Rezeptionsgeschichte

Veranstaltung im Saal 600 anlässlich des 70. Jahrestags der Urteilverkündung im Nürnberger "Hauptkriegsverbrecherprozess" 2016. Bildnachweis: LÉROT, Foto: Leon C. Greiner

Der internationale Nürnberger "Hauptkriegsverbrecherprozess" und seine zwölf US-amerikanischen Nachfolgeverfahren waren im Laufe der Zeit sehr unterschiedlichen Bewertungen ausgesetzt. Teile der deutschen Gesellschaft zweifelten um der dem Vorwurf der "Siegerjustiz" immer wieder die Zuständigkeit des Gerichtshofs an und verwiesen auf die angebliche Verletzung vorhandener Rechtsgrundsätze durch die Siegermächte.

Insbesondere die zahlreichen Medienberichte über den "Hauptkriegsverbrecherprozess" rückten die Realität des NS-Staates und seiner Gewaltverbrechen in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit. Für die deutsche Bevölkerung bedeutete er die massive Konfrontation mit den Untaten des NS-Regimes, deren Ausmaß von nun an nicht mehr angezweifelt werden konnte. Daher wurde weithin die Notwendigkeit anerkannt, die Verbrechen aufzuklären und die Schuldigen zu verurteilen. Gleichzeitig erlaubte  die öffentliche Anklage der Haupttäter, die Schuld der Mitläufer zu relativieren. Eine eigene Verantwortung nahm kaum jemand auf sich.

Befürworter bewerteten den Prozess dennoch als insgesamt fair und sahen eine Verurteilung derartiger Verbrechen als unerlässlich an. Heute sind die Nürnberger Prozesse kaum noch umstritten und insbesondere der "Hauptkriegsverbrecherprozess" wird seit den 1990er Jahren nicht mehr ausschließlich im Zusammenhang mit der Aufarbeitung von NS-Verbrechen gesehen, sondern wird zunehmend als Vorläufer für die internationalen Strafgerichtshöfe der Gegenwart positiv betrachtet.