Geschichte des Spielzeugmuseums Nürnberg

Das Sammlerehepaar Lydia und Paul Bayer, 1960.

Das Spielzeugmuseum Nürnberg geht zurück auf die Sammelleidenschaft von Lydia Bayer (geb. Bauer, 1897 – 1961) und ihres Ehemanns Paul Bayer (1896 – 1982). Lydia Bayer begann mit dem Aufbau ihrer Sammlung in den 1920er Jahren, als noch kaum jemand Spielzeug kulturhistorischen Wert beimaß. Ihre Sammelgebiete umfassten hauptsächlich Puppen, Puppenstuben und -küchen sowie Kaufläden, aber auch Holzspielzeug, Spiele, Kinderbücher und Blechspielzeug. In Nürnberg, wohin Paul Bayer als Generaldirektor der Städtischen Werke 1933 berufen wurde, fand die Sammlerin ideale Bedingungen für den Ausbau ihrer Sammlung vor: eine bedeutende Spielzeugindustrie, Trödler, Antiquitätengeschäfte und ein Bürgertum, das zum Teil wertvolle Spielzeuge als historische Erbstücke besaß. Dank der vorausschauenden Auslagerung ins Nürnberger Umland überstand die Sammlung die Zerstörungen des Kriegs nahezu unbeschadet. In Würzburg, wo Paul Bayer ab 1950 die Städtischen Werke leitete, arbeitete Lydia Bayer weiter an ihrem großen Ziel, der Errichtung eines eigenen Spielzeugmuseums. Sie erlebte die Realisierung ihres Traums jedoch nicht mehr: Erst nach ihrem Tod konnten Tochter Lydia (1929 – 2000), eine promovierte Kunsthistorikerin, und ihr Vater im Dezember 1962 das nach der verstorbenen Sammlerin benannte „Museum Lydia Bayer“ in der Würzburger Innenstadt eröffnen.

Ausstellungsraum im Erdgeschoss des Spielzeugmuseums, 1971.

Die traditionsreiche Spielzeugstadt Nürnberg besaß zu diesem Zeitpunkt weder eine entsprechende Sammlung, geschweige denn ein eigenes Museum zu diesem Thema. Kulturreferent Hermann Glaser gelang es jedoch 1965, die Erbengemeinschaft Bayer in einvernehmlichen Verhandlungen dafür zu gewinnen, ihre Sammlung als Grundstock eines neuen Museums an die Stadt zu verkaufen. Die Tochter des Sammlerehepaars wurde zur Gründungsdirektorin berufen. Mit tatkräftiger Unterstützung des 1966 gegründeten Fördervereins wurde hinter der prächtigen Renaissancefassade eines ehemaligen Patrizierhauses in der Karlstraße 13 ein zweckentsprechender Museumsneubau errichtet. Rechtzeitig zur Spielwarenmesse wurde am 5. Februar 1971 das Spielzeugmuseum der Stadt Nürnberg eröffnet.

Museumsleiterin Dr. Lydia Bayer und Kulturreferent Dr. Hermann Glaser beschenken die 500.000 Besucher, 1975.

Von Anfang an erfreute sich das bis zu ihrer Pensionierung 1994 von Dr. Lydia Bayer geleitete Museum eines enormen Besucherinteresses. Mehr als 5,5 Millionen Gäste aus dem In- und Ausland haben bis heute das Haus in der Karlstraße besucht, das nach mehrfachen Erweiterungen heute über ca. 1400 qm Ausstellungsfläche verfügt. Rechnet man noch die saisonal genutzten Außenflächen (Spielplatz, Café, Schattenreich) hinzu, so sind insgesamt sogar etwa 2200 qm museal genutzt. Seine breit gefächerte, nahezu vollständig inventarisierte Sammlung von über 80.000 Objekten, die hohe Qualität der Exponate, weithin beachtete Sonderausstellungen und eine wissenschaftlich fundierte Schriftenreihe stellen das Haus in die erste Reihe der Fachmuseen weltweit.

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