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Schaustück des Monats

Schaustück des Monats April 2017: Ein Glockenspiel mit acht Glocken aus vernickeltem Stahl.
1. bis 30. April 2017

Schaustück des Monats April 2017:
Komm, du schönes Glockenspiel, lass die Glöckchen klingen, klingen ...

Glockenspiel mit acht Glocken aus vernickeltem Stahl, Gestell aus Schmiedeeisen Deutschland, um 1905

"Komm, du schönes Glockenspiel, lass die Glöckchen klingen, klingen, dass die Ohren ihnen singen" – so singt Papageno in Mozarts Oper "Die Zauberflöte", als er gefangen genommen werden soll und keinen anderen Ausweg sieht, als zu seinem zauberhaften Glockenspiel zu greifen. Allein der wunderbare Klang der Silberglöckchen wandelt den Sinn der Widersacher. Sie tanzen davon und lassen ihn laufen.

Glocken – die Anfänge

Die ältesten Metallglocken sind in China nachweisbar und stammen aus der Zeit um 1500 v. Chr., also aus der Bronzezeit. Als der Mensch den Umgang mit diesem Metall lernte, entdeckte er auch den Klang, der ihm innewohnt. Bemerkenswert ist, wie neben der rein praktischen Nutzung des neu entdeckten Werkstoffs auch an seiner Klangschönheit gearbeitet wurde!
In Europa ist Glockenklang seit Jahrhunderten vertraut: Von Türmen läuten sie, in der Regel harmonisch aufeinander abgestimmt. Bis heute erzeugen sie einen weitreichenden Klang, der ohne elektrische Verstärkung einzig durch ihr Schwingen entsteht.

Das Glockenspiel – ein Musikinstrument

Glocken können Ton für Ton so fein aufeinander abgestimmt sein, dass mit ihnen ganze Melodien gespielt werden können. Solche an Gebäuden und Türmen angebrachte Glockenspiele werden auch als Carillon bezeichnet. In handlicher Größe hat es seinen traditionellen Platz bei Militärkapellen und Spielmannszügen. Im klassischen Orchester ist es populär seit seinem Einsatz in Mozarts "Zauberflöte".

Für Kinder unentbehrlich und unverwüstlich: der ideale Einstieg ins Musikleben

Auch für Kinder wurden Glockenspiele angeboten. Musterbücher des 19. Jh. zeigen die große Vielfalt der Größe und Formgestaltung.
Glockenspiele bieten Kindern sehr anschaulich erste Erfahrung mit dem Spielen von Melodien. Ein dem Schaustück vergleichbares Glockenspiel wurde 1906 von der Firma C. F. Miether aus Braunschweig angeboten. Die Werbung spricht für sich und zählt sämtliche Vorteile als Lern- und Spielinstrument auf: "Jeder kann sofort Lieder, Tänze usw. darauf spielen, da sämtliche Glocken nummeriert (sind), ebenso die beiliegenden Musikstücke. … Die Töne des Glockenspiels sind entzückend schön, nicht schrillend … Auch zum Zusammenspielen mit anderen Instrumenten ist dasselbe unentbehrlich. Ein Verstimmen, Versagen oder Zerspringen der Glocken ist unmöglich, daher unverwüstliches Instrument." (Wegweiser für die Spiel- und Kurzwaren-Industrie 1906, abgekürzte Wörter ergänzt).

Metallplättchen statt Glocken

Bereits im 18. Jahrhundert wurden die Glocken von Glockenspielen auch durch flache Metallplatten oder hängende Röhren ersetzt. Der Nürnberger Versandhändler G. H. Bestelmeier bot in seinem Katalog diese Variante bereits um 1800 für Laien und Kinder an. Hier wird das Instrument unter der Bezeichnung „Stahl-Harmonika mit liegenden Stäben“ geführt. Für Kinder bietet er statt der Stahlstäbe Stäbe aus Glas an, die "einen sehr guten Ton" haben und deutlich preiswerter sind – nach heutigen Sicherheitsrichtlinien für Kinderspielzeug undenkbar.
Mit dem Schulwerk von Carl Orff gehört das Glockenspiel seit den 1950er Jahren zur Grundausstattung für musikalische Früherziehung. Die verschiedenen Farben der Metallplättchen helfen Kindern beim Notenlernen.

Führungen zum Schaustück des Monats: