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Schaustück des Monats

Schaustück des Monats August 2017: Konrad Weigands Gemälde "Luthers Hochzeitsfeier 1525 zu Wittenberg". Bildnachweis: Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen
Mittwoch, 23. August 2017, 16 Uhr

Schaustück des Monats August 2017
Verliebt, verlobt, verklärt – Luthers Hochzeitsfeier

Gemälde: Luthers Hochzeitsfeier 1525 zu Wittenberg
Künstler: Konrad Weigand
Datierung: Vor 1897
Technik: Öl auf Leinwand
Eigentümer: Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg

Luther schafft Tatsachen

Der Maler Konrad Weigand (1842–1897) zeigt in seinem monumentalen Historienbild Luthers Hochzeitsfeier eine Szene, die rund 350 Jahre zuvor für einen Skandal gesorgt hatte: die Ehe eines Mönchs mit einer entlaufenen Nonne. Luther hatte seiner Ablehnung des Zölibats und seiner Forderung nach Auflösung der Klöster handfeste Tatsachen folgen lassen. Eigentlich hatten Martin Luther und Katharina von Bora geplant, jeweils jemand anderen zu heiraten, doch als diese Pläne sich zerschlugen, schritten sie kurzum gemeinsam zum Traualtar. Eher pragmatische Gründe zu Beginn ihrer Ehe also! Eine Heirat aus Liebe – das ist ein Produkt der Romantik. Auch Konrad Weigand, ganz ein Kind seiner Zeit, hängt dieser Idee hier an und entwirft eine durchweg idyllische und romantische Szene.

Die Feier

Die hier im Fembo-Haus gezeigte Hochzeitsfeier fand zehn Tage nach der Trauung statt. Dies ist durch Quellendokumente wie Einladungen und Rechnungen sicher belegt. Wie allerdings die Feier genau aussah, darüber lässt sich nur spekulieren. Auch Konrad Weigand folgt hier seiner Fantasie: Waren wirklich alle gezeigten Personen anwesend? Haben Musiker wie der Lautenist und Flötist tatsächlich munter aufgespielt? Wurden die Geschenke an die Brautleute in dieser Form übereicht? Das muss an dieser Stelle offen bleiben.

Fest steht allerdings, dass Konrad Weigand die Szene dem Geschmack seiner Zeitgenossen anpasste: Bräute des 16. Jahrhunderts waren nicht in Weiß gekleidet, dies ist ein Zugeständnis an die Vorstellung des 19. Jahrhunderts, wo sich Weiß als Farbe der Unschuld langsam auch als Farbe der jungfräulichen Braut etabliert hatte.

Der Reformator wurde in romantischer Verklärung immer mehr zu einer nationalen Identifikationsfigur stilisiert. Die Hochzeit passte gut ins Bild eines aufrechten, volkstümlichen Rebellen. Konrad Weigand entwirft das Urbild des idealen evangelischen Ehepaars – ein Thema, das vom protestantischen Bürgertum des 19. Jahrhunderts in Zeiten des Kulturkampfs zwischen Preußen und katholischer Kirche begierig aufgenommen wurde.

Die Reihe "Fremde Schätze"

Seit einigen Jahren zeigen die Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg in lockerer Folge Schätze privater Eigentümer als Sonderpräsentationen im Albrecht-Dürer-Haus oder im Stadtmuseum im Fembo-Haus. Unter dem neuen Namen "Fremde Schätze" macht – passend zum Jubiläumsjahr der Reformation – die Ölskizze "Luthers Hochzeit" von Konrad Weigand (1842–1897) aus norddeutschem Privatbesitz den Auftakt. Erstmals wird dazu auch das monumentale Historienbild, das Weigand danach schuf, aus dem städtischen Depot geholt und um einige bislang unerforschte Skizzenbücher des Künstlers aus der Graphischen Sammlung zu einer kleinen Kabinettausstellung ergänzt.

Kosten
Eintritt frei