Industrie im Wandel

Gipsmühle

Den Auftakt der Museumsstraße, dem Bereich Arbeit und Technik zugeordnet, bildet eine Gipsmühle, die einst die Wasserkraft der Pegnitz als Energiequelle nutzte. Sie steht für zahlreiche wasserkraftbetriebene Anlagen aus vorindustrieller Zeit wie Mühlen, Hammerwerke und vieles andere.

Maschinenbauanstalt J.W. Spaeth

Eine Zweizylinder-Kolbendampfmaschine und eine transmissionsbetriebene kleine Maschinenhalle erinnern im Museum an den ehemaligen Mühlarzt und Mechanikus Johann Wilhelm Spaeth.

Aus seiner Maschinenfabrik stammt die ausgestellte kleine Dampfmaschine, die auch vorgeführt werden kann. Spaeth hat viele Nürnberger Fabriken mit Maschinen und Produktionstechnik ausgestattet. Die Dampfmaschine, die in nur zwei Exemplaren hergestellt wurde, tat mit 15 PS im Nürnberger Eisenbahn-Ausbesserungswerk ihren Dienst.

Kettensteg

An die Zeit vor der Industrialisierung erinnert das Modell des Nürnberger Kettensteges - eine der ersten Eisenbrücken in Deutschland.

1824 wurde der Kettensteg unmittelbar vor der alten Fronfeste beim Hallertor vom Nürnberger Mechanikus und Lehrer an der Polytechnischen Schule, Konrad Georg Kuppler, erbaut. Zu dieser Zeit verbreiteten technische Zeitschriften wie "Dinglers Polytechnisches Journal" die Kunde von neuartigen Brücken aus Gusseisen oder geschmiedeten Eisenketten, eine eigentliche Theorie des Hängebrückenbaus existierte jedoch noch nicht.
Kuppler orientierte sich daher an den nur wenigen, im Journal publizierten Konstruktionszeichnungen und ging vor allem empirisch vor, indem er sein "mit Umsicht und Gründlichkeit nach allen Gesetzen der Statik und Mechanik" ausgeführtes Brückenmodell umsetzte. Der am 30. Dezember 1824 fertiggestellte Kettensteg wurde zum technischen Vorbild für die Hängekonstruktionen zahlreicher Brücken.

Dampfmaschinenhalle

Anders als in der Spaeth'schen Maschinenbauanstalt setzte man bei MAN, vormals Cramer Klett, konsequent auf fabrikmäßige Fertigung.

Im Museum symbolisiert dies vor allem die gewaltige MAN-Tandemdampfmaschine, deren rund 1100 Pferdestärken einst eine ganze Walzstraße des Eisenwerks Julius Tafel mit Kraft versorgten. Bei Vorführungen setzt sich der stählerne Koloss auch heute noch eindrucksvoll in Bewegung. Stromgenerator und Turbine waren weitere Motoren der Industrialisierung.

Druckwerkstatt

In der vollständig betriebsbereiten Bleisatz-Druckerei im Stil der 1930er Jahre wird eine alte Technik wieder lebendig, die mit dem Einzug des Computers verschwunden ist.

Bei den Vorführungen erfahrener Drucker können die Besucher selbst Hand anlegen und beispielsweise neue Visitenkarten gestalten und drucken.

Technikrevue

Fast völlig in Vergessenheit geraten ist Nürnbergs Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Telekommunikation sowie der Rundfunk- und Fernsehtechnik. Diese verdankte die Stadt nicht zuletzt der Süddeutschen Telefonapparate, Kabel und Drahtwerke AG (TeKaDe), die einst Deutschlands erste Fernseher baute.

Musik- und TV-Möbel aus den 1950er Jahren.

Anhand von mehr als 500 Objekten zeigt das Museum den Weg vom "klassischen" elektrotechnischen Unternehmen in das Zeitalter moderner Kommunikation. In einer ungewöhnlichen Dramaturgie treten zentrale Leitobjekte der Telekommunikation als Darsteller in einem DVD-Video-Theater auf. Ein bekannter Moderator führt dabei durch die Geschichte der Telekommunikation. Der Besucher erlebt nicht nur ein spannendes Kapitel der Technikgeschichte, es wird ihm zudem ein Hörbild deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts vermittelt.

Nach der Revue schließt sich ein Gang durch die materialreiche Sammlung an.

Strukturwandel und Automatisierung

Der Gang durch 200 Jahre Nürnberger Geschichte entlang der "Zeitachse" Museumsstraße führt bis in die Gegenwart und endet in einer technisch aufwändig gestalteten Museumseinheit. Sie zeigt den Wandel Nürnbergs von der Industriestadt zu einer Hochburg von Dienstleistung, Wissenschaft, Forschung und Bildung.

Dieser Strukturwandel hat Verlierer und Gewinner. Traditionsreiche Firmen und Branchen haben sich den Anforderungen der Globalisierung entsprechend verändert und sind gestärkt aus ihr hervorgegangen. Daneben sorgen ein starker Mittelstand, eine ganze Reihe von "Hidden Champions" (Meistern im Verborgenen) und neue Unternehmen wie etwa die DATEV oder die GfK dafür, dass die absolute Zahl an Arbeitsplätzen nicht gesunken ist. Heute ist Nürnberg der Mittelpunkt einer europäischen Metropolregion.

In diesen thematischem Zusammenhang gehört auch eine Geschichte des PC, die Erfindung von mp3 oder ein Roboter aus der LKW-Motorenproduktion - alle inhaltlichen Bausteine sind um die zentralen Themen Strukturwandel und Automatisierung gruppiert. Die eingesetzten Medien entsprechen dem neuesten Stand und für einige attraktive Stationen gilt: Anfassen erwünscht