Johann Adam Klein: Blick vom Paniersplatz auf Nürnberg. Bildnachweis: Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg
20. Mai bis 16. August 2020

Der weite Blick.
Nürnberger Panoramen aus sieben Jahrhunderten

Ausstellung der Kunstsammlungen im Stadtmuseum im Fembo-Haus

Das Stadtbild Nürnbergs hat seit jeher seine Bewohner fasziniert und das Interesse der Menschen weit über die Stadtmauern hinaus geweckt. Vor und nach Dürer haben Künstler den „weiten Blick“ auf Ihre Stadt in Bildern festgehalten. Die sich wandelnden Ansichten erzählen die Stadtgeschichte vom mittelalterlichen Handelszentrum bis hin zur modernen Industriemetropole.

Frühe Darstellungen Nürnbergs, wie die Ansicht im Krell-Retabel, die Vedute in der "Schedel'schen Weltchronik" oder die Abbildung im sog. "Haller-Buch", werden über lange Zeit rezipiert und dienen den Nürnbergern anstelle eines römischen Ursprungs, als Ausweis für die "Altehrwürdigkeit" ihrer Stadt.

Über Jahrhunderte hinweg erfährt das Weichbild der Noris kaum einschneidende Veränderungen, nach den Erweiterungen der Stadtmauer ist die Ummauerung der eckigen Stadttortürme die prägendste Maßnahme, die Nürnberg seit 1559 ein charakteristisches Merkmal verleiht.
Bauliche Neuerungen geschehen überwiegend innerhalb der Stadtmauer und verändern das Panorama nur unwesentlich. Einzelne Persönlichkeiten, wie Hans Bien oder der aus seiner Zelle im Schuldturm heraus tätige Zeichner Christian Ludwig Kaulitz, machen sich dennoch darum verdient, ihre Blicke auf die Stadt detailreich abzubilden.

Besonders zahlreich skizzieren Künstler des 19. Jahrhunderts das Nürnberger Panorama. Gerade dieses Jahrhundert bringt unübersehbare Veränderungen mit sich; die Kuppel der Elisabethkirche, die erste Eisenbahn und vereinzelte Fabrikschlote, die sich aus dem Panorama herausheben. Nürnberg wächst nun mehr und mehr über seine Mauern hinaus.
Generell ist im 19. Jahrhundert eine Panorama-Begeisterung auszumachen; wie auch andernorts, werden in Nürnberg Großpanoramen in eigens errichteten Rundbauten gezeigt.
Die Nürnberger identifizieren sich mit ihrer Stadt, als Zeichen bürgerlichen Selbstbewusstseins wird das Panorama häufig in ihren Porträts abgebildet, ebenso ziert es kunsthandwerkliche Gerätschaften. Handwerker und Manufakturisten versehen Ihre Waren damit und bürgen dadurch für deren Qualität. Die Stadtsilhouette wird zum Markenzeichen.
Deutlicher als je zuvor, dokumentiert in der 2 Hälfte des Jahrhunderts das neue Medium, die Fotografie den Wandel. In drei 360°-Panoramen, vom Spittlertorturm aufgenommen, bildet Ferdinand Schmidt das rasante Wachstum der Stadt im Zuge der Industrialisierung ab.

Extreme Zerstörungen und der Totalverlust historischer Bauten im Zweiten Weltkrieg scheinen das Panorama ein für alle Mal entstellt zu haben. Doch die runden Stadttürme, ebenso wie die beiden Hauptkirchen und die Kaiserburg als "Stadtkrone", prägen unverwechselbar das Gesicht der Stadt. Künstler der Nachkriegszeit, wie der Architekt und Zeichner Friedrich Neubauer, feiern die "Auferstehung" Nürnbergs und begleiten teilweise kritisch, teilweise respektvoll, wie heute auch Pablo de la Riestra, die weitere Entwicklung des Stadtbildes.

Die Computertechnik des 21. Jahrhundert ermöglicht ein neues Panorama-Format, die virtuelle Realität erlaubt es, sich komplett in Rundum-Panoramen hinein zu begeben. Aktuelle Projekte wie "Toporaz" bauen anhand historischer Darstellungen virtuelle Modelle der Stadt, die dem Nutzer gestatten, sich quasi wie mit einer Zeitmaschine, in das vergangene Nürnberg zu begeben.

Die Ausstellung ist eine Kooperation der Museen der Stadt Nürnberg mit dem Förderverein für ein Kulturhistorisches Museum. Gezeigt werden sowohl Objekte aus dem Bestand der städtischen Kunstsammlungen sowie von institutionellen und privaten Leihgebern.

Kosten
Außer dem Museumseintritt fallen keine weiteren Kosten an.