Repräsentationsräume im zweiten Obergeschoss

Empfangsraum mit alter Möblierung. Foto: Helmut Meyer zur Capellen

Über eine steile Wendeltreppe erreicht der Besucher die Repräsentationsebene des Schlosses. Hier empfingen die Tuchers Gesandte und Geschäftspartner aus aller Welt, Ratsmitglieder und Patrizier, hier feierten sie Familienfeste, Taufen, Hochzeiten und Verlobungen.

Im "byzantinisch"-rot gestrichenen Empfangsraum sind Familienmitglieder in feinen Roben auf Bildnissen der renommierten Renaissance-Maler Nicolaus Juvenel und Lorenz Strauch zu sehen.

Festsaal mit Verlobungstafel. Foto: Helmut Meyer zur Capellen

Den großen Festsaal ziert eine prächtig gedeckte Tafel, um die sich eine illustre, "virtuelle" Verlobungsgesellschaft versammelt hat: Renaissance-Musik durchdringt den Raum, das Klappern edlen Geschirrs und leise Tischgespräche untermalen die Bankett-Szene.

Auf der Verlobungstafel befindet sich das berühmte achtteilige Tuchersche Gießgeschirr und die silberne, feuervergoldete "Doppelscheuer" - eine traditionelle Nürnberger Morgengabe für den zeremoniellen Hochzeitstrunk -, bestehend aus zwei nahezu identischen Buckelpokalen.

Beides schuf der bedeutendste Nürnberger Goldschmied des 16. Jahrhunderts, Wenzel Jamnitzer (1508-1585) im Auftrag von Linhart Tucher für die Hochzeit seines Sohnes Herdegen IV. mit Katharina Pfinzing im Jahr 1564. Jamnitzer trieb das Geschirr zunächst aus Kupfer, anschließend emaillierte es Pierre Reymond im französischen Limoges.