Kompressorkühlschrank "Santo"

Kompressorkühlschrank "Santo" von AEG, frühe 1930er Jahre.
Bedienelement zur Kälteeinstellung.Typenschild auf dem Kompressor.AEG Santo Werbebroschüre, um 1934. Bildnachweis: Deutsches Technikmuseum/ AEG SammlungZwei Santo-Modelle aus der AEG-Preisliste 1932.
Hersteller:

AEG

Entwurf:

General Electric/ USA, 1926

Datierung:

frühe 1930er Jahre

Maße:

H: 166 cm, B: 72 cm, T: 63 cm

Gewicht:

163 kg Leergewicht

Technische Daten:

200 Liter Kühlraum, 220 Volt Wechselstrom, 1,7 KWh/ Tag Verbrauch

Um 1930 erwarb die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft/ AEG die Produktionsrechte an einem Kühlschrank-Modell des amerikanischen Konzerns General Electric/GE. Der "Monitor-Top", der erste in Großserie produzierte Kühlschrank überhaupt, lief dort ab 1926 allein in den ersten fünf Jahren eine Million Mal vom Band.

Schon 1932 bot AEG das amerikanische Erfolgsmodell als "Santo" in verschiedenen Größen und Ausführungen an. Mit 200 Litern Kühlraum und rund 4 Kilogramm Eisvorratsmenge (oder 96 Eiswürfeln, so der Hersteller) zählt unser Museumsstück zwar zu den kleineren Modellen, ein Luxusobjekt war es aber allemal bei einem Neupreis von stattlichen 1350 Reichsmark.

Wie eine mächtige Krone sitzt der ringförmige Kompressor auf der Abdeckplatte, als sichtbare, technische Einheit, die, gekoppelt an einen elektrischen Antriebsmotor, den Wärme-/ Kälte-Zyklus des Kühlmittels in Endlosschleife automatisch steuert. In der AEG-Preisliste des Jahres 1932 wird auf die "unübertreffliche Betriebssicherheit" des Modells verwiesen, ein quasi wartungsfreies System, dazu geräuscharm, energiesparend und äußerst langlebig. Dennoch, der Siegeszug des Kühlschranks ließ hierzulande noch auf sich warten, während mehr als die Hälfte der amerikanischen Haushalte schon über einen "Fridge" verfügte. Erst in den Wirtschaftswunderjahren begann sich das zu ändern. Hatte man im Deutschen Bundestag 1951 noch darüber diskutiert, den Kühlschrank mit einer Luxussteuer zu belegen, weil dieser offenbar nur Großverdienern vorbehalten war und man seiner Verbreitung geringe Chancen einräumte, verfügten 10 Jahre später immerhin 54% der deutschen Haushalte über den leise brummenden "Wohlstandstresor", der so herrlich unabhängig machte von Klima und Jahreszeit, der Verderblichkeit von Frischware und damit dem lästigen täglichen Einkauf...

Als früher Designklassiker unter seinesgleichen hat der "Santo" längst Geschichte geschrieben, ganz unabhängig davon, dass die „Kompressorkrone“ schon einige Jahre später von deutlich preiswerteren Santo-Modellen ohne Aufbau abgelöst wurde, die, weniger sperrig, auch in kleine Küchen eingepasst werden konnten.

Text: Regine Franzke