Flusslandschaft mit Wanderern (Pilgern)

Willem von Bemmel: Flusslandschaft mit Wanderern

Willem (Wilhelm) von Bemmel (1630-1708), zugeschrieben

1660
Öl auf Leinwand, doubliert
Bildmaße: 90 x 151,5 cm

Ein alter Mönch reitet auf einem Pferd, begleitet von einem jüngeren Mann, der duch den großen Hut, den Stab und die Kürbisflasche als Pilger gekennzeichnet ist. Den düsteren Wald hinter sich lassend, gelangen sie in ein weites Flusstal, in der Ferne sieht man ein Bauwerk, eine Stadt, eine Burg oder ein Kloster, vielleicht das Ziel der Reise. Zwei weitere Paare von Wanderern befinden sich vor ihnen auf dem Weg. Der Himmel beginnt sich im Abendlicht rötlich zu färben. Reisen war beschwerlich und nicht ungefährlich im 17. Jahrhundert, das wusste der Künstler aus eigener Erfahrung.

Der Künstler

Willem van Bemmel wurde im Jahre 1630 in Utrecht in den Niederlanden geboren. In Rotterdam war er Schüler des Landschaftsmalers Herman Saftleven, von wo er 1647, noch vor Ende des Dreißigjährigen Krieges, nach Vendig zog, wo er zwei Jahre blieb. Anschließend lebte er 4 Jahre in Rom, von wo aus er u.a. in Tivoli malte, dann hielt er sich in Neapel auf. Nach einer Englandreise arbeitete er um 1653 für den Landgrafen von Hessen-Rotenfels, auf der Burg Rheinfels bei St Goar am Rhein. Nach kurzem Aufenthalt in Augsburg ließ er sich 1662 in Nürnberg nieder, wo er heiratete und bis zu seinem Tode 1708 als Maler tätig war. Er wohnte in der Vorstadt Wöhrd. Willem wurde hier zum Stammvater einer geachteten und produktiven Künstlerfamilie. Hier könnte unser Landschaftsbild entstanden sein; hier malte er auch gemeinsam mit seinen Söhnen Johann Georg und Peter Landschaften der Umgebung und Ansichten der Stadtmauern und Vorstädte Nürnbergs, von denen einige im Nürnberger Stadtmuseum zu sehen sind.

Netzwerke

Joachim von Sandrart, der Maler, Kupferstecher und große Kunsttheoretiker, der selbst aus einer niederländischen Familie stammte, hatte Bemmel vermutlich bewogen, nach Nürnberg zu kommen. Wahrscheinlich verschaffte er ihm einen Lehrauftrag an der von seinem Neffen Jacob von Sandrart 1662 mitgegründeten Kunstakademie, der ersten in Deutschland. In seiner großen kunsttheortischen Schrift „Die Teutsche Academie der Edlen Bau-, Bild- und Mahlerey-Künste“ stellt er die erste Biographie Bemmels zusammen, den er sehr lobt. Bemmel wiederum schätzte seinen mutmaßlichen Mentor sehr, und vielleicht ist es kein Zufall, dass er dieselben Orte aufsuchte, wie Sandrart vor ihm: England, Venedig, Rom, Neapel, Augsburg und Nürnberg.

Der Stil

Willem van Bemmels Bildauffassung setzt durchaus eigene Akzente in der barocken Landschaftsmalerei. Die Figuren, die sich der Natur unterordnen, leiten den Betrachter als Repoussoirfiguren in den Bildraum hinein. Ein starker Tiefenzug führt vom Vordergrund über den Fluss in die Ferne, die Teile sind wie Kulissen hintereinander aufgebaut, fügen sich jedoch optisch zu einem Kontinuum zusammen, das den Betrachter zu einem Überschauenden macht. Durch die Lichtregie, die an Jan Both und Nicolas Poussin anknüpft, wird dies noch verstärkt: aus dem dunklen Vordergrund blicken wir in eine hellere Ferne. Durch Hell-dunkel-Kontraste werden Spannungen erzeugt. Das stimmungsvolle, allmählich verblassende Abendlicht lässt auch Einflüsse von Claude Lorrain erkennen, den Bemmel in Rom mit Sicherheit traf. Der wohlüberlegte Bildaufbau, die dramaturgisch eingesetzte Beleuchtung, die subtile Farbigkeit, lassen erkennen, dass Bemmel selbst akademische Regeln zur Bildgestaltung aufstellte. Die Landschaftsauffassung findet ein literarisches Pendant in der Hirtenpoetik des Nürnberger Dichters Sigmund von Birken, Begründers des Pegnesischen Blumenordens, mit dem Bemmel eng befreundet war.

Ankauf aus rheinischem Privatbesitz, 18.02.2016.