Entstehung des Memoriums

Der Hauptausstellungsraum vor Beginn der Baumaßnahmen. Ungefähr an der Stelle des Schornsteins befindet sich heute der Aufzug, rechts davon der Eingang in die Ausstellung. Bildnachweis: Herbert Liedel

Im Mai 2000 boten die Museen der Stadt Nürnberg erstmals an den Wochenenden öffentliche Führungen in dem historischen Sitzungssaal an. Diese erfreuten sich Jahr für Jahr wachsender Besucherzahlen. Insbesondere in Verbindung mit zahlreichen Veranstaltungen zum 60. Jahrestag des Prozessbeginns wurde deutlich, wie stark der Saal 600 als Stätte der Rechtsprechung über unermessliches Unrecht im internationalen kulturellen Gedächtnis verankert ist. Der als Provisorium eingerichtete Führungsbetrieb gelangte nach wenigen Jahren an seine Grenzen. Das ständig steigende Besucheraufkommen führte zu der Erkenntnis, dass die damit verbundene Verpflichtung zu angemessener historischer Aufklärung ernst genommen werden müsse.

Im Oktober 2005 stellte das Kuratorium des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände das Projekt "Memorium Nürnberger Prozesse" erstmals öffentlich vor. Dem wissenschaftlichen Gutachten für die neue Einrichtung durch Prof. Dr. Christoph Safferling vom Juli 2006 folgten im Oktober des gleichen Jahres und im Juli 2007 die notwendigen Zusagen des Freistaats Bayern und des Bundes zur Finanzierung der Baukosten. Damit stand den konkreten Entwicklungsarbeiten für die neue Einrichtung nichts mehr im Wege.

Mit einer ersten Spezifikation zur Umsetzung der Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens begannen im Dezember 2007 die konkreten Arbeiten an der neuen Dauerausstellung. In einem geladenen Wettbewerb zur Ausstellungsgestaltung setzte sich der Entwurf des Büros Müller-Rieger aus München durch.

Im Dezember 2008 wurde der gesamte Ostbau des Nürnberger Justizgebäudes geräumt, im Januar 2009 begannen die ersten Abrissarbeiten. Im März wurde mit den Konstruktionsarbeiten für das Memorium begonnen, im Mai 2010 konnte der Bau offiziell an die Leitung des Memoriums Nürnberger Prozesse übergeben werden. Anschließend erfolgte der Einbau der Ausstellung, die am 21. November 2010 mit einem Festakt eröffnet wurde.