Ley hat auch selbst einige Bücher publiziert, welche die angeblichen oder tatsächlichen Erfolge seiner Arbeit darstellen ("Deutschland ist schöner geworden"). Zwei Broschüren im Bestand des Dokumentationszentrums von Robert Ley zeigen deutlich dessen menschenverachtenden, antisemitischen Hass: Ley wendet sich darin gegen einen angeblichen "internationalen Völkerbrei" und gegen den amerikanischen Präsidenten Roosevelt, vor allem aber gegen den angeblichen Parasiten und Todfeind des deutschen Volkes, "den Juden". Illustriert sind die Broschüren der Jahre 1941 und 1942 mit zahlreichen antisemitischen Fotomontagen und Karikaturen, die den Abbildungen in Julius Streiches antisemitischer Wochenzeitung "Der Stürmer" ähneln.
Auch die Sammlung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände dokumentiert so, dass Robert Ley, obwohl er zu den eher weniger bekannten Nationalsozialisten gehört, keineswegs harmlos agiert hat. Ley war ideologisch und propagandistisch mitverantwortlich für die nationalsozialistische Judenverfolgung bis hin zum Mord an den europäischen Juden und Jüdinnen.

Zum Weiterlesen:
Ronald Smelser: Robert Ley. Hitlers Mann an der "Arbeitsfront". Eine Biografie, Paderborn 1989

Reihe "Ans Licht geholt – aus der Sammlung des Dokumentationszentrums"

Text und Recherche: Alexander Schmidt