zurück

Schaustück des Monats

Schaustück des Monats Februar 2014: Der Grundig "phono boy". Ein Design-Klassiker aus dem Jahr 1969.
1. bis 28. Februar 2014

Der Grundig "phono boy"
Ein Design-Klassiker

Hersteller: Grundig, Fürth
Datierung: 1969
Design: Mario Bellini für Minerva/ Italien
Beschreibung: Portabler Plattenspieler für 17cm-Platten mit 45 UpM, Plastikgehäuse mit Metalltragebügel, Batteriebetrieb (2 x 4,5 Volt), Gleichstrommotor mit elektronischer Drehzahlregelung, Gewicht 1,2 kg
Maße: 20 x 22 x 8 cm
Besitzer: Museen der Stadt Nürnberg, Museum Industriekultur

Form follows function

"Form follows function", das Mantra des modernen Designers, kommt bei diesem Klassiker geradezu exemplarisch zum Ausdruck. Nichts ist zu viel an diesem so genannten "record eater". Die Formensprache ist klar, reduziert auf das Wesentliche. Die Rundung des Gehäuses folgt exakt der einer Single (zur Erinnerung: kleine schwarze Vinyl-Schallplatte mit 45 Umdrehungen pro Minute), die, vergleichbar mit dem Toaster-Prinzip, in den Plattenschlitz gesteckt und nach unten gedrückt wird. Nach dem Abspielen des Musikstücks kommt die Platte von selbst wieder zum Vorschein. Ein schlichter, ebenfalls gerundeter Tragebügel aus Metall ist heb- und senkbar integriert. Runde Lautsprecherbohrungen, im Kreis angeordnet, ergänzen das perfekte Design. Material und Farbe liegen ganz im Trend: Thermoplast in sattem Orangerot!

Vom "GA45" zum phono boy

Das einzig Grundig-typische an dem originellen "Plattenschlucker" ist sein Name, vor allem der "boy" darin. Die meisten der zahlreichen portablen Grundig-Radios der 1950er und 60er Jahre waren boys. Der frühe Grundig Boy, der kleine Solo Boy, ein Taschenradio im roten Lederetui, dann micro boy, music boy, melody boy, ocean boy, concert boy, prima boy, city boy, party boy etc., es will gar kein Ende nehmen. Wie aber kam es zu diesem unerhört trendigen Portable im Angebot des fränkischen Traditionalisten? Ganz einfach, Grundig erwarb 1969 die Lizenzrechte für Herstellung und internationalen Vertrieb. Ursprünglich ein Gerät des Mailänder Unternehmens Minerva, 1968 designt von keinem Geringeren als Mario Bellini, wurde aus dem "GA 45" ein weiterer boy, der phono boy.

Mario Bellini

Der italienische Industriedesigner und Architekt Mario Bellini wurde 1935 in Mailand geboren. 1959 promovierte er am dortigen Polytechnikum in Architektur. Zusammen mit einem Kollegen gründete er 1962 ein eigenes Architektur- und Designbüro und übernahm eine Professur für Industriedesign in Venedig. Bellini entwarf neben Elektronikgeräten unter anderem auch Möbel, Leuchten, Haushaltsgegenstände, ganze Inneneinrichtungen, und die meisten dieser Entwürfe sind heute Designklassiker. Auch als Architekt machte er sich international einen Namen. Sein "GA 45" ist übrigens im Museum of Modern Art/New York in der Dauerausstellung zu bewundern. 1987 ehrte ihn dieses bedeutende Museum mit einer großen Ausstellung. Die besondere Anerkennung, zu Lebzeiten im MOMA mit einer Retrospektive des eigenen Lebenswerks geehrt zu werden, wurde vor ihm nur einem zuteil, dem einzigartigen Architekten und Designer Charles Eames.

Begleitprogramm zur Ausstellung