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Schaustück des Monats

Schaustück des Monats Februar 2018: Der Tempel des Divus Iulius, des vergöttlichten Gaius Iulius Caesar.

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Donnerstag, 8. Februar 2018, 16 Uhr

Schaustück des Monats Februar 2018:
Vom Caesar zum Gott. Wozu ein Tempel für einen Ermordeten?

Spezialführung mit Ulrike Berninger, M.A., Leiterin des Museums Tucherschloss, vorgestellt, in Zusammenarbeit mit Philipp Kuhn, Institut für Klassische Archäologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Den literarischen Quellen zufolge wurde Caesars Leichnam auf der Ostseite des Forums, direkt vor der Regia verbrannt, auf Befehl seines Adoptivsohns Octavian, dem späteren Kaiser Augustus. Augustus brach dadurch mit einem seit je her bestehendem Gesetz, dass es verbot, die Leichname verstorbener Personen innerhalb der römischen Stadtgrenzen zu bestatten oder zu verbrennen, wie es dem Brauch der damaligen Zeit entsprach. Dieses Verbot sollte Seuchen und Krankheiten vorbeugen, da die Stadt Rom bereits mehr als eine Millionen Einwohner hatte.

Im Jahr 42 vor Christus wurde der Bau eines Tempels für den inzwischen vergöttlichten Caesar beschlossen, der am 18. August 29 vor Christus eingeweiht wurde. Im Baukonzept am Forum bildete dieser Tempel des Divus Iulius einen gelungenen Bauabschluss. Die altehrwürdige Regia und der Vestatempel hingegen verschwanden aus dem Blickfeld des Betrachters. In der Forschung umstritten ist die Frage, ob das Heiligtum unter Hadrian erneuert wurde, da eine Münze aus dem dritten Konsulatsjahr den Kaiser vor dem Divus Iulius stehend zeigt. Der Fundamentkern hingegen, der heute noch auf dem Forum Romanum begutachtet werden kann, gehört wohl zum ursprünglichen Bau. Wie an den zahlreichen anderen Gebäuden auf dem Forum Romanum fiel auch dieses Gebäude dem Steinraub im 15. Jahrhundert zum Opfer. Dennoch reichen die verbliebenen Reste des Gebäudes aus, um den Tempel stilistisch zu den klassischen augusteischen Bauten zuzuordnen.

Der Bau selbst besteht aus einem großen Podium aus Opus Caementitium (Gussmauerwerk), dass durch ein Fundament aus Travertin gestützt ist. Über zwei seitliche Treppen gelangte man auf das Podium vor dem Tempel, das als Rednertribüne genutzt wurde. An dieser Front, die eine halbrunde Aussparung aufweist, wurden nach der Errichtung des Tempels Schiffsschnäbel (Rammsporne) erbeuteter Schiffe aus der Schlacht von Actium (31 v. Chr.) angebracht (Cassius Dio 51, 19, 2). In der Nische, die später zugemauert wurde, fand man bei den Ausgrabungen noch Reste eines Altars. Der eigentliche Tempel bestand aus einer Vorhalle mit sechs Säulen an der Front und einem großen Innenraum. Im Inneren befanden sich zahlreiche Weihegeschenke sowie eine Statue des vergöttlichten Caesar. Ein Komet, der bei den Leichenspielen Caesars längere Zeit gesehen werden konnte, wurde als Zeichen und Beweis für eine Vergöttlichung Caesars interpretiert und als solches betrachtet. Folgerichtig wurde über seinem Bild im Tempel auf Münzen ein Stern, der sog. "Sidus Iulium" abgebildet.

Für die Rekonstruktion des Tempels geben die Münzen nur wenig Anhaltspunkte. Bekannt sind Münzen aus augusteischer Zeit, die einen Tempel mit der Inschrift DIVO IUL zeigen, die aber kaum architektonische Hinweise für eine mögliche Rekonstruktion liefern. Lediglich die Münzen aus hadrianischer Zeit zeigen die Rammsporne an der Vorderseite des Podiums des Tempels sowie unterschiedliche Bodenhöhen der Tempelarchitektur. Zur eigentlichen Cella des Tempels führt ein weiterer kleiner Treppenanstieg.

Lediglich Vitruv beschreibt als einer der wenigen antiken Autoren den Tempel als einen "Tempel mit enger Säulenstellung". Wesentlich hilfreicher für eine Rekonstruktion des Tempels waren die Ausgrabungen selbst, die die genauen Abmessungen des Tempels lieferten und daher eine gute Datenlage für eine Rekonstruktion bilden. Die Architekturreste sind gering, sie reichen dennoch für eine Rekonstruktion aus, lediglich Detailfragen können nicht geklärt werden und müssen offen bleiben (Stand heute). Da Kapitellfragmente zunächst fehlen, ist die Ausgestaltung der Säulenkapitelle nicht klar, vermutet wird im Allgemeinen aber eine korinthische Ordnung. Einzelne Fragmente von Pilasterkapitellen scheinen diese Annahme zu bestätigen. Die wenigen, erhaltenen Säulenfragmente reichen immerhin aus, um die absoluten Maße der Säulen, deren Höhe und Durchmesser und damit die Mindesthöhe des Gebäudes zu errechnen. Ansonsten sind nur einige verzierte Konsolen und Elemente der Dachtraufe aus lunesischem Marmor, sowie Teile des Innenfrieses erhalten. Diese wurden im Innenraum des Modells aber nicht dargestellt.

Das eigentlich Besondere an diesem Tempel ist allerdings weniger seine Architektur sondern sein Standort. Seit "Anbeginn der (römischen) Zeit" stand die Regia am südöstlichen Ende des Forums. Bei dem Bau handelte es sich um einen Komplex, der bis in die mythische Vorzeit Roms reicht und der Sage nach von Numa Pompilius, dem zweiten etruskischen König, errichtet und bewohnt worden sei. Es ist äußerst erstaunlich, dass ein Gebäude mit der Ursprungsfunktion als Amtssitz des Königs einen derartigen Stellenwert hatte, da sich doch jeder Römer, der ein Machtamt innehatte, hütete, in Verbindung mit der Königsherrschaft gebracht zu werden und deutlich auf die Res Publica pochte. Daher diente die Regia den römischen Oberpriestern und verschiedenen Priesterkollegien der Stadt Rom als Amtssitz und Versammlungsort. Hier wurden verschiedene Kulthandlungen, die mitunter auch für den Staatskult bedeutend waren, begonnen, durchgeführt und zelebriert oder beendet. Diverse Unterpfänder, die für den Fortbestand der römischen Res Publica standen, wurden in der Regia aufbewahrt, wie beispielsweise die "Lanze des Mars" oder die "12 Bronzeschilde des Mars".

Neben der Regia stand der Vestatempel. Dieser Tempel gilt als eines der ältesten Heiligtümer Roms, hier brannte das heilige ewige Herdfeuer. Auch hier wurden staatstragende Unterpfänder der Stadt Rom aufbewahrt, wie beispielsweise das "Palladium", ein archaisches Götterbild der Minerva, das Aeneas aus dem brennenden Troja gerettet hat und das die Uneinnehmbarkeit der Stadt Rom gewährte, solange sich das Palladium in Rom befand. Der Vestatempel war zudem auch Aufbewahrungs- und Verehrungsort für die Penaten, die ähnlich wie Vesta Götter des Herdes waren, und Aufbewahrungsort für weitere Kultobjekte aus Eisen, Gold und Ton, die sich im Allerheiligsten im Inneren des Tempels befanden und zu denen nur die Priesterinnen und der Pontifex Maximus Zugang hatten.

Vor diese beiden Jahrhunderte alten Gebäude, die beide für den Fortbestand und das Allgemeinwohl der bisherigen römischen Res Publica standen, ließ Octacvian den Tempel für seinen verstorbenen und vergöttlichten Adoptivvater Caesar errichten. Dass nun nicht mehr die sichtbaren Unterpfänder für das Wohl der Res Publica verantwortlich waren, sondern das Wohl des Herrschenden, seiner "göttlichen" Vorfahren und Familie, veranschaulicht den geänderten Herrschaftsanspruch eines römischen Kaisers.

Für die Menschen, die im römischen Imperium lebten, sollte nun – so propagiert es zumindest die augusteische Literatur – ein goldenes Zeitalter des Friedens und des Wohlstandes beginnen. In Anbetracht der Gräueltaten der Bürgerkriege und den damit verbundenen Zerstörungen jeglicher Art, musste die nun anbrechende Zeit unter der Führung des Augustus wirklich wie ein Neubeginn wirken. Die Erinnerung an die Zeit einer römischen Republik ohne Parteikämpfe war schon lange verblasst, die Traditionen hatten sich für die Führung eines weitreichenden Imperiums als untauglich erwiesen. Was blieb war aber nur die Form, denn die Republik wurde nie offiziell abgeschafft, und Augustus gelang es vortrefflich, die Schaufassade zu wahren, damit sich das Prinzipat als neue Herrschaftsform in Rom durchsetzen und halten konnte.

Ort der Veranstaltung
Hirsvogelsaal des Museums Tucherschloss
Eingang über das Museum

Informationen zur Ausstellung "Im Zentrum der Macht"

Kosten
Eintritt frei