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Schaustück des Monats

Schaustück des Monats Dezember 2016: Der Kurfürst von Böhmen, Skulptur vom Schönen Brunnen. Bildnachweis: Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen
1. bis 31. Dezember 2016

Schaustück des Monats Dezember 2016:
Kopiert, ersetzt, zerstört.

Der Kurfürst von Böhmen, Skulptur vom Schönen Brunnen

Künstler: Jakob Daniel Burgschmiet
Datierung: 1822–1824
Technik: Steinskulptur, Schilfsandstein
Eigentümer: Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg

Der Schöne Brunnen auf dem Hauptmarkt ist eines der bekannten Wahrzeichen Nürnbergs, auf unzähligen Darstellungen vom kostbaren Ölgemälde bis zur Lebkuchendose wiedergegeben. Der aus dem 14. Jahrhundert, dem Jahrhundert Karls IV., stammende Brunnen – eines der frühesten derartigen Brunnendenkmäler in Deutschland – wurde schon in den folgenden Jahrhunderten immer wieder repariert und mit neuen Anstrichen versehen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, nach dem die Freie Reichsstadt aufgelöst und Nürnberg an das Königreich Bayern gekommen war, stellte man fest, wie baufällig und einsturzgefährdet der Brunnen war.

Die Renovierung des Schönen Brunnens 1821–1824

Die Initiative zur Restaurierung ging wohl von dem jungen Graphiker und Kunstprofessor Albert Christoph Reindel (1784–1853) aus, der 1811 zum Leiter der Nürnberger Kunstakademie ernannt worden war. Schon 1818 gab Reindel den Brunnen in einem großformatigen Aquarell wieder, um damit für sein Projekt zu werben. Jedenfalls ersuchte der soeben neu eingerichtete Nürnberger Magistrat den kunstsinnigen bayerischen Kronprinzen Ludwig, der ein besonderes Interesse an Nürnberg besaß, um Wiederherstellung. 1821 erklärte sich der bayerische König Max Joseph bereit, die Kosten zu tragen. Nach mehreren Begutachtungen wurde Reindel mit der Leitung der Restaurierungsmaßnahmen beauftragt. Es zeigte sich bald, dass es nötig war, den Brunnen komplett abzutragen und wiederaufzuführen. Etliche der Originalfiguren waren bereits weitgehend oder völlig verwittert, es mussten neue Figuren geschaffen werden. Die abgenommenen Originalfiguren wurden im Germanischen Nationalmuseum deponiert.

Da man bis dato wenig Erfahrung mit Restaurierungen im gotischen Stil hatte, beauftragte man den Münchner Bildhauer Ernst Bandel mit Entwürfen für die Figuren, von denen er mehrere auch ausführte. Man sieht ihrem Stil das noch klassizistisch geprägte Gotikverständnis der Frühromantik an. Als Glücksgriff erwies sich die Heranziehung des jungen Bildhauers Jakob Daniel Burgschmiet, der mehrere Figuren nach Bandels Entwurf ausführte und vier große Figuren nach seinen eigenen, darunter auch den Kurfürsten von Böhmen. Wenn auch die Ergebnisse heutiger kritischer Sicht nicht ganz standhalten, muss man diese Restaurierung als eine der frühesten und wichtigsten Pioniertaten der Denkmalpflege würdigen. Auch die vermeintliche "Signatur" und die Deutung der Figur sind kritisch zu hinterfragen.

In der Zeit um 1900 wurde der Brunnen abermals umfassend restauriert. Die Figuren Bandels und Burgschmiets wurden durch neue ersetzt und im Hof des Katharinenklosters eingelagert. Dort fielen sie im Zweiten Weltkrieg dem Bombenkrieg zum Opfer. Reste von 6 großen Figuren wurden 1970 geborgen und den Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg einverleibt, darunter die vorliegende. Die um 1900 neu geschaffenen Figuren befinden sich noch heute am Brunnen. Sie wurden in den letzten Jahren erneut restauriert.

Führungen zum Schaustück des Monats: