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Schaustück des Monats

Titelbild des Schaustücks
Schaustück der Monats November 2015: Die Handpuppe "Das Gespenst" von Dietmar Peters.

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1. bis 30. November 2015

Schaustück des Monats November 2015:
Notspielzeug als kollektives Phänomen

In der beliebten Veranstaltungsreihe "Schaustück des Monats" stellen Ihnen die Museen der Stadt Nürnberg während ca. 30-60 minütiger Spezialführungen besondere Exponate aus dem Besitz der Stadt Nürnberg vor. Der November 2015 ist mehreren Exponaten gewidmet. Denn das neue Konzept der "Bürgerausstellung" im Spielzeugmuseum hat eine Welle der Kommunikation von Menschen aus der Region und aus ganz Deutschland im Spielzeugmuseum ausgelöst und thematisch einen Nerv getroffen – nicht nur bei der Erlebnisgeneration der Kriegs- und Nachkriegskinder. Das zeigt sich daran, dass auch mehrere Monate nach der Ausstellungseröffnung dem Museum nach wie vor Notspielsachen aus der Nachkriegszeit leihweise oder als Schenkung zur Verfügung gestellt werden. "Notspielzeug" – das wurde in den ersten Monaten seit Ausstellungseröffnung deutlich – ist, obgleich jede kleine Spielsache individuell hergestellt wurde, ein kollektives Phänomen.

Im Sinne der inhaltlichen Partizipation von Menschen mit ihren Museen präsentiert das "Schaustück des Monats November" daher eine Auswahl jüngst ins Museum gekommener Notspielsachen mit ihren jeweiligen Entstehungsgeschichten. Alltagsgeschichte entsteht im Gespräch, und so zeigt sich hier, dass eine Ausstellungseröffnung ein Thema auch nicht ab-, sondern aufschließen kann.

Die Schaustücke

Das Gespenst von Dietmar Peters
Dietmar Peters Familie lebte während des Zweiten Weltkriegs in dem damals gut bürgerlichen Stadtteil Bogenhausen in München. Sein Vater war Parteimitglied der NSDAP. Nach Kriegsende bekam er von den amerikanischen Besatzungsbehörden Berufsverbot und musste – als promovierter Wirtschaftsprüfer – nun als Hilfsarbeiter in einer Schreinerei arbeiten, um seine Familie zu ernähren. Für seine drei Söhne schnitzte er in dieser Zeit mehrere Handpuppen zum Theaterspielen – unter anderem das Gespenst.

Die Ritterburg von Klaus Heisinger
Wenn der Luftangriff des 2. Januar 1945 nicht gewesen wäre, wäre Klaus Heisinger in Nürnberg geboren. Doch am 2. Januar 1945 wurde das Haus seiner Familie zerstört, seine Mutter verließ hochschwanger die Stadt und bekam im Februar 1945 ihren Sohn Klaus. Nach dem Krieg lebte die Familie wieder in Nürnberg, wobei das Wohnzimmer zugleich Werkstatt war. Der Vater war Zimmermann, Sohn Klaus hatte früh einen eigenen Kinderwerkzeugkasten. Mit diesem schnitzte er den Dolch und baute sich eine Ritterburg nach dem Vorbild von Rothenburg ob der Tauber – einer Stadt, die ihn angesichts der Struktur tief beeindruckt hat. Die Kriegserlebnisse haben ihn geprägt: "Heute engagiere ich mich als Freiwilliger bei der Betreuung von Flüchtlingen, weil ich aus meiner eigenen Familie noch gut weiß, wie es ist, wenn man nur noch das hat, was man am Leib trägt."

Die Fetzenpuppe von Ute Charytonow
Ute Charytonows Mutter nahm, was vorhanden war, um ihrer Tochter eine Puppe zu basteln in der Zeit, in der an gekauftes Spielzeug nicht zu denken war. Die Puppe "Gretel", klein und empfindlich, wurde aus Stoffresten genäht, bekam ein gesticktes Gesicht und phantasievoll aus Damenstrümpfen geflochtene Zöpfe.

Führungen zum Schaustück des Monats