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Schaustück des Monats

Schaustück der Monats Oktober 2015: Der Tugend-Zyklus von Georg Pencz.
1. bis 31. Oktober 2015

Schaustück des Monats Oktober 2015:
Nackte Tatsachen.
Der Tugend-Zyklus von Georg Pencz

In der beliebten Veranstaltungsreihe "Schaustück des Monats" stellen Ihnen die Museen der Stadt Nürnberg während ca. 30-60 minütiger Spezialführungen besondere Exponate aus dem Besitz der Stadt Nürnberg vor. Der Oktober 2015 ist vier Grafiken aus dem sogenannten "Tugend-Zyklus" von Georg Pencz gewidmet.

Durststrecke

Einen radikalen Umbruch erlebt die deutschsprachige Welt in den 1520er Jahren. Die umwälzenden Ereignisse – angestoßen durch Martin Luther – bewegen nicht nur die katholische Kirche. Die Kunst – zuvor von der Bildersprache der katholischen Kirche geprägt – verliert durch das Ende der kultischen Verehrung von religiösen Darstellungen eine wesentliche Aufgabe. Die Folge ist eine Durststrecke für die damaligen Künstler, da ihr wichtigster Auftraggeber wegfällt. Zugleich ist diese Situation durch das allmähliche Aufkommen des privaten Sammlerpublikums ein Nährboden für neue Sujets. Die Weichen für die Entwicklung weiterer Gattungen wie Landschafts-, Genre- und Stilllebenmalerei sind gesetzt.

Nackte Haut als Verkaufsstrategie

Georg Pencz schafft die Kupferstichfolge von sieben Tugenden um 1528, einer Zeit kurz nach der Zersplitterung der Kirche. Vier Tugenden sind in dieser Ausstellung präsentiert: die drei göttlichen Liebe, Glaube und Hoffnung sowie die Gerechtigkeit, eine der vier Kardinaltugenden. In eleganter Pose verweilend, werden sie von einem architektonischen Rahmen mit großzügigem Landschaftsausblick eingefasst. Neben der lateinischen Inschrift in der Fensteröffnung tragen die jeweiligen Attribute zur Unterscheidung bei: So hält der Glaube ein Kreuz und einen Kelch in den Händen; die Gerechtigkeit wägt zunächst ab, bevor sie das Urteil mit dem Schwert in ihrer rechten Hand fällt; der Liebe sind zwei Kinder – Symbole der Mutterliebe – zur Seite gestellt, während die Hoffnung mit gefalteten Händen zum Himmel blickt. Die Tugenden sind entblößt, nur ihre Scham ist durch einen Überwurf oder aufgrund der Körperhaltung verdeckt. Des voyeuristischen Betrachters, der sie wie durch ein Schlüsselloch beobachtet, werden sie nicht gewahr. Diese erotische Darstellung des weiblichen Körpers war durchaus gewollt und hat einen verkaufsfördernden Aspekt, der auf die Interessen der zum größten Teil männlichen Käuferschicht reagiert. Das kleine Format tritt hauptsächlich bei Kupferstichen seit dem zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts auf und entspricht – ebenso wie die antik angehauchte Komposition und das erotisierte Bildthema – dem damaligen Zeitgeschmack in humanistisch gebildeten Sammlerkreisen.

Meister IB und Georg Pencz

Alle vier Grafiken sind am unteren Rand mit dem Monogramm IB versehen. Aus schriftlichen Quellen geht hervor, dass Georg Pencz auch als Iörg Bentz bezeichnet wird. Da die gesicherten Werke des Künstlers mit dem Monogramm GP darüber hinaus denen mit dem Signet IB stilistisch stark ähneln, schließt die Kunstforschung auf ein und denselben Künstler. Das Monogramm IB findet sich ausschließlich auf Kupferstichen. Nach 1530 treten keine Blätter mehr mit dieser Signatur auf, und so liegt es nahe, dass Georg Pencz sie zu GP änderte. Auch wenn ein Wechsel des Monogramms aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar ist, so war es damals nichts Ungewöhnliches und betrifft auch andere Künstler, darunter sogar Albrecht Dürer.

"Gottloser Maler"

Georg Pencz wird wahrscheinlich um 1500 geboren, sein genaues Geburtsdatum sowie seine Herkunft sind unbekannt. Er erwirbt erst 1523 das Nürnberger Bürgerrecht und sorgt schon zwei Jahre später zusammen mit den Malerbrüdern Sebald und Barthel Beham für einen Skandal. Ihnen werden ketzerische und revolutionäre Anschauungen unterstellt, da sie die historische Rolle Christi, die Heilige Schrift sowie die Gültigkeit der beiden Sakramente Taufe und Abendmahl anzweifeln. Im Januar 1525 werden sie deswegen als die "drei gottlosen Maler" angeklagt und aus der Reichsstadt verbannt. Nach seiner Rückkehr nach Nürnberg im November des gleichen Jahres legt Pencz jedoch schnell seinen Ruf als "gottloser Maler" ab und wird 1532 zum Nürnberger Ratsmaler ernannt. 1550 beruft ihn der preußische Herzog Albrecht nach Königsberg zum Hofmaler. In Königsberg kommt er allerdings nie an – auf dem Weg dorthin kommt Georg Pencz ums Leben.

Führungen zum Schaustück des Monats