Schule und Gesellschaft/ Politik

Schulordnung des bayerischen Kurfürsten Ferdinand Maria, 1659. Erstmals wurden alle Kinder zwischen sechs und 12 Jahren verpflichtet, einen Unterricht freier Wahl zu besuchen. Bildnachweis: Bayerisches Hauptstaatsarchiv München

Mitreden können - Gesellschaft beeinflussen

Zuviel Bildung gefährdet die Monarchie. Mit diesem Argument drückte der preußische Staat in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Schulwissen für die breite Bevölkerung auf niedrigstes Niveau. Aber kann man durch Schule ein Volk politisch manipulieren? Die Wechselbeziehung zwischen politisch-gesellschaftlichen Entwicklungen und Schule sind vielseitig. Was passiert, wenn im 17. Jahrhundert Kinder von Adeligen und Tagelöhnern erstmals zusammen in die Schule gehen, Zeugnisse erhalten? Welche Folgen hat es, wenn Schule im 19. Jahrhundert belegt, dass Mädchen entgegen der Zeitmeinung sehr wohl begabt für höhere Schulen und Universitäten sind?

Die Ausstellung zeigt die beiden "Gesichter" von Schule. Einerseits vermittelt Schule Fähigkeiten und Fertigkeiten, die den Menschen z.B. zu selbständigem Denken und Handeln anregen. Bildung kann auch dazu beitragen, dass Völkerverständigung und Aufklärung gelingen. Andererseits kann man in der Ausstellung die vielgestaltigen Versuche beobachten, Schule für politische Zwecke einzuspannen. Das spiegelt sich z.B. in Schulbüchern und -heften, die sich für den Krieg aussprechen oder andere Völker abwerten, aber auch im Stasi-Spitzelbericht eines Lehrers. Schule kann aber auch für Ideologien und Manipulation missbraucht werden. Schulbücher und Lehrmittel, die Kriegshetze betreiben oder, dem entgegengesetzt, zur Völkerverständigung aufrufen, verdeutlichen dies.