museen der stadt nürnberg

Die Nürnberger Geschichte vom 11. bis zum 20. Jahrhundert: eine Zeitreise durch die verschiedenen Stockwerke des Fembohauses mit Vorstellung der wichtigsten ausgestellten Exponate und der ausführenden Künstler.

Stadtmuseum Fembohaus

Themen - Zeitreise

Der Innenhof von Südwesten: geschmückt von Nürnberg-typischen Galerien mit Dockenbalustern.

Zurück in die Geschichte

Zeitreise durch die Jahrhunderte

Wandeln Sie auf den Spuren der Geschichte Nürnbergs von der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1050 bis in das 21. Jahrhundert, vorbei an wichtigen Stationen der Stadtgeschichte!

Die unterhaltsame Zeitreise beginnt im vierten Obergeschoss am großen Holzmodell der Nürnberger Altstadt. Nehmen Sie den Aufzug, fahren Sie in das vierte Stockwerk und erleben Sie dort das Tönende Stadtmodell, eine zwölfminütige Inszenierung mit Licht und Ton.

interner Link Tönendes Stadtmodell
<http://www.museen.nuernberg.de/fembohaus/themen/stadtmodell.html>

Gehen Sie anschließend durch die 26 Räume des Hauses und wandeln Sie durch die wechselvolle, immer spannende Geschichte einer großen Stadt! Am Ende Ihres Rundgangs finden Sie sich in der Gegenwart wieder.

Sigena-Urkunde: Am 16. Juli 1050 wird Nürnberg erstmals urkundlich erwähnt.

11. Jahrhundert

Sigena-Urkunde

Mit einer Liebesgeschichte tritt Nürnberg in die Geschichte. Eine Frau namens Sigena, die Leibeigene des Adeligen Richolf, der im Dienst des Kaisers steht, wird von Heinrich III. frei gesprochen. Nun erst darf Richolf sie zur Frau nehmen.

Die Spuren des Paares verlieren sich im Dunkel der Geschichte, geblieben aber ist die Urkunde dieses Aktes: In ihr wird Nürnberg erstmals urkundlich erwähnt. Das war am 16. Juli 1050.

Ein Faksimile der Urkunde befindet sich im Raum "Kaiserstadt Nürnberg" im 3. Obergeschoss.

12. bis 16. Jahrhundert

Vier Säulen der Stadtgeschichte

Vier Räume im 3. Obergeschoss des Hauptgebäudes widmen sich zentralen Themen der Stadtgeschichte: Handel, Handwerk, Rat und Kaiser.

Vom Raum "Nürnberger Rat" hat man einen eindrucksvollen Blick auf das Nürnberger Rathaus. Der Raum "Kaiserstadt Nürnberg" ist beziehungsvoll zur Kaiserburg hin orientiert, und die Räume, die Handel und Handwerk in Nürnberg thematisieren, liegen nebeneinander.

Kaiser Leopold I. unter dem Traghimmel, Kupferstich, 1658.

Kaiserstadt Nürnberg

Nürnberg zählte zu den mächtigsten Kaiserstädten des Heiligen Römischen Reiches. Die Burg, wohl von Heinrich III. (1039-1056) errichtet, war ein politischer Schwerpunkt des mittelalterlichen Reiches und Ausgangspunkt der Stadtentwicklung.

Kaiserliche Privilegien förderten den Aufstieg Nürnbergs. Nürnberg war die von deutschen Kaisern und Königen am häufigsten besuchte Stadt. Der Kaiserthron aus dem Nürnberger Rathaus von 1521, ein großes Burgmodell, Darstellung der so genannten Reichskleinodien (Herrschaftsinsignien des Kaisers), den Kaisereinzügen, Ehrenpforten und Feuerwerken verdeutlichen Nürnbergs herausragende Stellung als Kaiserstadt.

Der große Nürnberger Rathaussaal, Gemälde von Lorenz Hess, 1626.

Nürnberger Rat

Als Organ der städtischen Selbstverwaltung entstand im 14. Jahrhundert der Nürnberger Rat. Das Stadtregiment lag ausschließlich in den Händen des Patriziats.

Der Innere Rat war nach der Niederschlagung des so genannten Handwerkeraufstands 1349 das zentrale politische Organ. Das Patriziat schloss alle anderen Bevölkerungsschichten von der Teilhabe an der Macht aus und herrschte Jahrhunderte lang uneingeschränkt.

Der Größere Rat, in dem auch die Kaufleute und Handwerker saßen, wurde nur selten einberufen und besaß kaum Befugnisse.

Der Raum "Nürnberger Rat" stellt den Rat, die verschiedenen Ämter und das Rathaus selbst, auf das der Blick durch die Fenster fällt, ausführlich dar.

Fässer, Säcke und Warenballen Nürnberger Händler, Nachbildungen im 3. Obergeschoss.

Nürnberger Handel

Handel und Handwerk bescherten Nürnberg Reichtum, Macht und Ansehen. Die Stadt hatte sich bis zum 14. Jahrhundert zu einem voll entfalteten Handelszentrum entwickelt. Nürnberger Kaufleute pflegten intensive internationale Handelsbeziehungen, besaßen Niederlassungen in ganz Europa und waren auf allen Messen und Märkten vertreten. Markt-, Münz- und Zollrechte waren der Schlüssel für den wirtschaftlichen Aufstieg.

Eine umfangreiche Dokumentation informiert über Kaufleute, den "Nürnberger Tand", die Messen und Märkte, das Straßennetz, über Zoll- und Handelsfreiheiten, Münzen und Wechsel sowie über Schutz vor Betrug und Schau der Waren.

Umzug Nürnberger Handwerker, Kupferstich, 18. Jh.

Nürnberger Handwerke

Nürnberg zählte zu den führenden Gewerbestädten Europas. Der sprichwörtliche Nürnberger Witz - der Erfindungsreichtum der Handwerker - machte das Fehlen von Rohstoffen wett. Nürnberger Handwerker waren Tüftler. Sie nutzten das Wissen ihrer Zeit, um Produkte, Werkzeuge und Techniken zu verbessern und Neues zu erfinden.

Der Rat herrschte über das Handwerk, denn Zünfte waren in Nürnberg verboten - eine Ausnahme unter den Reichsstädten. Doch entwickelte das Nürnberger Handwerk eigene Bräuche und Einrichtungen, die streng kontrolliert wurden.

Der Raum "Nürnberger Handwerke" stellt bedeutende Nürnberger Handwerke wie z.B. die Buchdrucker, Drahtzieher oder Uhrmacher sowie berühmte Erfindungen vor und zeigt Beispiele aus dem Brauchtum.

Das Nürnberger Religionsgespräch von 1525, Diorama mit Hörspiel.

16. Jahrhunder

Das Religionsgespräch

Eines der drängendsten Probleme der Zeit war die Reform der Römischen Kirche. Das Spruchgedicht "Die Wittenbergisch Nachtigall" von Hans Sachs machte die lutherische Lehre 1523 bei der Bevölkerung populär. Der wachsende Druck religiöser und sozialer Bewegungen veranlasste den Rat der Stadt, so schnell wie möglich wieder einheitliche kirchliche Verhältnisse herzustellen.

Im März 1525 fand im großen Saal des Rathauses ein Religionsgespräch in sechs Sitzungen statt. Beim Disput setzten sich die Vertreter der neuen Lehre durch. Damit war der Weg geebnet für ein "evangelisches" Nürnberg. Der Nürnberger Rat führte 1525 die lutherische Reformation ein. Nürnberg wurde zur Wegbereiterin der neuen Lehre.

Mit Puppen, Lichteffekten und Ton wird im 2. Obergeschoss in einem Modell des Rathaussaals das Streitgespräch zwischen den altgläubigen Klosterpredigern und reformatorisch gesinnten Predigern anschaulich in Szene gesetzt.

Programm Religionsgespräch
Länge: 6 Minuten
Sprache: deutsch/englisch

Der "Schwedische Löwe" und das Gemälde "Das Friedensmahl" von Joachim von Sandrart, 1650.

17. Jahrhundert

Das Friedensmahl von 1649

Der letzte Raum des 2. Obergeschosses schließt die Epoche des Dreißigjährigen Krieges mit dem "Friedensexekutionskongress" von 1649 ab.

Nach dem Friedensschluss von Osnabrück und Münster ("Westfälischer Frieden") waren entscheidende Fragen, vor allem der Truppenabzug, offen geblieben. Nach verschiedenen fehlgeschlagenen Versuchen in anderen Städten konnten die diesbezüglichen Verhandlungen schließlich in Nürnberg erfolgreich abgeschlossen werden. Am 25. September 1649 nahmen im großen Rathaussaal die Vertreter der weltlichen und geistlichen Mächte an der Festtafel Platz, um die ersten Verhandlungserfolge der europäischen Diplomatenkonferenz zu feiern.

Das große Gemälde "Friedensmahl" von Joachim von Sandrart (1606-1688) hält das Geschehen fest.

Ein Hörspiel macht den Besucher zum teilnehmenden Beobachter des Mahls und schildert ausdrucksvoll das Leiden der Bevölkerung im Dreißigjährigen Krieg.

Hörspiel Das Friedensmahl von 1649
Länge: 9 Minuten
Sprache: deutsch/englisch

Die Lorenzkirche, Kupferstich von Johann Adam Delsenbach, um 1715.

Das Stadtbild am Ende des 17. Jahrhunderts

Nürnberg war im 17. Jahrhundert eine mittelalterlich geprägte Großstadt mit etwa 40.000 Einwohnern, optisch beherrscht von einer der größten Burgen Europas.

Die mächtige Stadtmauer mit ihren wuchtigen Rundtürmen und Haupttoren verlieh Nürnberg ein Bild großer Geschlossenheit.

Ansichten der auch über die Stadt hinaus bedeutenden Kupferstecher Johann Alexander Boener (1647-1720) und Johann Adam Delsenbach (1687-1765) sowie des aus Utrecht eingewanderten Malers Wilhelm von Bemmel (1630-1708) und seines Sohnes Peter von Bemmel (1685-1754) zeigen eindrucksvoll die Nürnberger Altstadt.

Weitere Akzente setzen der von Pankraz Labenwolf (1492-1563) und Peter Flötner (um 1490/95-1546) geschaffene Apollo-Brunnen sowie ein Holzmodell des so genannten Gänsemännchen-Brunnens (um 1550), das Hans Peisser zugeschrieben wird.

Das "Schöne Zimmer" aus dem Pellerhaus, 1610/11.

Das Pellerhaus und das "Schöne Zimmer"

Die beiden folgenden Räume widmen sich dem größten und schönsten Privathaus aus dem Nürnberg der Renaissance.

Der aus Radolfzell am Bodensee stammende Martin Peller (1559-1629), einer der reichsten Kaufleute Nürnbergs, baute das Haus am Egidienberg, dem vornehmsten Platz der Stadt. Der "Neubürger und Einkömmling" stellte seinen Reichtum damit provozierend zur Schau.

Ein großes Schnittmodell des Pellerhauses und eine Dokumentation erläutern alles Wissenswerte über das Haus, seinen Erbauer und dessen Handelsunternehmen.

An den Raum mit den Erklärungen schließt das "Schöne Zimmer" aus dem Pellerhaus an. Dieser glanzvolle Raum mit seiner reichen Vertäfelung und der prächtigen Kassettendecke mit Gemälden war vor Beginn des Zweiten Weltkriegs aus dem Pellerhaus ausgebaut worden und konnte so vor den Zerstörungen, die fast das gesamte Haus in Schutt und Asche legten, gerettet werden. 1957/58 wurde es im neu eingerichteten Rückgebäude des Fembohauses eingebaut.

Das "Schöne Zimmer" beherbergte einst die private Gemäldesammlung des Martin Peller. Ein hinterleuchteter Informationstisch gibt heute Auskunft über die Technik der qualitativ herausragenden Wandvertäfelung und das 1611 vollendete spätmanieristische Deckengemälde mit seinen 20 kunstvoll um das Mittelbild mit dem "Sturz des Phaeton" arrangierten mythologischen und allegorischen Darstellungen.

Georg Andreas Will (1727-1798), der Rektor der Nürnbergischen Universität Altdorf.

18. Jahrhundert

Kulturelles und geistiges Leben

Die Räume im ersten Obergeschoss des Hauptgebäudes gestaltete der italienische Stuckator Donato Polli (1663-1738) im Jahr 1734/35 neu.

Der Vorplatz dient heute als Gemäldegalerie Nürnberger Künstler, Geistlicher und Gelehrter, überwiegend aus der Zeit des 18. Jahrhunderts. Eine bislang eher gering beachtete Zeit und kulturell unterschätzte Epoche der Stadtgeschichte ist hier neu beleuchtet. Die Nürnbergische Universität in Altdorf, die Schulen und Bibliotheken, der Pegnesische Blumenorden, die Kunstakademie und zahlreiche Privatsammlungen zeugen von Nürnbergs Gelehrsamkeit und Kunstsinn.

Der angrenzende Eckraum mit seinem zarten Rokoko-Stuck zählt zu den schönsten, von Donato Polli gestalteten Räumen des Fembohauses. Er ist der Geschichte des reichen Musiklebens Nürnbergs gewidmet. Musik Nürnberger Meister aus drei Jahrhunderten bietet ein 20minütiges Hörprogramm, aus dem der Besucher per Knopfdruck den gewünschten Titel wählen kann.

Tonstation Musik Nürnberger Meister
Länge: 20 Minuten

Der barocke Neptunbrunnen, Kupferstich von Michael (?) Rößler, 1730.

19. Jahrhundert

Die Reichsstadt wird bayerische Provinzstadt

Ein Spielball fremder Mächte, geschwächt durch Kriege, Reichssteuern und schleppenden Handel - das war die politische und wirtschaftliche Lage Nürnbergs im 18. Jahrhundert.

Im Jahr 1806 wurde Nürnberg - die ehemals freie Reichsstadt - in das Königreich Bayern einverleibt und verlor damit seine reichsstädtische Selbständigkeit.

Für Glanz und Niedergang stehen neue Gewerbe wie die Nürnberger Fayencemanufaktur einerseits und der Neptunbrunnen, das größte Nürnberger Brunnenwerk der Barockzeit, andererseits. Die Geschichte seines ruhmlosen Zwangsverkauf nach St. Petersburg im Jahr 1796 wird an einem Brunnenmodell in einem 11minütigen Hörspiel aus der Sicht Neptuns selbst erzählt.

Gemälde von Johann Adam Klein (1792-1875), einem der bedeutendsten Maler des Biedermeier in Süddeutschland, zeigen ein letztes Mal den künstlerischen Glanz einer Stadt, die sich gerade anschickt, Industriemetropole des Königreich Bayern zu werden.

Hörspiel Neptunbrunnen
Länge: 11 Minuten
Sprache: deutsch/ englisch

Blick auf das Albrecht-Dürer-Haus
und den Tiergärtnertorturm mit den westlichen Vorstädten im Hintergrund, Foto von Ferdinand Schmidt, um 1905.

Das Stadtbild Nürnbergs

Ein weiteres Mal steht das Stadtbild Nürnbergs im Mittelpunkt, nun unter dem Aspekt des Umbaus im Industriezeitalter.

Fotografien des Nürnberger Stadtfotografen Ferdinand Schmidt (1840-1909), der diese Umwandlung Nürnbergs im späten 19. Jahrhundert akribisch ablichtete, dokumentieren den Wandel von der spätmittelalterlichen Großstadt in eine Industriestadt.

Anschaulich stellt sich diese Entwicklung in drei thematischen Abteilungen dar: "Bauen in der Altstadt", "Baustelle Stadtmauer" und "Bauen in den industriestädtischen Vororten".

Blick von der Lorenzkirche über den Hauptmarkt zur Kaiserburg, 1945.

20. Jahrhundert

Das Bild der Altstadt

Nürnberg zählte im Zweiten Weltkrieg zu den am stärksten zerstörten Städten Deutschlands: In 59 Luftangriffen ging die historische Altstadt unter, zum Kriegsende war Nürnberg zu 90% zerstört.

Das mittelalterliche Stadtbild hatte dem "Dritten Reich" als willkommene Kulisse für politische Spektakel gedient. Aus der Stadt der Reichstage wurde die "Stadt der Reichsparteitage": Nirgendwo ließ sich besser politisches Kapital aus dem Mythos des Alten Reiches schlagen.

Der Wiederaufbau nach dem Krieg orientierte sich am alten Stadtbild. Entstanden ist eine bewusste Synthese aus Alt und Neu.

Ein Gipsmodell von 1950 zeigt die Ausmaße der Zerstörung Nürnbergs. Fotografien dokumentieren die "Reichsparteitage", die Zerstörung Nürnbergs und den beginnenden Wiederaufbau. Sie verweisen auf Vorausstetzungen und Folgen der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Ein umfangreiches Filmprogramm bietet hierzu vertiefende Informationen.

Filmprogramm
Die Nürnberger Gesetze
15 Minuten
Nürnberg im Krieg
13 Minuten
Die Nürnberger Prozesse
13 Minuten
Nürnberg im Frühsommer 1946
3 Minuten
Wiederaufbau
2 Minuten
Wirtschaftswunder
5 Minuten
Alltag in der Nachkriegszeit
8 Minuten

 
 

Zurück in die Zukunft

Die neue Präsentation im Fembohaus endet mit einem Hinweis auf die anderen städtischen Museen, die zusammen genommen ein großes dezentrales Stadtmuseum bilden.

In diesem Sinn fungiert das Stadtmuseum Fembohaus als eine Drehscheibe, die zur Weiterreise zu den anderen markanten Punkten der spannenden Nürnberger Geschichts- und Museumslandschaft einlädt.

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