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Lesung

Die Unterzeichnung des Waffenstillstands in Compiègne am 11. November 1918. Bildnachweis: Deutsches Historisches Museum, Berlin, Gr 2002/11
Sonntag, 11. November 2018, 11 Uhr

1918: Volk ohne Kaiser

Berlin, 9. November 1918. Der Diplomat Harry Graf Kessler notiert in sein Tagebuch: "Der Kaiser hat abgedankt. Die Revolution hat in Berlin gesiegt". München, 10. November 1918. Der Epiker Thomas Mann notiert in sein Tagebuch: "Ich bin befriedigt von der relativen Ruhe und Ordnung, mit der vorderhand wenigstens alles sich abspielt. Die deutsche Revolution ist eben die deutsche, wenn auch Revolution. Keine französische Wildheit. Keine russisch-kommunistische Trunkenheit. Es scheint, dass die Bewegung eher von Links nach Rechts geht". Drei Jahrzehnte später wird Dr. med. Alfred Döblin in seiner Tetralogie zur Novemberrevolution diese Bewegung von Links nach Rechts subtil nachzeichnen.

1918 und die ersten Jahre danach: Stimmengewirr und Meinungschaos zwischen Erschütterung und Kränkung, Hoffen und Scheitern, Vorwärts und Rückwärts. Das Große Durcheinander spiegelt sich in der höchst grell-dissonanten Landschaft der Publikationen. Die Spannungsbögen reichen vom "Prinzip Hoffnung" bis zu "Rasse und Nation", vom "Untertan" bis zum "Kampf als inneres Erlebnis". Und, im Wien des Zusammenbruchs der Donaumonarchie, erscheint Oswald Spenglers "Untergang des Abendlandes", das Menetekel als Kampfparole.

Die szenische Lesung unternimmt es, die Turbulenzen und Gefühlsambivalenzen dieser folgenreichen Schwellenzeit in Form von exemplarischen literarischen Nahaufnahmen aus jenen Jahren – Erlebnisse, Eindrücke, Beobachtungen, Diagnosen und Prophezeiungen – zu vergegenwärtigen.

Professor Dr. Friedhelm Kröll war bis 2015 Professor für Soziologie an der Universität Wien mit den Arbeitsschwerpunkten Soziologische Theorien, Kultur-, Literatur- und Religionssoziologie.
Adeline Schebesch ist Kammerschauspielerin am Nürnberger Schauspiel.

Ort der Veranstaltung
Memorium Nürnberger Prozesse, Saal 600

Um Anmeldung wird gebeten unter Tel (0911) 321 - 7 93 72 oder per E-Mail
memorium@stadt.nuernberg.de

Veranstaltungsreihe "Der Preis des Friedens"

Kosten
Eintritt frei