
Das Wohnhaus des berühmten Malers und Grafikers Albrecht Dürer befindet sich am Tiergärtnertor unterhalb der Burg. Der Künstler hatte es auf der Höhe seines Ruhmes 1509 erworben und lebte hier mit seiner Frau Agnes, seiner Mutter, den Lehrlingen und Gesellen bis zu seinem Tod im Jahr 1528.
Nach Dürers Tod geriet das Haus in Vergessenheit. Erst im 19. Jahrhundert besann man sich wieder auf den großen Maler: Das Haus wurde nun zu einer Dürer-Verehrungsstätte.
Die schweren Beschädigungen des Zweiten Weltkriegs waren bereits 1949 wieder beseitigt. 1971 - anlässlich des 400. Geburtstags des Künstlers - wurde das Haus als Museum der Dürer-Verehrung neu gestaltet: Ein moderner Ausstellungsanbau entstand.

Seit Herbst 2010 erfährt das Dürer-Haus eine inhaltliche Neukonzeption in mehreren Schritten. Der erste ist jetzt zu besichtigen: Schon beim Eintreten wird deutlich, dass Veränderungen im Gange sind, denn in Gestalt des berühmten Selbstporträt von 1500 begrüßt nun der Meister persönlich die Besucher. Leben und Werk werden in einer neuen Medienstation nun digital anhand von 43 ausgewählten Werken aus Dürers 43 Schaffensjahren erfahrbar gemacht.


Im ersten Obergeschoss des Dürer-Hauses bietet die historische Küche mit der großen, noch originalen Herdstelle einen Einblick in das Alltagsleben gutbürgerlicher Menschen zu Beginn des 16. Jahrhunderts.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Flures liegen zwei Wohnräume, deren Neueinrichtung im Stil der deutschen Spätrenaissance 1880 in Auftrag gegeben wurden. Sie sind benannt nach ihrem Entwerfer, dem Nürnberger Kunstschulprofessor und Künstler Friedrich Wilhelm Wanderer. Es handelt sich um qualitätvoll gearbeitete Räume des Historismus, die heute eine kleine Rezeptionsgeschichte der "Kult"-Figur Albrecht Dürer vermitteln.

Im größten, von mildem Nordostlicht erhellten Raum befindet sich im zweiten Obergeschoss die Malerwerkstatt: Hier schlägt das Herz des Dürer-Hauses.
Man kann am Objekt nachvollziehen, wie ein Tafelbild entsteht und erfährt viel Interessantes über die Herkunft und Verwendung der verwendeten Farben. Außerdem finden hier ständig Vorführungen in den von Dürer verfeinerten Drucktechniken - Kupferstich und Holzschnitt - statt.
Gegenüber der lebenden Werkstatt liegt neben einer kleinen Farb- oder Leimküche ein weiterer Raum, in dem gedruckt wird. Mehrmals täglich kann man hier Druckvorführungen auf der großen Hochdruckpresse beobachten.

Zum erfolgreich abgeschlossenen ersten Schritt der inhaltlichen Neuorientierung des Albrecht-Dürer-Hauses im Herbst 2010 zählt auch die Einrichtung des neuen "Graphischen Kabinetts" im 3. Obergeschoss. Es soll nach außen signalisieren, dass die reichen Bestände der Graphischen Sammlung der museen der stadt nürnberg genau dort, wo Dürer vor 500 Jahren die Kunst der Graphik revolutionierte, ihr "Schaufenster" haben. Durch das Entfernen einer neuzeitlichen Trennwand wurde nicht nur ein großzügiger Raum für Wechselausstellungen gewonnen; außerdem ist es gelungen, die historische Architektur wieder deutlich sichtbar zu machen und gleichzeitig eine moderne, aber zurückhaltende Ausstellungsarchitektur auf hohem technischen Niveau einzubauen.