Modell der Nürnberger Altstadt

Modell der Nürnberger Altstadt, 1935-1939. Foto: Herbert Liedel
Details des Stadtmodells: Blick auf die Lorenzkirche. Foto: Herbert LiedelDetails des Stadtmodells: Blick auf die Sebalduskirche. Foto: Herbert LiedelDetail des Stadtmodells: Blick auf die Kaiserburg (links), den Neutorturm (vorne) und die Sebalduskirche (rechts). Foto: Herbert LiedelDetail des Stadtmodells: Blick auf den Jakobsplatz von Süden mit dem Spittlertorturm (vorne), St. Elisabeth und Jakobskirche (links) und Weißem Turm. Foto: Herbert LiedelGesamtansicht des Stadtmodells von Süden. Bildnachweis: Kunstsammlungen
Künstler:

Gustav Fischer, Alexander Hehl, Konrad Heisinger, Ludwig Köpf

Datierung:

1935-1939

Material:

Lindenholz, Maßstab 1:500, 300 x 350 cm

Eines der schönsten Stadtmodelle Deutschlands

... befindet sich im Stadtmuseum im Fembo-Haus: Das Lindenholz-Modell der Nürnberger Altstadt im Maßstab 1:500.

Der nationalsozialistische Oberbürgermeister Willy Liebel (1897-1945) beauftragte das städtische Hochbaumt im Jahr 1935, ein Modell der Nürnberger Altstadt anfertigen zu lassen. Unter den Händen von vier erfahrenen Holzbildhauern – Gustav Fischer (1872-1960), Alexander Hehl (1866-1942), Konrad Heisinger (1869-1948) und Ludwig Köpf (1872-1954) – entstand das Modell der Nürnberger Altstadt aus Lindenholz nach mehr als vierjähriger Arbeit.

Das Altstadtmodell dokumentiert eindrucksvoll die große spätmittelalterliche Geschlossenheit des Stadtbildes kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, kurz vor der Zerstörung Nürnbergs. Wahre Meisterwerke der Holzschnitzkunst sind die Nachbildungen der Hauptkirchen und der Burganlage.

Vorbereitung und Ausführung

Die erste Entscheidung war, in welchem Bauzustand die Stadt darzustellen sei. Wenige Jahre zuvor, 1929, war im Auftrag des Metropolitan Museum of Art in New York bereits ein Stadtmodell im gleichen Maßstab geschaffen worden: nach dem Stande des Jahres 1626. Klugerweise entschied man sich nun für den Zustand der Jetztzeit: 1935. Monatelang dauerten die Vorbereitungen. Von großer Hilfe waren Handrisse von Fassadenabwicklungen, die Schüler der städtischen Bauschule seit 1928 geschaffen hatten. Die Kirchenverwaltungen stellten Werkpläne zur Verfügung, und das Ohm-Polytechnikum ließ von Studenten die gesamte Stadtmauer und die Burg zeichnen.

Die Ausarbeitung der Gegend um das Flussgebiet der Pegnitz vom Einlauf bis zur Fleischbrücke lag in einer Hand, die Häusergruppen des Jakobsviertels in einer anderen, der Darstellung des Sebalderviertels widmete sich ein weiterer Holzbildhauer, wieder ein anderer dem Egidien- und Lorenzerviertel. Gustav Fischer übernahm die Hauptkirchen und die gesamte Stadtmauer. Unterschiede in der künstlerischen Ausführung sind gleichwohl nicht festzustellen, alles wirkt wie von einer Hand. Die Höhen wurden leicht überhöht, um den Gesamteindruck zu steigern, ansonsten ist die Maßstäblichkeit weitestgehend gewährleistet. Die Gebäude wurden mit Holzdübeln verleimt und teilweise farbig gefasst.

Letztes Zeugnis der unzerstörten Altstadt

Oberbaurat Julius Lincke (1909-1991) hatte 1938 die Oberaufsicht über die Arbeiten am großen Stadtmodell übernommen; später sollte er sich um den Kunstluftschutz und den Wiederaufbau Nürnbergs verdient machen.
Fünfzig Jahre danach urteilte er: "Keines der kleinsten Häuser fehlt, die Zahl der Stockwerke stimmt immer, die Türen sitzen an der richtigen Stelle, und auch von den Chörlein ist kaum eines vergessen. Bei manchen größeren Gebäuden erreicht die Schnitzarbeit den Rang eines kleinen Kabinettstücks. Vor allem gilt dies für die Hauptkirchen."

Nach der Fertigstellung im Oktober 1939 wurde das Stadtmodell in der Norishalle am Marientorgraben ausgestellt. Dort konnte es die Bevölkerung vom 13. April 1940 an sechs Wochen lang besichtigen. Danach wurde das Modell der Nürnberger Altstadt verpackt und im neu geschaffenen Kunstbunker im Burgberg sicher eingelagert. Hier überdauerte das letzte Zeugnis der besterhaltenen deutschen Großstadt des Mittelalters den Zweiten Weltkrieg, während Nürnberg in Schutt und Asche sank.

Das Modell zählt zu den schönsten Stadtmodellen Deutschlands, da es nicht nur außerordentlich detailgenau und meisterlich ausgeführt ist. Es hebt sich von Modellen anderer Städte auch durch den eigentümlichen Stadtgrundriss und die Höhenverhältnisse Nürnbergs ab, die im Modell zusätzlich gesteigert wurden.
Beides, das Parallelogramm des Stadtgrundrisses und die Höhenverhältnisse des Geländes, machen Nürnberg neben vielem anderen so unverwechselbar und können nirgendwo besser in Augenschein genommen werden als am Altstadtmodell im Stadtmuseum im Fembo-Haus.

Text: Rudolf Käs