zurück

Schaustück des Monats

"Schaustück" des Monats August 2012: Johannes (?) Vischer: Albrecht Dürers "Vier Apostel" in Kopien von 1627.
01. bis 31. August 2012

Gewinn im Verlust.
Johannes (?) Vischer: Albrecht Dürers "Vier Apostel" in Kopien von 1627

Johannes oder Georg Vischer (Fischer), 1627
Ölfarben auf Holz

Auch im Jahr 2012 setzen wir unsere beliebte Sonderreihe "Schaustück des Monats" fort, in der wir Ihnen besondere Exponate aus dem Besitz der Stadt Nürnberg vorstellen. Anlässlich der Eröffnung des neuen "Dürer-Saals" im Albrecht-Dürer-Haus am 26. Juli 2012 ist der August den historisch bedeutenden Kopien von Albrecht Dürers 1526 entstandenen Gemälden "Vier Apostel" gewidmet. Diese aus zwei Tafeln bestehende originalgroße Replik wurde 1627 von Johannes oder Georg Vischer geschaffen. 

Im Sommer 1526 schenkte Albrecht Dürer dem Rat seiner Vaterstadt Nürnberg zwei Tafelbilder mit der Darstellung der Apostel Johannes Evangelista, Petrus, Paulus und Markus. Die von Dürer zum "ewigen gedechtnus" bestimmten Tafeln gehören heute zu den bedeutendsten Werken der europäischen Malerei. Gemeinsam mit vier weiteren aus der Hand Dürers stammenden Bilderpaaren - darunter z.B. "Adam und Eva" oder "Kaiser Karl der Große und Kaiser Sigismund" - machten die "Vier Apostel" das Nürnberger Rathaus zeitweise zu einem regelrechten "Dürer-Museum": Für etwa 30 Jahre waren hier insgesamt zehn hochkarätige gemalte Dürer-Originale versammelt.

Doch bereits 1587 begann die Verlustgeschichte der Nürnberger Dürer-Bestände, als Kaiser Rudolf II. das Bilderpaar "Adam und Eva" (heute im Museo del Prado in Madrid) für seine Prager Sammlung reklamierte. 50 Jahre später nutzte Kurfürst Maximilian I. von Bayern - katholischer Landesherr und bekennender Dürer-Fan - den Druck des Dreißigjährigen Krieges, um 1627 vom protestantischen Nürnberg die Herausgabe der "Vier Apostel" zu verlangen. Die Taktik des Nürnberger Rates, dem Kurfürsten stattdessen höchst qualitätvolle und unversehrte originalgroße Kopien dieses Hauptwerkes anzubieten, ging nicht auf: Seit damals gelten Dürers vier heilige Männer als Prunkstücke der Münchener Sammlungen. Sie sind heute in der Alten Pinakothek zu bewundern.

Für interessierte Museumsbesucher, die mehr über das originale Werk und seine ebenfalls meisterlichen Repliken sowie die spannenden Umstände beider Entstehung erfahren möchten, bietet Dr. Thomas Schauerte, Leiter des Albrecht-Dürer-Hauses und der Graphischen Sammlung der Stadt Nürnberg, zwei kostenlose Spezialführungen an.