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1483 stiftete Hans VI. Tucher ein Gedächtnisbild für seine Schwägerin Adelheid. Der unbekannte Künstler hat im unteren Bereich eine traditionelle Beweinung Christi dargestellt. Die obere Hälfte zeigt jedoch etwas ganz Besonderes: eine der frühesten topographisch genauen Ansichten der Stadt Jerusalem. Foto: Uwe Niklas
Donnerstag, 8. August 2019, 14 Uhr

Sehnsuchtsort Jerusalem
Eine Spurensuche in Nürnbergs Altstadt

Neue Führung mit Ulrike Heß vom Museum Tucherschloss zum Stadtmuseum im Fembo-Haus

Trotz ihres zweifelhaften Ruhms als einer der Brennpunkte des Nahostkonflikts überwältigt die "Heilige Stadt" mit dem Glanz ihrer Geschichte und ihrer bunten Gegenwart und zieht heute Menschen aus aller Welt an. Die historische und religiöse Bedeutung Jerusalems ist einzigartig: Als Zentrum dreier Weltreligionen ist die Stadt seit Jahrtausenden – in wahrsten Sinne des Wortes – umstritten. Hier finden sich die heiligsten Stätten von Judentum und Christentum sowie die drittheiligste Stätte des Islam. Jerusalem ist heute die laut Nationalgesetz – wenn auch nicht von den Vereinten Nationen anerkannte – Hauptstadt Israels, wird jedoch auch von palästinensischer Seite als Hauptstadt beansprucht.

Mit den von der römischen Kirche sanktionierten Kreuzzügen wurde Jerusalem seit dem 11. Jahrhundert gezielt der ferne Sehnsuchtsort christlichen Glaubens. Spätestens Ende des 15 Jahrhunderts hatten Pilgerfahrten zur Heiligen Stadt Hochkonjunktur. Die Pilger kamen aus ganz Europa. Manche waren fasziniert von fremden Kulturen, getragen von Ruhmsucht oder voller Abenteuerlust. Vor allem war eine solche Pilgerreise aber Ausdruck persönlicher Frömmigkeit, denn man konnte Ablässe erwerben, die nach dem Tod die Zeit im Fegefeuer zu verkürzen halfen.

Am Ziel angelangt, besuchten die Pilger die Orte, an denen Jesus nach biblischer und tradierter Überlieferung gewandelt war. Und noch heute versammeln sich jeden Freitag um 15 Uhr, zur Todesstunde Jesu, Pilger aus aller Welt. Eine betende und singende Menschenmenge zieht dann auf den vermeintlichen Spuren Jesu die 14 Stationen der "Via Dolorosa" (Schmerzensweg) entlang, von der Burg Antonia, wo Pontius Pilatus sein Urteil sprach, bis zur Grabeskirche – auch wenn der tatsächliche Kreuzweg mit Sicherheit anders verlaufen war.

Unter den für die tiefgläubigen Menschen des Mittelalters überwältigenden Eindrücken schrieben die Pilger nach ihrer Rückkehr aus dem Heiligen Land persönliche Berichte nieder. Mit diesen machten sie ihre denkwürdige Reise für sich und ihre Nachkommen zu einer unvergesslichen Erinnerung – auch um in ihren fernen Heimatorten ein "Stück Jerusalem" erfahrbar und erlebbar zu machen. Einer dieser "Jerusalemfahrer" war in Nürnberg der Fernhandelskaufmann und Patrizier Hans VI. Tucher (1428-1491), der zum "Ritter des Heiligen Grabes" geschlagen wurde und nach seiner glücklichen Rückkehr in seiner Heimat hochverehrt wurde. Sein gedruckter Pilgerbericht wurde vielfach aufgelegt und gewissermaßen zum "Marco-Polo-Reiseführer des 16. Jahrhunderts" für die Heilige Stadt.

Aus ähnlicher Motivation entstanden seit dem Mittelalter in den unzähligen Städten Europas Kreuzwegstationen. Auf ihnen die konnten die Gläubigen, die Jerusalem nie gesehen hatten und auch nie sehen würden, den Leidensweg Jesu selbst nachvollziehen und dabei Buße tun – so auch in Nürnberg entlang Adam Krafts berühmten Kreuzwegs durch die Burgschmiet- und Johannisstraße zum Johannisfriedhof ...

Die "Spurensuche nach dem Sehnsuchtsort Jerusalem" beginnt im Museum Tucherschloss in der Hirschelgasse, verläuft über St. Egidien und St. Sebald und endet im Stadtmuseum in der Burgstraße. Der Besuch der Wolfgangskapelle von St. Egidien sowie der verbilligte Eintritt in beide städtische Museen ist in der Teilnahmegebühr eingeschlossen.

Weitere Termine:
29. August 2019
5./ 19. September 2019
jeweils 14 Uhr

Treffpunkt und Kartenverkauf:
Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal, Hirschelgasse 9-11, 90403 Nürnberg
Max. 20 Teilnehmer

Ein Gemeinschaftsprojekt des Museums Tucherschloss, der Kirchengemeinde St. Egidien und der Museumsführerin Ulrike Heß.

Dauer
ca. 90-120 Minuten, je nach Teilnehmerzahl und Interessen
Kosten
1,50 EUR (ermäßigter Sondereintritt ins Museum Tucherschloss und Stadtmuseum im Fembo-Haus) zzgl. 3,00 EUR Führungsgebühr