Collage verschiedener Katalogtitel. Foto: Erika Moisan
Umschlag eines Wollmusterkatalogs mit Werbung für die Hausmarke "Dukaten Wolle", 1930er Jahre.Küchengeräte der 1950er Jahre, darunter einige der Eigenmarke "Quellux".Schürzen unterschiedlicher Schnitte und Muster für die adrette Hausfrau, Herbst/Winter-Katalog 1958/59.Modern gestalteter Titel des Herbst/Winter-Katalogs 1957/58.Schmalfilmkameras der Eigenmarke "Revue" aus dem Foto-Quelle Angebot der 60er Jahre.Olympia 1972 löste einen Fitness-Boom aus, auf den der Quelle-Versand umgehend reagierte.Und noch einmal die farbenfrohen Siebziger, mit dem Universum TV-Radio-Portable SK 2217.Das "Dream-Team" Gustav und Grete Schickedanz in den 1950er Jahren.
Hersteller:

Großversandhaus Quelle, Fürth in Bayern

Datierung:

1949-2009

Technik:

Papier, bedruckt

Wie alles begann

Der junge Fürther Kaufmann Gustav Schickedanz gründete 1922 seine erste eigene Firma und verkaufte "Kurzwaren en gros". Er begann im Kleinen, verkaufte Kurz-, Weiß- und Wollwaren an den Einzelhandel in der Region und lieferte selbst aus. Nach dem ersten Geschäftsjahr verzeichnete das kleine Unternehmen ein Vermögen von rund 10.000 Reichsmark.

Vier Jahre nach der Gründung beschäftigte Gustav Schickedanz bereits fünf Angestellte. 1927 schon folgte der Eintrag eines weiteren Firmennamens ins örtliche Handelsregister – jenes Namens, der zum Inbegriff einer deutschen Erfolgsgeschichte werden sollte: "Quelle".

Schickedanz' Geschäftsphilosophie und zugleich Erfolgsrezept seines Hauses hieß "vom kleinen Gewinn zum großen Nutzen für möglichst viele Menschen". Knappe Kalkulation in An- und Verkauf, rechnete sich also für alle Beteiligten: die Hersteller, den Versandhandel und die Kundschaft.

Kataloge und Musterbücher

Der erste kleine Katalog für 1928/29 zählte rund 80 Seiten und bot vom Nähgarn über Haarkämme bis zum Geschirrtuch alles, was man im Alltag brauchte, dabei natürlich auch Wolle für die fleißig strickende Hausfrau. Elf Jahre nach der Firmengründung beschäftigte Quelle, nun das größte Wollgeschäft Deutschlands, bereits 500 Angestellte.

Vier Jahre später betrug der Jahresumsatz unglaubliche 40 Millionen Mark. Die qualitätvolle und dabei preiswerte Dukaten-Wolle, die erste Quelle-Eigenmarke, trug das Ihre zum Erfolg des Hauses bei. Ein eigener Wollmuster-Katalog informierte ausführlich über die Vielfalt des Sortiments. Nach dem gleichen Prinzip waren auch die kleinen Stoffmuster-Bücher konzipiert, die an die "Selbstnäherinnen" verschickt wurden – immer mit der freundlichen Bitte, die Büchlein bei Nichtbedarf zurück zu schicken oder an interessierte Nachbarn und Freunde weiterzugeben.

1943, als Lager, Verwaltung und Versand bei Bombenangriffen zerstört wurden, kam der florierende Handel zum Erliegen. Erst 1949 sollte es ein Wiedersehen mit ersten Quelle-Nachkriegsangeboten geben, noch ganz bescheiden auf selbstgefertigten Handzetteln.

Neues von der Quelle

Ab 1949 erschienen die "Neueste Quelle Nachrichten", schmale Kataloge, die mehrmals im Jahr ergänzt wurden durch Sonderangebotslisten und Extrahefte wie "Quelle Sommer-Märchen" oder "Quelle Weihnachtsnachrichten".

Die Frühjahrsausgabe 1951 umfasste noch bescheidene 16 Seiten. 1953 schmückte erstmals die Freundschaftshand das große "Q" im Firmennamen. Der erste Hauptkatalog Frühjahr/ Sommer 1954 zählte bereits 72 Seiten und ein Sortiment von 1200 Artikeln. Von nun an erschienen zwei Kataloge jährlich, immer mit einer sechsmonatigen Preisgarantie bis zum Erscheinen der nächsten Katalogausgabe. Rund 20 Sonderaussendungen und Katalogbeilagen ergänzten das Programm.

Ende der 1950er Jahre konnte der Quelle-Kunde in 272 Seiten blättern, mehr als die Hälfte davon waren farbig gedruckt. Sechs Jahre später erschien der Quelle-Katalog schon 582 Seiten stark in einer Auflage von rund 6 Millionen Exemplaren. Das Angebot umfasste inzwischen nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens, vom Taschentuch bis zum Fertighaus. Quelle hatte sich zum "Universal-Versandhaus" entwickelt, das sich auch mit dem stationären Angebot von Waren- und Kaufhäusern messen konnte.

Seit Mitte der 1980er Jahre bis zur letzten Katalogausgabe für Herbst/Winter 2009/2010 wuchs die Seitenzahl des "dicken Einkaufsbuches" von etwa 1000 bis auf rund 1400 Seiten an. Ab 1989 erschien neben der Standard-Version zusätzlich "der Kleine", der identische Katalog im Miniformat 14 x 18 cm.

"Herzstück" des Versands

Die Gestaltung des Katalogs, "Herzstück" des Versandhandels, war von Anfang an "Sache der Chefin". Grete Schickedanz wachte über die Entstehung einer jeden neuen Ausgabe von Anfang bis Ende. Keine Doppelseite ging in Druck ohne ihr "OK". Das Titelbild, das "Gesicht" des Quelle-Katalogs, war dabei stets ein besonders heikles Thema. Hier war der Cheflayouter gefragt. Aus seinen Titelentwürfen wurde die neue Vorlage für den Cover-Fotografen ausgewählt.

In der Rückschau von 60 Jahren sind allein die Katalogtitel ein untrügliches Spiegelbild gesellschaftlichen Wandels – Modetrends, Stil, Geschmack und Zeitgeist. Ein Blick in die Kataloge jener Jahre schließlich kann der Beginn einer sehr persönlichen Zeitreise sein, verbunden mit einer Menge schmunzelnder wie wehmütiger Erinnerungen.

Reihe "Starke Stücke, kleine Schätzchen"

Text: Regine Franzke