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Schaustück des Monats

Schaustück des Monats November 2017: Der Volksempfänger VE 301.
Donnerstag, 30. November, 16 Uhr

Schaustück des Monats November 2017:
Radio hören gleichgeschaltet. Der Volksempfänger VE 301

Konstruktion: Otto Griessing, Firma Dr. G. Seibt, Berlin
Design: Prof. Walter Maria Kersting , Werkschulen Köln
Hersteller: TeKaDe, Nürnberg
Datierung: 1935
Technische Daten: 2 Röhren-Einkreis-Standardempfänger für Kurz- und Langwelle, Wechselstromgerät mit Bakelit-Gehäuse

"Die Macht haben wir gewonnen, nun gilt es das deutsche Volk zu gewinnen … Der Rundfunk gehört uns! Niemandem sonst … Und den Rundfunk werden wir in den Dienst unserer Idee stellen. Und keine andere Idee soll hier zu Worte kommen … Ich halte den Rundfunk für das allermodernste und allerwichtigste Massenbeeinflussungsmittel, das es überhaupt gibt." Im März 1933, kurz nach der "Machtergreifung" der Nationalsozialisten, nannte Goebbels vor Vertretern der Deutschen Rundfunkgesellschaften als oberstes Ziel die Gleichschaltung des Rundfunks zu Propagandazwecken und Dauerbeeinflussung der Massen – der Führer in jeder Stube, zu jeder Zeit! 28 führende deutsche Radiohersteller würden zur Gemeinschaftsproduktion eines einfach konstruierten und erschwinglichen Radiogeräts verpflichtet, des Volksempfängers – Verkaufspreis 76 Reichsmark.

Anfang der 1930er Jahre waren in Deutschland 4 Mio. Radiogeräte angemeldet. Der Anschaffungspreis für die günstigsten Modelle lag bei 200 RM, das entsprach dem durchschnittlichen Brutto-Monatseinkommen, dazu kamen stattliche 2 RM Rundfunkgebühren im Monat (die Haupteinnahmequelle des Reichspropagandaministeriums) - ein Vergnügen also, das sich bestenfalls die Mittelschicht leisten konnte. Das sollte sich bald ändern. Schon im August 1933 auf der Berliner Funkausstellung wurde der erste Volksempfänger VE 301 (die Zahl war ein Kürzel für den 30.1.1933, den Tag der "Machtergreifung") der Öffentlichkeit vorgestellt: Ein schlichtes Bakelit-Gehäuse mit drei Drehknöpfen für Lautstärke, Senderwahl und Bestimmung von Lang- bzw. Kurzwelle, darin ein Rückkopplungs-Einkreis-Empfänger mit Käfigspule und Freischwinger-Lautsprecher.

Innerhalb kürzester Zeit waren die ersten 100.000 Volksempfänger verkauft, drei Jahre später schon 1,3 Millionen. Die Zahl der Radiohaushalte erhöhte sich von 25% (1933) auf 65% (1941), eine deutliche Steigerung zwar, die jedoch keineswegs der proklamierten Erfolgsstory entsprach, die gern und oft verbreitet wurde. Ins Reich der Märchen gehört übrigens auch, dass die Bauweise des Gerätes nur den Empfang von Sendern innerhalb der Landesgrenzen erlaubte. Von Kriegsbeginn an war jeder Volksempfänger ab Fabrik mit einer Karte am Drehknopf versehen, auf der die unmissverständliche Warnung gedruckt stand, dass "das Abhören ausländischer Sender ein Verbrechen gegen die nationale Sicherheit unseres Volkes" sei und "auf Befehl des Führers mit schweren Zuchthausstrafen geahndet" werde. Wer "Feindnachrichten" weiterverbreitete, musste im Fall einer Verurteilung mit der Todesstrafe rechnen. Dennoch hörten schätzungsweise 20 Millionen Haushalte während der Kriegsjahre das deutsche Programm der BBC, rund 2800 Menschen wurden wegen dieses "volksverräterischen Verbrechens" verurteilt.

Spezialführung mit Regine Franzke M.A., Sammlungsleiterin des Museums Industriekultur

Kosten
Eintritt frei