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Scrabble

Die Scrabble-Ausgabe von 1959.

Die Scrabble-Story

Wer kennt es nicht, dieses pfiffige Wortlegespiel mit seinen originellen Sprachschöpfungen? Bisher wurden über 100 Millionen Spiele in mehr als 30 Sprachen verkauft. Auch in Sprachen ohne lateinisches Alphabet wie Russisch, Griechisch, Hebräisch, Thailändisch und Arabisch gibt es Scrabble. Es ist das meistverkaufte Wortspiel aller Zeiten.

Die Urform von Scrabble wurde von dem New Yorker Architekten Alfred M. Butts (1900-1993) erfunden, der es seit 1933 unter dem Namen Lexiko herstellte. Schon damals sollten aus Buchstaben mit unterschiedlicher Häufigkeit und Wertigkeit Wörter mit möglichst hoher Punktzahl gebildet werden. 1938 erweiterte Butts Lexiko um einen Spielplan mit verschiedenen Prämienfeldern und benannte es in Criss-Crosswords um. Der kommerzielle Erfolg blieb jedoch aus, die Spieleverlage lehnten das Spiel als "zu kompliziert" ab.

1948 wurden Produktion und Vertrieb des Spiels unter der Leitung von James Brunot und seiner Production & Marketing Company professionalisiert. Brunot, ein ehemaliger hoher US-Beamter, benannte das Spiel in Scrabble um und ließ es patentrechtlich schützen.

Mit einem Großauftrag des New Yorker Edelkaufhauses Macy's kam 1952 der kommerzielle Durchbruch: Ein wahres Scrabble-Fieber erfasste das ganze Land, und der plötzliche Erfolg überforderte das kleine Unternehmen. Deshalb erteilte Brunot die Scrabble-Lizenz für Nordamerika dem traditionsreichen New Yorker Spieleverlag Selchow & Righter. Die Lizenzvergabe für Deutschland und Italien fiel an die Firma J. Schowanek aus Piding/ Berchtesgaden, dem Hersteller der hochwertigen Buchstabensteine aus Holz.

In Deutschland wurde Scrabble erstmals 1955 auf der Nürnberger Spielwarenmesse vorgestellt, fuhr aber nicht die erwarteten Absatzzahlen ein. In England bekam der Spieleverlag J.W. Spear & Sons 1954 die Lizenz für Großbritannien und Irland. Der Erfolg des Spiels in diesen Ländern war überwältigend. Es wurde in allen Gesellschaftsschichten bis hin zum Königshaus populär.

Zielgerichtet erwarb Firmenchef Richard Spear die Rechte für immer mehr Länder und erhielt 1968 schließlich die Weltrechte mit Ausnahme der USA, Kanadas und Australiens.

In Deutschland konnte sich Spiel erst etablieren, als die Nürnberger Tochterfirma J.W. Spear & Söhne Ende 1958 die Lizenz für die deutschsprachigen Länder sowie Belgien und Luxemburg erwarb. Im neuen Design und mit zwei Ausgaben – einer Erwachsenen- und einer Jugendversion – kam es 1959 auf den Markt. Scrabble wurde hier zu Lande eines der beliebtesten Gesellschaftsspiele und ist im Bereich der Wortspiele bis heute fast konkurrenzlos.

Spear – eine Weltfirma aus Franken

Scrabble verdankte seinen Welterfolg maßgeblich einer Firma, die 1879 in Fürth von dem jüdischen Kaufmann Jacob Wolf Spear (1832-1893) als Import- und Exportgeschäft gegründet wurde und später unter dem Namen J.W. Spear & Söhne firmierte.

1898 verlegten die Söhne Carl und Wilhelm den Firmensitz nach Nürnberg, wo im Mai 1899 in einem Fabrikneubau die Produktion von Gesellschafts- und Geschicklichkeitsspielen aller Art aufgenommen wurde. Von hier aus traten die einfallsreich gestalteten und in hoher Qualität verarbeiteten Produkte ihren Siegeszug auf dem deutschen und internationalen Markt an. Spear wuchs in den 1920er Jahren zum größten deutschen Spielehersteller heran.

1930 wurde in Enfield bei London eine Tochtergesellschaft für den wichtigen englischsprachigen Markt gegründet. Der Betrieb wurde vom Enkel des Firmengründers, Richard Spear (1897-1983), geführt, während sein Bruder Hermann das Nürnberger Mutterunternehmen leitete. Im Zuge der "Arisierungen" wurde der Spear-Spieleverlag 1939 enteignet, Hermann Spear später in Auschwitz ermordet. 1948 erhielt seine Witwe, Else Spear, das im Krieg schwer beschädigte Fabrikgelände an der Höfener Straße zurück, konnte die frühere Marktführerschaft in Deutschland aber nie wieder erreichen.

Umso wichtiger war für Spear der Welterfolg von Scrabble – ein Paradebeispiel für eine erfolgreiche Vermarktung durch eine Traditionsfirma. Durch aufwändige Werbe- und Verkaufskampagnen und die großzügige Unterstützung der seit 1971 jährlich stattfindenden Scrabble-Meisterschaften wurden allein in Großbritannien Mitte der 1970er Jahre über 700.000 Spiele im Jahr verkauft. Ebenso förderte Spear die landesweite Scrabble-Clubbewegung in England mit der erstmaligen Ausrichtung eines nationalen Clubturniers im Jahre 1978. Auf ähnlichen Tendenzen in Frankreich, in den USA sowie Kanada reagierte die Firma, indem Spear 1991 in London die erste Scrabble-Weltmeisterschaft organisierte.

Wichtige Grundlagen für den Scrabble-Erfolg wurden in Nürnberg geschaffen: Der Nürnberger Grafiker Gustav Müller zeichnete für das neue Schachteldesign von 1959 verantwortlich, unter dem das Spiel noch heute in der ganzen Welt bekannt ist. In ganz Deutschland wurde intensiv für Scrabble geworben, "Scrabble-Parties" fanden statt, Prominente empfahlen das Spiel. 1973 organisierte Spear in Nürnberg die erste deutsche Scrabble-Meisterschaft. Obwohl sich hier keine Clubszene herausbildete, konnte das Nürnberger Unternehmen bis 1975 über zwei Millionen Spiele verkaufen. Bis zum 100jährigen Firmenjubiläum 1979 waren weltweit über 40 Millionen Scrabble-Spiele über den Ladentisch gegangen.

Dennoch geriet insbesondere das Nürnberger Spear-Unternehmen in schweres Fahrwasser und hatte sehr mit der Flaute auf dem Spielemarkt zu kämpfen. Schließlich musste die Produktion am 31. Dezember 1984 am Nürnberger Standort eingestellt werden. Das in eine Aktiengesellschaft umgewandelte britische Unternehmen konnte sich noch zehn Jahre länger behaupten. Nach dem altersbedingten Rückzug von Firmenchef Francis Spear aus dem Geschäftsleben wurde die Firma 1994 vom US-Branchenriesen Mattel gekauft. Der Hauptgrund für den Erwerb war Scrabble, das einzige Spiel aus dem ehemaligen Spear-Sortiment, das bis heute erfolgreich auf dem Markt ist.

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