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Schaustück des Monats

schönste Schöpfung der Frührenaissance
"Schaustück" des Monats September 2012: Der Hirsvogelsaal im Renaissancegarten des Museums Tucherschloss: 1534 erbaut, 1945 zerstört, 2000 wieder errichtet.
01. bis 30. September 2012

"...schönste Schöpfung der ganzen deutschen Frührenaissance"
Der Hirsvogelsaal als "Gesamtkunstwerk"

Peter Flötner, Georg Pencz und andere, ab 1534

Auch im Jahr 2012 setzen wir unsere beliebte Sonderreihe "Schaustück des Monats" fort, in der wir Ihnen besondere Exponate aus dem Besitz der Stadt Nürnberg vorstellen. Der September 2012 ist einem der - sowohl hinsichtlich der Ausmaße als auch der Bedeutung - größten Exponate der Museen der Stadt Nürnberg gewidmet: dem heute im Renaissancegarten des Museums Tucherschloss gelegenen Hirsvogelsaal.

Vor allem vier Jahreszahlen kennzeichnen den vor fast 480 Jahren errichteten Hirsvogelsaal: die Erbauung im Jahr 1534, die Erweiterung in den 1580er Jahren, die Zerstörung 1945 und der Wiederaufbau am neuen Ort im Jahr 2000.

Auftraggeber des Gebäudes war der reiche Patrizier Lienhard III. Hirsvogel: An die Gartenseite seines gotischen Wohnhauses in der Hirschelgasse ließ er 1534 einen repräsentativen Saalbau im modernen Stil der Renaissance errichten. Der Saal, der der Erholung und Geselligkeit dienen sollte, war das Brautgeschenk für die Augsburger Kaufmannstochter Sabine Welser, die Lienhard im Jahr 1535 heiratete.

Für die Gestaltung des Saales beauftragte Lienhard berühmte Künstler: Die Architektur wie auch die mit antikischen Motiven gegleiderten Wandverkleidungen im Innenraum sowie der steinerne "Kamin" als Zugang zum Garten werden dem Bildhauer und Medailleur Peter Flötner zugeschrieben. Das zur Entstehungszeit "größte zusammenhängende Deckengemälde nördlich der Alpen" mit der Darstellung "Der Sturz des Phaethon" stammt vom Dürer-Schüler Georg Pencz. Aufgrund dieser drei exquisiten Kernstücke gilt der Hirsvogelsaal in der Forschung als "strengste und schönste Schöpfung der ganzen deutschen Frührenaissance", so der Kunsthistoriker Fritz Traugott Schulz. In den 1580er Jahren wurde die Dekoration im Sinne einer "Kaisergalerie" um die lebensgroßen Büsten der ersten 12 römischen Kaiser erweitert. In den freien Wandstücken hingen ursprünglich große Ölgemälde.

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine der wichtigsten Nürnberger Touristenattraktionen, wurde der Hirsvogelsaal - wie auch das übrige Hirsvogelanwesen - 1945 ein Opfer des Bombenangriffs. Während die Außenarchitektur unrettbar verloren ging, konnte die Innenausstattung geborgen werden.

Auf Initiative der Museen der Stadt Nürnberg wurde zum Stadtjubiläumsjahr 2000 an anderem Ort - im Garten des Tucherschloss - ein Neubau errichtet, der die sorgsam restaurierte bzw. rekonstruierte originale Innenausstattung aufnahm. Seit Mai 2009 vervollständigen Neuschöpfungen der in den Nachkriegswirren verloren gegangenen Kaiserbüsten das "Gesamtkunstwerk Hirsvogelsaal", der als Teil des Museums Tucherschloss heute in ganz ähnlicher wie einst zu seiner Entstehungszeit genutzt wird.

Für interessierte Museumsbesucher, die mehr über spannende und nicht unkomplizierte Geschichte des Hirsvogelsaals von der Entstehung bis zur Rekonstruktion und seine beeindruckende künstlerische Ausstattung erfahren möchten, bietet Ulrike Berninger, Leiterin des Museums Tucherschloss und des Hirsvogelsaals, zwei kostenlose Spezialführungen an.