- Objekt:
Medaille zum "Reichsparteitag des Friedens" 1939
- Maße:
Durchmesser 6 cm, 2 mm dick
- Material:
Metallguss
- Hersteller:
Deschler, München
- Signatur:
Dokuzentrum DZ-OMA-330
Durch Ankauf kam 2024 eine Medaille mit ungewöhnlichem Motiv in die Sammlung des Dokumentationszentrums. Zu sehen ist eine liegende Frau mit einem vor ihr sitzenden kleinen Kind und einem Weinstock im Hintergrund, über allem ein Adler mit Hakenkreuz. Die Plakette ist unten mit "Reichsparteitag" und links mit der Jahreszahl "1939" beschriftet. Es gibt dasselbe Motiv auch als kleinen Anstecker.
Immer wieder landen kleine runde Objekte mit der Aufschrift "Reichsparteitag" und einer Jahreszahl im Dokumentationszentrum. Sie zeigen außerdem verschiedene Figuren und häufig den Hakenkreuzadler. Es handelt sich dabei um Anstecker für die Reichsparteitage, die in größerem Stil ab 1933 jedes Jahr in Nürnberg stattfanden. Sie wurden an Teilnehmer sowie Zuschauer verkauft und sollten auch zur Finanzierung der Massenveranstaltungen beitragen, die bis zu 500.000 Menschen in die Stadt brachten. Sammler konnten nicht nur die Anstecker, sondern auch aufwendiger hergestellte Medaillen erwerben.
Das Motiv von 1939 ist ungewöhnlich: Nur in diesem Jahr ist eine Frau auf den Plaketten und Medaillen der Reichsparteitage abgebildet. Die betont friedliche Szenerie passte zum Motto des "Reichsparteitag des Friedens", der dann aber wegen des Überfalls Deutschlands auf Polen im September 1939 ausfiel. Ein Jahr später, als kriegsbedingt wiederum kein Reichsparteitag mehr stattfinden konnte, planten die Organisatoren des Zweckverbands Reichsparteitag Nürnberg im November 1940 dennoch für weitere Parteitage in Zukunft:
"Es muss allmählich erreicht werden, dass jeder Deutsche dem Führer zu seinem Reichsparteitag jährlich eine Mark spendet, wofür er die Reichsparteitagplakette zum Preis RM 1- als Gegenleistung erhält. Die Plakette selbst ist nach Möglichkeit aus bestem Material und in gediegenster Ausführung und so schön herauszubringen, dass sie von jedermann gern gekauft wird."
Die Großveranstaltung Reichsparteitag war ein Bekenntnis zum Nationalsozialismus. Dies sollte und wollte man auch nach außen hin auch zeigen. So entstand rund um die Reichsparteitage eine ganze Warenwelt von der Briefmarke und der Postkarte bis zum Wimpel, vom Bierkrug bis zu Erinnerungstücken und den offiziellen Ansteckern und Erinnerungsmedaillen. Die Anstecker wurden vor allem an die aktiven Teilnehmer sowie die Zuschauer und Zuschauerinnen der Reichsparteitage verkauft – man nahm aber zur Finanzierung der Parteitage auch die Daheimgebliebenen als Kunden und Kundinnen in den Blick.
Abzeichen des Parteitags – Sammlerstück und gutes Geschäft
Ab 1934 sind die Motive der Plaketten vom späteren Akademieprofessor Richard Klein gestaltet. Als Logo des jeweiligen Parteitags finden sich auf Postkarten, Broschüren, Berichtsbänden und Wimpeln. 1935 stellte Klein sogar ein auf fünf Meter riesenhaft vergrößertes rundes Dekorationsschild her, das bei der Kulturtagung der NSDAP über der Bühne im Nürnberger Opernhaus hing. Neben den Plaketten aus billigem Blech zum Anstecken wurden auch besonders wertige Erinnerungsmedaillen aus Bronze und Porzellan hergestellt, die als Sammlerstücke für die heimische Vitrine gedacht waren. Der Verkauf der Plaketten wurde intensiv beworben: "Jeder Deutsche trägt im Olympiajahr 1936 die Reichsparteitagsplakette" forderte die Fränkische Tageszeitung und nannte die entsprechenden Verkaufsstellen.
Wohl ab 1936 waren die Eintrittskarten für die einzelnen Parteitagsveranstaltungen nur in Verbindung mit der Plakette gültig. Besucher und Besucherinnen der Vorführungen auf dem Zeppelinfeld waren nun gezwungen, neben der Eintrittskarte zusätzlich eine Plakette zu kaufen und auch viele Daheimgebliebene griffen zu: 1938 wurden fast vier Millionen Abzeichen verkauft, weit mehr, als Menschen beim Reichsparteitag in Nürnberg anwesend waren. Das Geschäftsmodell funktionierte auch 1939 und 1940, als Reichsparteitage zwar geplant waren, aber dann doch nicht stattfinden konnten. In beiden Jahren nahm der Schatzmeister der NSDAP jeweils über 5 Millionen Reichsmark durch den Verkauf von Ansteckern und Medaillen ein. 1938 konnten immerhin knapp ein Drittel der Kosten von 15 Millionen Reichsmark für den Reichsparteitag allein durch den Verkauf von Ansteckern finanziert werden.
Der Zeitzeuge Edi Seers erinnerte sich in einem Interview mit dem Dokumentationszentrum, dass er als Kind unbedingt ein Abzeichen des Parteitags 1933 besitzen wollte. Eines der Abzeichen aus Vollguss für eine Reichsmark fand er sogar auf der Straße und so gab er das zuvor für 50 Pfennig erworbene, nur aus Blech geprägte Abzeichen seinem Vater zum Anstecken. Beide Versionen des Abzeichens finden sich im Bestand des Dokumentationszentrums. Bis heute sind die Abzeichen der Reichsparteitage im Militaria- und Antiquitätenhandel zu erwerben.
Parteitagsabzeichen bis 1933 in traditioneller Gestaltung
Die Abzeichen für die Parteitage von 1926 (in Weimar) und für die Nürnberger Parteitage der NSDAP 1927 und 1929 sind noch vergleichsweise einfach und traditionell gestaltet. Es handelt sich um kleine Anstecker wie es sie ähnlich auch für andere Veranstaltungen wie Sängerfeste oder Vereinsjubiläen gab. Die Reichsparteitagsplakette 1933 markiert einen Übergang: Sie zeigt zwar dieselben Motive (Hakenkreuz und Reichsadler) wie die Plaketten zuvor, ist aber wesentlich größer und wird auf einer Propagandapostkarte sogar von Hitler selbst an seiner Uniform getragen. Auch Leni Riefenstahl trug das Abzeichen an ihrer Kleidung bei den Arbeiten zu ihrem ersten Reichsparteitagsfilm "Sieg des Glaubens". Ab 1933 war die Auflage wesentlich höher als in den Jahren vor der Machtübergabe 1933 an die Nationalsozialisten: In der Sammlung des Dokumentationszentrums befinden sich daher in verschiedenen Konvoluten allein über 10 Exemplare des Abzeichens von 1933.
Die Plaketten ab 1934 – große Gesten und beliebige Motive
Den Anspruch einer besonders auf den jeweiligen Parteitag ausgerichteten Gestaltung versuchten die Plaketten ab 1934 einzulösen. Der Münchener Künstler Richard Klein (1890-1967) gestaltete die nun erstmals runden Anstecker mit vier Zentimetern Durchmesser und signierte sie mit "RK". Er kombinierte die bis dahin üblichen Motive Hakenkreuz und Reichsadler mit Männerfiguren, welche meist Kämpfer darstellen.
Nicht immer wurde das jeweilige Motto des Reichsparteitags beim Plakettenmotiv aber in ohne weiteres erkennbaren Motiven umgesetzt. So gibt es 1933 mit Hakenkreuz, Reichsadler und Nürnberg-Silhouette keinen wirklich klaren Bezug zum Motto "Reichsparteitag des Sieges". 1934 fehlte zwar ein offizielles Motto, manchmal wird aber der Begriff "Reichsparteitag des Willens" (nach dem Riefenstahl-Film "Triumph des Willens") oder "Reichsparteitag der Einheit und Stärke" verwendet. Die Plakette zeigt, warum auch immer, eine Art Ritterfigur mit Schwert und Schild. Gegen was der Ritter sich wehrhaft zeigt bleibt allerdings unklar.
Erstmals 1935 zum "Reichsparteitag der Freiheit" lässt sich ein direkter Zusammenhang von Reichsparteitagsmotto und Motiv der Plakette herstellen: Ein Wehrmachtssoldat und ein SA-Mann sind unter einem Hakenkreuzadler vereint und flankieren das zentrale Hitlerportrait. Mit "Freiheit" meinten die Nationalsozialisten vor allem die Überwindung des Versailler Vertrags und den Aufbau einer neuen Armee mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht." Das Motiv feiert die neue Rollenverteilung im NS-Staat: Wehrmacht und SA haben sich Hitler als Führer und neuem Oberbefehlshaber der Wehrmacht bedingungslos unterzuordnen.
Das Motto von 1936, "Reichsparteitag der Ehre", ist denkbar unbestimmt und allgemein gehalten. Hitler verwies lediglich in seiner Proklamation zu Beginn des Parteitags darauf, dass nun angeblich nach vier Jahren Arbeit der nationalsozialistische Staat aufgebaut sei und damit die Phase einer "geschichtlichen Ehrlosigkeit" zu Ende sei. Eine wichtige Botschaft des Reichsparteitags 1936 war der Kampf gegen den Bolschewismus, von dem Deutschland angeblich bedroht sei. Irgendetwas in dieser Richtung sollen wohl die drei Ritter mit Schwert und Schild auf der Plakette ausdrücken, die um ein Denkmal mit Hakenkreuzadler knien.
Ganz ähnlich verhält es sich mit Motto und Plakette von 1937, dem "Reichsparteitag der Arbeit". Wiederum drei Männer stemmen eine Denkmalskonstruktion mit Hakenkreuzadler, flankiert von einer Weinrebe und einer Getreideähre, nach oben. Ihre muskulösen nackten Oberkörper verweisen auf die rassistische Vorstellung Hitlers von einem angeblich gesunden Volk, wie er dies in seiner Proklamation zum Reichsparteitag 1937 formulierte: "Wo gibt es heute bessere Männer, als sie hier zu sehen sind? Es ist wirklich die Widergeburt einer Nation eingetreten durch die bewusste Züchtung eines neuen Menschen."
Erstmals etwas dynamischer ist die Gestaltung der Plakette für den "Reichsparteitag Großdeutschland" 1938: Ein Mann mit gesprengter Kette am Arm steigt auf ein Podest mit Hakenkreuzadler zu einem zweiten Mann empor, der eine Hakenkreuzflagge hält. Das angeblich befreite Österreich wird nun Teil des neuen Großdeutschlands – so die eindeutige Botschaft. Dieses Motiv nutzte Richard Klein für weitere Erinnerungsmedaillen: Die erste erinnert an die Eroberung des Sudetenlandes, die zweite dann an die Eroberung Tschechiens (damals abwertend als "Resttschechei" bezeichnet) – kombiniert mit einer Darstellung der Prager Burg.
Medaillen als "Volkslieder der Skulptur" – der Künstler Richard Klein und sein Motivbaukasten
Heute ist Richard Klein weitgehend vergessen, trotz seiner Karriere im Nationalsozialismus. 1890 in München geboren, hatte er schon im Ersten Weltkrieg patriotische Postkarten gestaltet, war ab 1919 Mitglied der Künstlergruppe Sezession und als freischaffender Künstler tätig. Im Nationalsozialismus brachte er es zum Professor an der Münchner Kunstakademie und stand sogar auf der Liste der sogenannten "Gottbegnadeten", auf der die Kulturschaffenden gelistet waren, die nicht zum Wehrdienst herangezogen wurden.
Klein gestaltete nicht nur zahlreiche Medaillen und Abzeichen für die Reichsparteitage, für den 1. Mai und für viele weitere Veranstaltungen, sondern schuf auch Briefmarken, Plakate und das Titelblatt für die Zeitschrift "Die Kunst im Dritten Reich", deren künstlerischem Beirat er angehörte. Die Plakettenmotive der Reichsparteitage verwertete Klein auf Postkarten und Plakaten, auf Buchtiteln, Broschüren, Illustrationen in der Tagespresse und als Saaldekoration im Opernhaus.
Eine der wenigen zeitgenössischen Texte zu Richard Klein ist in der von ihm mit herausgegebenen Zeitschrift "Kunst im Dritten Reich" 1937 erschienen. Dort werden Medaillen als "Volkslieder der Skulptur" bezeichnet. Hitler habe in Richard Klein den genialen Schöpfer dieser kleinen Form gefunden, der mit "Herz, Hand und Verstand" in der Lage sei, "einen Gedanken, eine poetische Idee, ein Geschehen in symbolischer Form sozusagen in Kurzschrift" darzustellen.
Klein hat auch immer wieder Gemälde mit Frauenakten in der Großen Deutschen Kunstausstellung gezeigt, die jährlich in München stattfand. Er starb 1967 bei München.
Hersteller in Nürnberg und anderswo
Die Produktion von Plaketten war für die Hersteller von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. Vor allem zwei traditionelle Nürnberger Firmen haben hier profitiert: Die Münzprägeanstalt und Vereinsabzeichenfabrik Conrad Balmberger, deren Gebäude in der Fürther Straße 199 heute noch steht, und die Münzprägeanstalt Ludwig Christian Lauer in der Kleinweidenmühle 12. Lauer konnte sogar Filialen in Berlin und Köln eröffnen. Aber auch viele andere Hersteller finden sich in der Sammlung des Dokumentationszentrums: Fechler (Bernsbach), G. Brehmer (Marktneunkirchen), Steinhauer & Lück (Lüdenscheid) oder Förster & Barth (Pforzheim). Die aufwendigeren und größeren Erinnerungsmedaillen hat die etablierte Münchner Firma Deschler & Sohn gegossen.
Vom vorgegaukelten Frieden zum Krieg – die Plaketten 1939 und 1940
Trotz der offensichtlichen Aggression, die vom nationalsozialistischen Deutschland ausging, und der jahrelangen Hochrüstung, deren Erfolge auch auf den Reichsparteitagen vorgeführt wurden, präsentiert die Plakette zum "Reichsparteitag des Friedens" 1939 eine betont friedliche Botschaft mit Frau und kleinem Kind. Das Motiv verweist auch auf die zum Reichsparteitag geplante Ausstellung "Frau und Mutter – Lebensquell des Volkes". Der Reichsparteitag selbst fand nicht mehr statt – mit dem Überfall auf Polen begann das nationalsozialistische Deutschland den Zweiten Weltkrieg. Von den zahlreich verkauften Ansteckern befinden sich heute eine ganze Zahl in der Sammlung des Dokumentationszentrums, ebenso wie eine aufwendig gegossene Erinnerungsmedaille in größerem Format von sechs Zentimeter Durchmesser. Die Ausstellung "Frau und Mutter – Lebensquell des Volkes" mit dem Motiv der Plakette als Ausstellungsplakat, war trotz des Krieges auch noch in Berlin zu sehen.
Das Motiv zum gleichfalls nur geplanten Reichsparteitag 1940, für den kein Motto überliefert ist, steht im krassen Kontrast zu Szenerie des Abzeichens 1939. Jetzt ist ein martialisch in die Ferne blickender Soldat mit Stahlhelm abgebildet, flankiert links von einem Schwert (umkränzt mit einem Lorbeerzweig als Zeichen des Sieges) und rechts von einer brennenden Fackel (umkränzt von einem Eichenzweig). Zusammengefasst werden die drei Elemente durch einen Adler mit Hakenkreuz. Dieses Motiv ist allerdings nur als Erinnerungsmedaille überliefert, die offenbar frühzeitig produziert wurde. Sie ist mit 8,5 Zentimeter Durchmesser fast doppelt so groß wie die normalen Anstecker. Sie liegt schwer und wertig in der Hand. Die kleinen Plaketten zum Anstecken gab es 1940 wohl nicht mehr, denn die Planungen für den Reichsparteitag wurden trotz des Sieges über Frankreich schnell wieder aufgegeben.
Es ist bezeichnend, dass das letzte entstandene Signet für einen Reichsparteitag deutlich und klar den Krieg feiert, als eigentliches Ziel des Nationalsozialismus. Krieg ist dabei nicht nur Mittel zur Erreichung eines politischen Zieles, sondern eigentlicher Kern nationalsozialistischen Denkens. Die Medaille 1940 zeigt dies auch mit einer Inschrift auf der Rückseite: "Nur tapfere Völker haben Geschichte" – tapfer meint hier kämpferisch und siegreich im Krieg. Frieden ist so gesehen nicht wirklich der vom Nationalsozialismus angestrebte Zustand. Schon 1933 hatten dies Gegner Hitlers mit ihrem Slogan "Wer Hitler wählt, wählt Krieg!" hellsichtig angeprangert.
Man kann also den Weg des Nationalsozialismus ein Stück weit auch an den Motiven der Reichsparteitagsplaketten und -medaillen ablesen – vom scheinbar harmlosen Adler über Nürnberg, über die Welt der Ritter und starken, uniformierten Männer, bis hin zur friedlichen daliegenden Frau, abgelöst 1940 von einem reinen Kriegsmotiv mit kriegsverherrlichendem Slogan.
Zum Weiterlesen:
Bundesarchiv Berlin NS 1/23 (Papier der Verwaltung der Reichsparteitage, 18.11.1940, Zitat zu Beginn des Textes, zitiert nach Zelnhefer S. 161)
NSDAP (Hrsg.): Der Parteitag der Arbeit 1937 vom 6. bis 13. September 1937. Offizieller Bericht über den Verlauf des Reichsparteitages mit sämtlichen Kongreßreden, München 1938 (Buchtitel)
Siegfried Zelnhefer: Die Reichsparteitage der NSDAP, Nürnberg 1991, S. 161 f.
Markus Urban: Die Konsensfabrik. Funktion und Wahrnehmung der NS-Reichsparteitage, 1933-1941, Göttingen 2007, S. 53-55
Alexander Schmidt: Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, Nürnberg 2017. S. 167-181
Reihe "Ans Licht geholt – aus der Sammlung des Dokumentationszentrums"
Text und Recherche: Alexander Schmidt
31.03.2025
Textlizenz: CC BY SA 4.0
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