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Schaustück des Monats

Schaustück des Monats Dezember 2015: Nachbau einer Glaspyramide aus der Deutschen Bauausstellung 1949.
1. bis 31. Dezember 2015

Schaustück des Monats Dezember 2015:
Die Deutsche Bauausstellung 1949 – Glaspyramide

Das Schaustück des Monats zeigt im Dezember 2015 ein Exponat aus der aktuellen Sonderausstellung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände "Das Gelände – Dokumentation. Perspektiven. Diskussion.": den Nachbau einer Glaspyramide aus der Deutschen Bauausstellung, die 1949 in der Kongresshalle stattfand und die Deutschen zum Wiederaufbau der zerstörten Städte aufrief.

Das Reichsparteitagsgelände nach 1945

Nürnberg sieht sich wie keine zweite deutsche Stadt mit dem historischen Erbe der nationalsozialistischen Zeit konfrontiert. Die baulichen Relikte auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände erinnern auch heute noch unübersehbar an die Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus. Seit 1945 stehen Stadt und Bürger vor der Herausforderung, mit dem steinernen Erbe umzugehen und sich mit der NS-Vergangenheit auseinanderzusetzen. Die aktuelle Sonderausstellung im Dokumentationszentrum stellt die seit 1945 geführte Debatte über den Umgang mit dem Gelände und seiner Bauten entlang einzelner Zeitschnitte vor, einer davon ist die Zeit der Kongresshalle als "Ausstellungsrundbau".

"Ausstellungsrundbau" Kongresshalle

Die Kongresshalle, von den Nationalsozialisten niemals fertig gestellt und heute Ort des Dokumentationszentrums, war 1945 ironischerweise einer der größten Baukörper Nürnbergs, der den Krieg nahezu unversehrt überstanden hatte. Selbst wenn der unfertige Rohbau sicher auch damaligen Ansprüchen nur schwer genügte, schien es dem Stadtrat aufgrund der fehlenden Alternativen in der zerbombten Stadt notwendig, die übergroßen Innenräume zu nutzen. Organisiert durch die 1948 gegründete und heute noch im Messegeschäft aktive AFAG, fand dort im Jahr 1949 die Deutsche Bauausstellung statt. Es folgten ein Jahr später die Jubiläumsausstellung "900 Jahre Nürnberg" sowie eine Gaststättenfachschau. Voraussetzung für eine erfolgreiche Nutzung als Messestandort war allerdings ein Ausblenden der nationalsozialistischen Vergangenheit des Gebäudes. Mit dem Neubau des Messegeländes am Berliner Platz 1953 endete die Nutzung der Kongresshalle zu Ausstellungszwecken bereits wenige Jahre später. Der "Ausstellungsrundbau" genügte den gewachsenen Ansprüchen nicht mehr.

Die Deutsche Bauausstellung 1949

Mit der Deutschen Bauausstellung präsentierte sich Nürnberg nach dem Krieg erstmals wieder der Öffentlichkeit. Der große Werbeaufwand mit eigenen Plakaten, Postkartenserien, Ausstellungsrundfunk, Führern und Katalog hat sich gelohnt. Die Ausstellung war ein voller Erfolg: 654 Aussteller präsentierten ihre Waren, knapp 300.000 Eintrittskarten wurden verkauft. Die Forderung der Ausstellung "Wir müssen bauen!" unterstützte ein Ausstellungskatalog mit vielen praktischen Hinweisen. Der Blick von Ausstellern und Gästen richtete sich nach vorne, eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit – selbst an diesem Ort – erschien zweitrangig.

Die Glaspyramide – Sinnbild für die Zerstörung Nürnbergs und den Wiederaufbau

Das Objekt des Monats, ein Nachbau der Glaspyramide aus der Deutschen Bauausstellung von 1949, erzählt in mehrerer Hinsicht vom Geist der frühen Nachkriegsjahre: Zum einen steht sie als Symbol für die Zerstörung Nürnbergs. In der Bauausstellung vor einem Panorama des zerstörten Hauptmarkts präsentiert, veranschaulicht die Glaspyramide über einem Modell der Lorenzkirche die angefallene Schuttmenge in Nürnberg nach dem Krieg. Sie ist höher als das daneben ausgestellte Vergleichsmodell der Cheopspyramide.

Zum anderen zeigt aber gerade dieses Ausstellungsszenario das Selbstverständnis Nürnbergs nach dem Krieg. Nürnberg präsentierte sich – sicherlich nicht zuletzt auch aufgrund von personellen Kontinuitäten – ausschließlich als Kriegsopfer. Die Rolle als "Stadt der Reichsparteitage" wurde nicht ansatzweise erwähnt, die Verantwortung der Deutschen für den begonnenen Luftkrieg und die Zerstörung von Städten im Ausland nicht übernommen. In der aktuellen Sonderausstellung ist die Glaspyramide Leitobjekt für den Zeitschnitt "Nürnbergs Zukunft am Dutzendteich?" und steht stellvertretend für eine Möglichkeit der Nutzung von Bauten auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände.

Die originale Glaspyramide ist leider nicht erhalten. Der Nachbau dieser Pyramide erfolgte im Gedenkjahr 1995 für die im Neutorturm gezeigte Ausstellung "Nürnberg 1935 – 1945 – 1995. Erinnerung ist nicht teilbar" und ist heute im Besitz des Vereins Nürnberger Felsengänge e.V.

Führungen zum Schaustück des Monats