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Schaustück des Monats

Schaustück des Monats Februar 2013: Die "Englische Puppe" aus Nürnberg.
1. bis 28. Februar 2013

Schaustück des Monats Februar 2013
Die "Englische Puppe" aus Nürnberg
Wie die "Urgroßmutter der Barbie" nach Franken kam

Hergestellt von Johann Ludwig Stahl (1759-1835), Nürnberg

Auch im Jahr 2013 setzen wir unsere beliebte Sonderreihe "Schaustück des Monats" fort, in der wir Ihnen besondere Exponate aus dem Besitz der Stadt Nürnberg vorstellen.

Der Februar 2013 ist einem hochinteressanten Exponat im Spielzeugmuseum gewidmet: Es handelt sich um eine aus Karton hergestellte Ankleidepuppe des späten 18. Jahrhunderts, quasi die zweidimensionale "Urgroßmutter der Barbie".

Ende des 18. Jahrhunderts - im Zuge der Französischen Revolution, der Ideen der Spätaufklärung und der Begeisterung für das "modern" empfundene England - entstanden in Europa die ersten gedruckten luxuriösen Modejournale mit farbigen Bildbeilagen. Sie waren in ihrer Wirkung durchaus vergleichbar mit der "Vogue" oder der "Brigitte" unserer Zeit.

Vor diesem Hintergrund entstand eine neue Gattung von Spielzeug, die Ankleidepuppe mit Garderobe aus Papier. In London entwickelt und vorgestellt, betrat die "Urgroßmutter der Barbie" im Jahre 1791 zum ersten Mal den deutschen "Laufsteg":
In Friedrich Justin Bertuchs Weimarer "Journal des Luxus und der Moden", einer Art Lifestyle-Magazin, wurde die sogenannte englische Puppe zum ersten Mal in Deutschland als "eine neue sehr artige Erfindung" angepriesen. Entwerfer und Hersteller jenes, aus bedrucktem Karton-Papier geschnittenen, "englischen Spielwerks" war der Weimarer Maler Georg Melchior Kraus (1737-1806). Im Eigenverlag bot er verschiedene Ankleidepuppen mit englischer oder französischer Garderobe neuesten Geschmackes als amüsantes Spielzeug und modisches Lehrmaterial an.

Bereits im Januar 1793 inserierte der Nürnberger Maler, Kupferstecher und Wachsbossierer Johann Ludwig Stahl (1759-1835) im "Intelligenz-Blatt Nr. 1 (Beilage des Journal des Luxus und der Moden)" neben seiner weiblichen auch eine männliche Anziehpuppe mit modischer Toilette, dazu ein Puppenpferd für Knaben, das man abschirren und mit diversen Reitern beladen konnte.

Von jenen frühesten Belegen der europäischen Papier-Ankleidepuppe sind heute lediglich einige wenige Exemplare weltweit bekannt - die Ankleidepuppe aus dem Spielzeugmuseum ermöglicht einen kleinen, feinen Einblick in die Kultur der Goethezeit fränkischer Prägung und belegt mit einem äußerst seltenen Original einen um 1800 bedeutenden Zweig der Nürnberger Luxuspapier- und Spielwarenfertigung.