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Schaustück des Monats

Schaustück des Monats November 2016: Der Kaiserthron aus dem Großen Ratssaal.
1. bis 30. November 2016

Schaustück des Monats November 2016:
Leerer Thron – volle Präsenz?

Der Kaiserthron aus dem Großen Ratssaal

Macht der Medien

Hunderte Millionen Menschen an den Bildschirmen weltweit verfolgten 2011 die Hochzeit von William und Kate. Die Queen höchstpersönlich meldete sich 2014 das erste Mal auf Twitter, einem Kurznachrichtendienst, zu Wort.
Königliche und kaiserliche Macht in der Frühen Neuzeit und im Barock konnte nicht auf derartige Kanäle zurückgreifen, um sich in der Alltagswelt der Untertanen zu manifestieren.
In körperlicher Abwesenheit des Herrschers mussten Macht, Herrschaftsanspruch und Präsenz über andere Medien ausgeübt werden: Ihre Spannweite reicht von Porträts, Standbildern, Büsten, Münzen über Wappen, Flaggen, Siegel, Monogramme, Dekrete, Darstellungen in Literatur, menschliche Statthalter bis zu dem aus heutiger Sicht skurril erscheinenden Phänomen der "effigies", lebensgroße und wirklichkeitsgetreue Wachsfiguren des abwesenden Souveräns. Aber auch ein Möbel wie ein Thron kann Funktionen der Repräsentation übernehmen und als ein abstraktes Herrschaftszeichen dienen.

Das Motiv des "Leeren Herrscherthrons"

Der Kaiserthron im Großen Ratssaal war vermutlich die meiste Zeit unbesetzt; nur wenige Abbildungen haben sich erhalten, auf denen tatsächlich ein Kaiser oder einer seiner Vertreter auf dem Stuhl im Großen Ratssaal zu sehen ist. Der Großteil zeigt einen frei gebliebenen Thron.
Der "Leere Herrscherthron" ist ein bereits sehr altes Motiv, welches die christliche Ikonographie von antiken Toten- und Götterkulten übernommen hatte. Es verweist auf den für den kommenden Christus bereitgestellten göttlichen Thron.
Im Licht dieser Vermischung von weltlichem Herrschaftszeichen und christlicher Symbolik ist beispielsweise auch das Weihekreuz zu sehen, das sich an der Rückwand des Thrones im Streiflicht einer Taschenlampe erahnen lassen und dessen konkreter Ursprung dennoch im Dunklen bleibt.

Möbel mit Vergangenheit

Der Kaiserthron im Stadtmuseum blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Vieles bleibt unklar. Gesichert durch die naturwissenschaftliche Untersuchung einer Holzprobe ist, dass der älteste verbaute Teil des Throns, die Rückwand, nicht vor 1440 entstanden ist. Im Zuge der Neugestaltung des Großen Ratssaals bis 1521 – von Albrecht Dürer verantwortet – wurde er dort vermutlich das erste Mal aufgestellt. Im 17. und 19. Jahrhundert wurde der Thron weiter überarbeitet, dem Geschmack der jeweiligen Zeit angepasst und in die südöstliche Ecke des Saals fest eingebaut. Vor der kriegsbedingten Zerstörung des Rathauses ist er glücklicherweise verschont geblieben, da er schon vor 1945 ausgelagert wurde. Seit 1983 ist er im Stadtmuseum zu sehen.

Führungen zum Schaustück des Monats: