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Schaustück des Monats

Schaustück des Monats September 2014: "Hase und Igel", das erste "Spiel des Jahres", 1979.
1. bis 30. September 2014

Schaustück des Monats September 2014:
Hase und Igel

Das erste "Spiel des Jahres"

In der beliebten Veranstaltungsreihe "Schaustück des Monats" stellen Ihnen die Museen der Stadt Nürnberg während ca. 30-60 minütiger Spezialführungen besondere Exponate aus dem Besitz der Stadt Nürnberg vor.

Dr. Torsten Lehmann, Mitarbeiter am Deutschen Spielearchiv Nürnberg, wird einen inzwischen 36 Jahre alten Spieleklassiker vorstellen: "Hase und Igel".

Von den alten Griechen inspiriert

1973 nahm der englische Werbetexter David Parlett die uralte Fabel des Griechen Äsop über den Wettlauf von Hase und Schildkröte zur Vorlage, um ein gleichnamiges Spiel zu entwickeln: "Hare and Tortoise" wurde 1974 bei Intellect Games in England veröffentlicht. Unter dem Titel "Hase und Igel" erschien das Spiel 1978 im Verlag Ravensburger. Jeder Spieler muss so schnell laufen wie der Hase und dabei so klug sein wie der Igel, um zu gewinnen. Alle haben einen Grundvorrat an Karotten und Salat in Form von Karten, um ihre Figur bewegen zu können. Da dieser Vorrat nicht bis zum Ziel reicht, muss man unterwegs Karotten erwerben. Dies geschieht durch Aussetzen, Zurückgehen oder die Nutzung der Bonusfelder. Beim Zieleinlauf darf man aber nicht mehr als zehn Karotten und keinen Salat mehr besitzen. Hier entscheidet kein Würfelglück, sondern kluges Taktieren und Disponieren.

Der Spieleautor David Parlett

Der gebürtige Londoner David Parlett, Jahrgang 1939, entwickelte schon als Kind eigene Spielideen. Nach dem Studium war er zunächst Lehrer für Französisch und fand dann eine Anstellung bei einer PR-Agentur. 1972 wurde Parlett Autor beim Spielermagazin "Games and Puzzles", später sogar Herausgeber. Als Freiberufler erfand er seit 1975 zahlreiche Spiele und schrieb mehrere Bücher.
Trotzdem schien "Hase und Igel" bei Ravensburger anfänglich zu floppen, weil es dem Verlag viel zu kompliziert erschien. Ohne die Auszeichnung als "Spiel des Jahres", die erstmals im Jahre 1979 vergeben wurde, wäre "Hase und Igel" wohl bald aus dem Programm verschwunden. Das Publikum folgte mit unerwartet hoher Akzeptanz der neuen Prämierung durch die Fachwelt und ließ sich gern auf das Spiel ein, so dass bisher über zwei Millionen Exemplare in zwölf Sprachen verkauft wurden.

Die Kritikerauszeichnung "Spiel des Jahres"

Die Auszeichnung stammte vom Verein "Spiel des Jahres e.V.", der 1978 von Spielekritikern im deutschsprachigen Raum gegründet worden war, um das Kulturgut Spiel in Familie und Gesellschaft zu fördern. Mit dem jährlich vergebenen Kritikerpreis "Spiel des Jahres" will der Verein nicht nur die Entwicklung wertvoller Spiele anregen. Zudem soll im riesigen Angebot an Spielen auch eine unabhängige und kompetente Orientierungshilfe gegeben werden. Dazu dient eine Empfehlungsliste mit einer Auswahl der besten Spiele des Jahrgangs. Seit 2001 wird auch ein "Kinderspiel des Jahres" prämiert, seit 2011 ein "Kennerspiel des Jahres" ausgezeichnet. Beurteilungskriterien für die Vergabe des Spielkegels (Pöppel) mit dem Lorbeerkranz sind u.a. die Spielbarkeit und die Verständlichkeit der Spielregeln. Auch die Funktionalität des Spielmaterials ist wichtig, ebenso die Grafik von Cover und Spielplan. Mittlerweile genießt der Preis "Spiel des Jahres" einen tadellosen Ruf in der Branche und im breiten Publikum. Er hat eine internationale Ausstrahlung und diente als Vorbild für die entsprechenden Auszeichnungen in anderen Ländern.

Veranstaltungsort
Deutsches Spielearchiv Nürnberg
Foyer des Pellerhauses
Egidienplatz 23
90403 Nürnberg

Führungen zum Schaustück des Monats