Die Geschichte von Nürnberg und den Reichsparteitagen wird chronologisch über vier Zeiträume hinweg in insgesamt sieben Kapiteln erzählt. Der Fokus liegt auf der Geschichte des Orts. Ausgangspunkte sind das Geschehen auf dem Reichsparteitagsgelände und in der Stadt sowie deren Wechselwirkung – abstrakte Geschichte wird so am konkreten Beispiel nachvollziehbar.
Insbesondere für Nürnbergerinnen und Nürnberger eröffnet der ortsgeschichtliche Ansatz einen neuen Zugang zur Vergangenheit der eigenen Stadt. Zugleich weitet sich der Blick immer wieder von den Ereignissen in Nürnberg auf nationale und internationale Entwicklungen.

Zeitraum 1
Die Ausstellung beginnt mit der Frage, warum ausgerechnet Nürnberg zur "Stadt der Reichsparteitage" wurde.
Vor 1933 | Warum Nürnberg?
1933 bestimmt Adolf Hitler Nürnberg zur "Stadt der Reichsparteitage". Die Entscheidung ist kein Zufall. Symbolik und Kulisse der mittelalterlichen Reichsstadt werden von der NS-Propaganda gezielt genutzt. Bereits in den 1920er-Jahren ist die gut erreichbare Industriestadt Schauplatz politischer Großveranstaltungen verschiedener Lager. Schon beim "Deutschen Tag" 1923 sowie bei den Parteitagen der NSDAP 1927 und 1929 verfügen die Nationalsozialisten in Nürnberg und Franken über starken politischen Rückhalt. Am 9. März 1933 wehen an den wichtigsten öffentlichen Gebäuden Hakenkreuzflaggen. Der NSDAP-Stadtrat Willy Liebel ersetzt den liberalen Oberbürgermeister Hermann Luppe. Die Weimarer Demokratie wird mit brutaler Gewalt zerstört.

Zeitraum 2
Im Mittelpunkt des zweiten Zeitraums stehen die Reichsparteitage von 1933 bis 1939. Die Ausstellung analysiert sie als zentrales Propagandamedium des NS-Regimes und beleuchtet ihre Entwicklung, Inszenierung und Wirkung.
1933–1939 | Die Reichsparteitage
Nach der Machtübernahme verschmelzen Partei und Staat zunehmend zu einer Einheit – die Parteitage der NSDAP entwickeln sich zum Staatsfest. Bis 1938 werden Programm, Dauer und Dimension erheblich erweitert. Das Spektakel dauert 1933 fünf Tage, wird 1934 auf sieben und 1937 auf acht Tage verlängert. Für 1939 sind sogar zehn Tage geplant. Mit den Parteitagen will das Regime Machtanspruch und Stärke demonstrieren, das Ideal des NS-Staats präsentieren und politische Botschaften vermitteln.
Bis zu einer Million Menschen nehmen an den Selbstinszenierungen teil. Die Stadt Nürnberg ist dabei nicht nur Gastgeberin, sondern profitiert auch vom Status als "Stadt der Reichsparteitage". Gleichzeitig werden antijüdische Maßnahmen verschärft – mit fatalen Folgen für die jüdische Bevölkerung Nürnbergs.

1933–1939 | Bauprojekt Reichsparteitagsgelände
Das Reichsparteitagsgelände zählt zu den wichtigsten Bauprojekten des NS-Staats. Das Areal soll vor allem der nationalsozialistischen Selbstdarstellung dienen. Architekt Albert Speer plant monumentale Bauten in bis dahin unbekannten Dimensionen. Immer größere Gebäude und eine geplante Aufmarschstraße bis in die Innenstadt beanspruchen enorme Flächen. Landschaften und bestehende Bausubstanz werden zerstört, selbst der Tiergarten muss weichen. Geplant sind umfangreiche Granitlieferungen aus Konzentrationslagern. Viele der Bauprojekte bleiben jedoch unvollendet.

1933–1939 | Inszenierung der Reichsparteitage
Mit Architektur, Kunst und Musik wird das Reichsparteitagsgelände zur Bühne der Selbstdarstellung des NS-Staats. Zahlreiche Architekten sowie Kunst- und Kulturschaffende wirken daran mit, die Gefühle der Menschen gezielt anzusprechen. Offizielle Propagandafotos und private Aufnahmen prägen das Bild der Parteitage auch für jene, die nicht vor Ort sind. Moderne Medien wie Radio, Film und Fernsehen sollen das Erlebnis im gesamten Reich verbreiten – allerdings mit begrenztem Erfolg.
1933–1939 | Reichsparteitage als Erlebnis
Persönliche Berichte aus dem In- und Ausland zeigen, dass viele Menschen die Reichsparteitage als beeindruckendes Gemeinschaftserlebnis wahrnehmen. Die propagierte "Volksgemeinschaft" wird für viele zur gefühlten Realität. Bedürfnisse nach Zugehörigkeit und Teilhabe spielen dabei eine wichtige Rolle. Gleichzeitig bleibt die Bewertung ambivalent: Nicht jede ablehnende Haltung bedeutet Widerstand gegen den Nationalsozialismus, und nicht jede Zustimmung beruht auf ideologischer Überzeugung.
Zeitraum 3
Ein eigenes Kapitel widmet sich den Jahren 1939 bis 1945 und beleuchtet insbesondere Kriegsgefangenschaft, Zwangsarbeit und Deportation – Themen, die eng mit dem historischen Ort verbunden sind.
1939–1945 | Das Gelände im Krieg
Mit dem Überfall auf Polen im September 1939 beginnt der Zweite Weltkrieg. Bis 1945 werden tausende Menschen, vor allem aus Europa und der Sowjetunion, gegen ihren Willen auf das Reichsparteitagsgelände gebracht. Kriegsgefangene und Zivilistinnen und Zivilisten – Frauen, Männer und Kinder – werden in Lagern inhaftiert und zur Zwangsarbeit eingesetzt. Mindestens 5.000 Menschen sterben oder werden gezielt ermordet.
Der Bahnhof Märzfeld wird zum Ausgangspunkt der Deportation von über 2.000 Jüdinnen und Juden aus Franken in Ghettos und Vernichtungslager. Nur wenige überleben. Gleichzeitig prägt der Krieg zunehmend auch das Leben der Nürnberger Bevölkerung. Als Rüstungs- und Verkehrszentrum sowie Symbolort der Nationalsozialisten wird Nürnberg ab 1942 verstärkt Ziel alliierter Luftangriffe.

Zeitraum 4
Der Rundgang endet mit der Frage nach dem Umgang mit dem historischen Erbe des Reichsparteitagsgeländes und spannt den Bogen von 1945 bis in die Gegenwart.
Nach 1945 | Was nun, Nürnberg?
Die Folgen von Krieg und Diktatur prägen Nürnberg und seine Bevölkerung weit über 1945 hinaus. Trotz demokratischem Neuanfang und juristischer Aufarbeitung bestehen personelle und ideologische Kontinuitäten aus der NS-Zeit fort. Besonders beim ehemaligen Reichsparteitagsgelände ringt die Stadtgesellschaft lange um einen angemessenen Umgang mit der Geschichte. Erst ab Mitte der 1980er-Jahre entstehen umfassendere Informationsangebote. Heute ist das Gelände zugleich Erinnerungsort und öffentlicher Raum für Kultur, Freizeit und Sport.
Die Ausstellungstexte sind auf Deutsch und Englisch verfügbar. Ergänzend erhalten alle Besucherinnen und Besucher einen im Eintrittspreis enthaltenen Media-Guide mit Audioinhalten und individuellen Audiotouren.
Media-Guide