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Schaustück des Monats

Schaustück des Monats Mai 2016: Albrecht Dürer: Der heilige Antonius vor der Stadt, 1519, Kupferstich. Bildnachweis: Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen
1. bis 31. Mai 2016

Schaustück des Monats Mai 2016:
Stadt, Land, Mönch

Dürers Kupferstich "Der heilige Antonius vor der Stadt"

Bruch mit Bildtraditionen

Darstellungen des Heiligen Antonius sind im Spätmittelalter ein überaus beliebtes Bildthema. Oftmals wird der Heilige, der als Vater der Mönche gilt, in dem Moment seiner Versuchung durch irdische Lüste und der Peinigung durch Dämonen gezeigt. Expressive Form und dramatische Erzählung kennzeichnen diese Werke. Ein berühmtes Beispiel solcher Art ist der Stich von Martin Schongauer aus den 1490er-Jahren.

Dürer bricht in seinem kleinformatigen Kupferstich jedoch mit den üblichen Konventionen. Der heilige Antonius sitzt vollkommen in sich gekehrt vor dem Panorama einer Stadt und liest in einem Büchlein. Wie ein Echo wiederholt die Silhouette der Stadt die blockhafte Gestalt im Vordergrund. Das Doppelkreuz mit kleiner Glocke ist das einzige Attribut, welches ermöglicht, die Gestalt als Antonius zu identifizieren. Es stellt eine räumliche Verklammerung zwischen Eremit und Stadt her. Die Glocke ist ein Verweis auf die Krankenpflege, der sich der im 11. Jahrhundert gegründete Orden der Antoniter widmete. Ihr Klang warnte die Gesunden vor Ansteckung, während er den Kranken und Aussätzigen herankommende Hilfe bedeutete.

Die Stadtansicht kombiniert Dürer aus verschiedenen Versatzstücken. Elemente aus früheren Zeichnungen der Städte Innsbruck und Trient lassen sich erkennen ebenso wie die Nürnberger Kaiserburg.

Frommer Neujahrsgruß?

Der Stich entstand vor Dürers Reise in die Niederlande. Während der Reise hat er diesen Stich zu verschiedenen Anlässen zusammen mit dem als "Meisterstich" bekannten Hieronymus im Gehäus verschenkt. Beide Stiche richten sich an ein humanistisch gebildetes Publikum, welches mit dem Begriff der Vita contemplativa, dem Ideal eines zurückgezogenen Lebens, vertraut war.

In der Dürerforschung wird das Blatt des Antonius als Neujahrsgruß gedeutet, verbunden mit dem Wunsch für ein langes Leben, da der Heilige nach der Legenda aurea stolze 105 Jahre alt wurde.

Sammlung Diehl

Im April 2016 haben die Erben des Industriellen Karl Diehl dessen Sammlung von 143 Dürer-Graphiken der Stadt Nürnberg vermacht. Die Blätter verfügen durchweg über eine hohe bis ausgezeichnete Qualität. So auch Der heilige Antonius vor der Stadt, bei dem es sich gut sichtbar um einen frühen Abzug handelt, da er am rechten Bildrand noch die feinen Spuren eines geplanten, aber nicht ausgeführten Gebäudes aufweist, welche in späteren Abzügen verschwinden.

Ausstellung "Schatz aus Papier. Die Dürer-Sammlung Diehl"

Führungen zum Schaustück des Monats: