Der Historiker und Publizist Norbert Frei. Bildnachweis: Niklas Diemer
Dienstag, 26. Januar 2027, 18 Uhr

"Niemand will Nazi gewesen sein"

Über den Umgang der Deutschen mit der NS-Vergangenheit seit 1945

Vortrag von Norbert Frei

"Ihr werdet überhaupt keine Nazis finden, keiner will Nazi gewesen sein, die müsst ihr erst suchen." Mit dieser Prophezeiung hatte Hellmuth Freiherr von Rauschenplat im März 1945 im Marinehafen von Dover alliierte Soldaten verabschiedet, die demnächst in Deutschland Teil der Besatzungsverwaltung werden sollten. Der adlige Antifaschist und spätere Remigrant sollte recht behalten: Schon in ihren ersten Begegnungen mit den Besatzern ging die große Mehrheit der Deutschen auf Abstand zu Hitler und dem verflossenen Regime, und noch vor Gründung der beiden deutschen Staaten war aus dieser pauschalen Distanzierung in Ost und West, wenngleich auf unterschiedliche Weise, die neue Staatsraison geworden. In seinem Vortrag entwickelt Norbert Frei die Nachgeschichte des Nationalsozialismus ausgehend von den beiden deutschen Wegen der Transformation der vormaligen Volksgenossen des "Dritten Reiches".

Norbert Frei ist Professor emeritus für Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Autor zahlreicher Bücher, darunter Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit (Neuausgabe 2012), Der Führerstaat. Nationalsozialistische Herrschaft 1933 bis 1945 (Neuausgabe 2013), Im Namen der Deutschen. Die Bundespräsidenten und die NS-Vergangenheit 1949-1994 (2023) sowie eines Bandes mit seinen Kolumnen aus der Süddeutschen Zeitung unter dem Titel Einreden. Zu Zeitgeschichte und Zeitgenossenschaft (2025). Zuletzt erschien bei C.H.Beck seine vielbeachtete Biographie Konrad Adenauer. Kanzler nach der Katastrophe (4. Auflage 2026).

Ort der Veranstaltung
Auditorium Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Bayernstraße 110
90478 Nürnberg

Kosten
Eintritt frei