Jugendstil aus Nürnberg 1897 – 1906

Die Sammlung Pese

Die neue Museumseinheit "Jugendstil aus Nürnberg" auf der Museumsstraße. Foto: Erika Moisan

Das Thema "Jugendstil aus Nürnberg" war im Museum Industriekultur bislang kaum vertreten – nun ist es dauerhaft in einer eigens dafür gebauten und begehbaren Vitrine auf der Museumsstraße zu sehen. In der neuen Museumseinheit beleuchtet eine jährlich wechselnde Auswahl von Objekten die Geschichte des Nürnberger Jugendstils mit außergewöhnlich qualitätvollen und phantasiereichen Zier- und Gebrauchsgegenständen verschiedener Hersteller.

Für die Produktion von Jugendstil-Objekten gab es in Nürnberg um 1900 eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Kunsthandwerkern, Gestaltern und kunstorientierten Fabrikanten: Den Anfang machte 1897 die Keramikfabrik von Johann von Schwarz mit Carl Sigmund Luber als ihrem künstlerischen Leiter. Er entwickelte eine phantasiereiche Produktpalette von Gegenständen in perfekt ausgeführter Unterglasurmalerei, zum Beispiel Vasen, Kannen und Wandkacheln. Zwei Jahre später, 1899, folgte die Metallwarenfabrik von Walter Scherf, in der Zinngusswaren wie Kerzenleuchter, Bilder- und Spiegelrahmen oder Zierschalen, Döschen und ähnliches hergestellt wurden, die jeden Vergleich mit den Erzeugnissen der anderen Produzenten dieser Art des In- und Auslands zu jener Zeit standhalten. Weitere wichtige Werkstätten und Betriebe waren Ignaz Bing, Johann Brand & Stauch, Simon Felsenstein & Sigmund Mainzer, Franz Kainzinger, Emil Kellermann, Friedrich Müller und Georg Friedrich Schmitt.

Ab 1901 veranstaltete das Bayerische Gewerbemuseum kunstgewerbliche Meisterkurse, um Nürnberger Kunsthandwerker mit der Formensprache des Jugendstils bekannt zu machen. Dank dieser Initiative kamen bis 1913 herausragende Designer jährlich für einige Wochen nach Nürnberg, die unter anderem die Feinheiten des Jugendstils lehrten. An diesen Kursen nahmen auch Frauen teil, die sich vor allem mit textilen Arbeiten beschäftigten. 1906, genau zehn Jahre nach Beginn des Jugendstils in Nürnberg, waren andere künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten gefunden, und der Jugendstil kam nicht nur in der Noris zu seinem Ende.

Die Präsentation geht auf die Sammlung von Maria und Claus Pese zurück, die 2016 der Stadt Nürnberg für ihre Museen übergeben wurde und einen repräsentativen Querschnitt der Fülle und Vielfalt des Nürnberger Jugendstils in seinen Formen und Dekoren bietet.