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Schaustück des Monats

Schaustück des Monats April 2016: Die Deckengemälde im Tanzsaal des Fembohauses.
1. bis 30. April 2016

Schaustück des Monats April 2016:
Die Affären des Herrn Jupiter

Die Deckengemälde im Tanzsaal des Fembohauses

Künstler: Anonym; nach einer 1589–1590 herausgegebenen Kupferstichfolge von Hendrik Goltzius
Datierung: um 1674
Technik: Öl auf Leinwand

Patrizischer Glanz für den Tanzsaal!

Maria Sabina Peller, die Urenkelin Philipp van Oyrls, des Erbauers des sogenannten "Fembo-Hauses", bringt im Jahr 1668 das Anwesen in der Burgstraße als Mitgift in ihre Ehe mit Christoph Jakob Behaim. Der junge und aufstrebende reichsstädtische Würdenträger stammt aus einer der ältesten Patrizierfamilien in Nürnberg und lässt das durch seine Heirat erworbene Kaufmannshaus standesgemäß in glanzvoller Weise zu einem Stadtpalais erneuern. Zu seinen Umbaumaßnahmen gehören das Chörlein aus Sandstein an der Hauptfassade, die Stuckdecke von Carlo Brentano im Barockvestibül und das Herrichten des Tanzsaals. Letzterer wurde durch neun Ölgemälde an der Decke bereichert. Der Tanzsaal ist – mit Ausnahme dieser Decke – auf Ende des 16. oder Anfang des 17. Jahrhunderts zu datieren. Die einstige Vertäfelung des Raumes aus Lindenholz, Ahorn und Eiche wird in der Vorkriegsliteratur als "eine solche einfacher Art" beschrieben. Heute hat sie sich nur im Bereich der Türen erhalten. Eine verkleidete Musikempore auf der Ostseite, in der bis zu fünf Musiker Platz finden, ließ die Gäste beim Betreten des Raumes rätseln, woher die musikalischen Klänge stammten.

Die Metamorphosen Ovids

Die neun Deckengemälde sind um 1674 im Auftrag Behaims von unbekannter Hand nach einer Kupferstichfolge von Hendrik Goltzius aus den Jahren 1589/90 entstanden. Es handelt sich um Szenen aus dem ersten und zweiten Buch der Metamorphosen des römischen Dichters Ovid. In fünfzehn Büchern werden dort Entstehung und Geschichte der Welt in den Begriffen der römischen und griechischen Mythologie erzählt. Der Fokus liegt hierbei auf Verwandlungsgeschichten, wie sie in der Mythologie so oft anzutreffen sind. Menschen oder Götter werden dabei beispielsweise in eine Pflanze, ein Tier oder ein Sternbild verwandelt.

Beginnend mit dem Goldenen Zeitalter verläuft die Leserichtung der Deckengemälde bis zum Sturz des Phaeton von links nach rechts und entspricht bis zu dieser Szene der Chronologie des dichterischen Werks. Im Einzelnen werden folgende Szenen dargestellt: Das Goldene Zeitalter; Neptun gebietet den Flussgöttern, die Wasser über die Ufer treten zu lassen; Juno lässt Io von Argus bewachen; Merkur tötet Argus; Sturz des Phaeton; Merkur erblickt die schöne Herse; Juno beklagt sich bei Tethys und Oceanus über die Verwandlung von Callisto und Arcas; Raub der Europa und zuletzt die Verwandlung der Coronis in eine Krähe.

Jupiter – ein Frauenheld der Antike

Jupiter nahm es bekanntlich mit der Treue nicht so genau. Neben seiner Gattin Juno, die zugleich seine Schwester war, hatte er zahlreiche Liebschaften, aus denen unzählige Kinder hervorgingen. Um sich den Objekten seiner Begierde zu nähern, nahm Jupiter die Gestalt von Göttern, Menschen oder Tieren an. Seine Seitensprünge waren dank seiner Gemahlin nie von Dauer; getrieben von einer maßlosen Eifersucht, fand Juno immer einen Weg, um ihre Rivalinnen auszuschalten. Um dem entgegenzuwirken, wandte Jupiter seine Verwandlungskünste auch bei seinen Eroberungen an. Drei seiner zahlreichen Eskapaden präsentieren sich auf vier Ölgemälden an der Decke des Tanzsaals: So verwandelt er Io in eine silberglänzende Kuh, um seine Affäre mit ihr vor seiner Frau zu vertuschen. Juno wittert den Verrat und bittet ihren Mann darum, ihr die Kuh zu schenken. Prophylaktisch lässt sie das Tier vom hundertäugigen Argus rund um die Uhr bewachen. Jupiter kann das Leid seiner Geliebten schließlich nicht mehr mit ansehen; er schickt den Götterboten Merkur auf die Erde, dessen Geschichten Argus in tiefen Schlaf wiegen. Anschließend schlägt ihm Merkur den Kopf ab, damit Io fliehen kann. Juno fühlt sich durch die Seitensprünge ihres Mannes gedemütigt und klagt ihr Leid anderen Gottheiten: Bei den Meeresgöttern Tethys und Oceanus äußert sie ihren Verdruss über die Verwandlung von Callisto und Arcas. Denn um Junos Rachepläne zu verhindern, verwandelt Jupiter Callisto und ihren gemeinsamen Sohn Arcas in Sternbilder. Jupiter gelobt seiner Gattin zwar immer wieder Besserung, doch die Versuchung ist groß; und so kommt es zu der weltberühmten Episode, bei der er die schöne Europa in Gestalt eines weißen Jungstiers raubt, nachdem die Königstochter bei ihrem Spaziergang am Strand Vertrauen gefasst hat und auf den Rücken des Tieres gestiegen ist.

Führungen zum Schaustück des Monats: