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Schaustück des Monats

Ruine des Tucherschlosses
Schaustück des Monats Februar 2016: Stationen aus der Geschichte des Tucherschlosses. Bildnachweis: Stadtarchiv Nürnberg (StadtAN A39/III Nr. Fi-H-158)
1. bis 29. Februar 2016

Schaustück des Monats Februar 2016:
"... die gros Stainerne behaussung"

Stationen aus der Schlossgeschichte

In der beliebten Veranstaltungsreihe "Schaustück des Monats" stellen Ihnen die Museen der Stadt Nürnberg während ca. 30-60 minütiger Spezialführungen besondere Exponate aus dem Besitz der Stadt Nürnberg vor. Im Februar 2016 stellt Ulrike Berninger M.A., Leiterin des Museums Tucherschloss und Hirsvogelsaal, aber kein besonderes Objekt vor, sondern präsentiert das   Tucherschloss und seine wechselvolle Geschichte.

Bauzeit: 1533-1544
Baumeister: Vermutlich Paulus Behaim
Tag der Zerstörung durch Bombenangriff: 02.01.1945
Wiederaufbauzeit: 1964-1968
Erster Museumsöffnungstag: 02.02.1969

Patrizisches Gartenanwesen, Sehnsuchtsort und touristische Destination

Als patrizisches Gartenanwesen wurde das Tucherschloss in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Lorenz II. Tucher und seiner Ehefrau Katharina errichtet. Mit architektonischen Gestaltungselementen aus Italien und Frankreich sowie typischen Nürnberger Eigenheiten wie einem "Chörlein" versehen, zeugte das kleine Frührenaissanceschloss in der Hirschelgasse vom Repräsentationswillen und der Weltläufigkeit seiner Erbauer und Bewohner.

Seine idyllische Lage und das pittoreske Ambiente wurden vor allem seit dem frühen 19. Jahrhundert besonders geschätzt – im Zuge der romantischen Entdeckung der Noris wurde das Schloss zum beliebten Bildsujet. Das zeigt auch eine Bleistiftzeichnung des Malers und Graphikers Georg Osterwald (1803-1884): Er hielt um 1850 zwar die westliche Schlossfassade in all ihren architektonischen Details fest, fügte dem Schlosshof aber historisierendes Beiwerk und Staffagefiguren zu.

Dass das Schlösschen seit der Romantik zur touristischen Destination wurde, beweist eine große Anzahl von Reiseführern, in deren Beschreibungen der pittoreske Ort beschrieben und zum Besuch empfohlen wird.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Der Bombenhagel des 2. Januar 1945 zerstörte die östliche Sebalder Altstadt fast vollkommen. Nach der Räumung des Bombenschutts wurde dieser Teil der Altstadt im Volksmund aufgrund der Ödnis und dem dichten Pflanzenbewuchs meist nur noch als "Sebalder Steppe" bezeichnet. Vom einstigen architektonischen Kleinod in der Hirschelgasse 9-11 waren nur noch drei Umfassungsmauern und Teile des charakteristischen Treppenturms stehen geblieben. Alle umliegenden Gebäude wurden vollkommen vernichtet, und auch die im Schloss fest eingebaute kunst- und kulturhistorisch wertvolle Ausstattung waren unwiederbringlich verloren. Es ist nur einer hochgefährlichen "Nacht- und Nebelaktion" zu verdanken, dass die kostbaren Kunstwerke und das prächtige bewegliche Mobiliar gerettet werden konnten.

Schutz vor Vandalismus und Wiederaufbau

Von Witterung und Vandalismus bedroht, schützte man das Schlösschen 1950 mit einem hölzernen Notdach und vermauerte die Fensterhöhlen mit Backsteinen. Doch Rettung nahte: Der Jurist und Bankier Dr. Hans Christoph Freiherr von Tucher (1904-1968), der das Schloss im Namen seines Vaters Heinrich, des Eigentümers, verwaltete, war bereits damals um den Wiederaufbau bemüht. Doch durch die enormen Kosten eines solchen Vorhabens gestaltete sich die Planung schwierig und langwierig. Nur durch hartnäckigen persönlichen und finanziellen Einsatz konnte das Projekt in die Tat umgesetzt werden. 1963 wurden die Nürnberger Wiederaufbau-Architekten Fritz und Walter Mayer mit der Oberbauleitung betraut und erstellten Pläne, die sich weitestgehend am überlieferten Zustand des Schlosses orientierten. So entstand aus der noch vorhandenen Bausubstanz gemäß der historischen Proportion und Disposition ein stilgerecht rekonstruiertes Gebäude – ein absoluter Ausnahme- und Glücksfall für die damalige Zeit.

Bereits 1968 konnte der Wiederaufbau abgeschlossen werden. Die offizielle Einweihungsfeier am 24. Oktober 1968 erlebte Hans Christoph von Tucher jedoch nicht mehr: Er war überraschend am 11. August des Jahres in London verstorben.

Das Tucherschloss wird Museum

Wie von Hans Christoph von Tucher geplant, wurde das Gebäude am 2. Februar 1969 der Öffentlichkeit als Museum zugänglich gemacht. Das damals vom Germanischen Nationalmuseum betreute Schlösschen konnte nur zu eingeschränkten Zeiten besichtigt werden – der Besuch war stets mit einer Führung verbunden.

1973 übergaben die Söhne Hans Christoph von Tuchers, Hans Anton und Hans Martin, das Frührenaissancegebäude dem Freistaat Bayern und der Stadt Nürnberg zu gleichen Teilen. Seither wird das Tucherschloss als städtisches Museum betrieben.

Dieses "Schaustück des Monats" ist Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung
Tucherschloss in Trümmern!

 

 

Führungen zum Schaustück des Monats: