Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg als Ort von NS-Zwangsarbeit

Polnische Kriegsgefangene beim Appell im Stalag XIII A in Nürnberg-Langwasser, 1939/40. Bildnachweis: Stadtarchiv Erlangen, Sammlung Rühl

Für die Unterbringung der Teilnehmer der Reichsparteitage wurden im Süden des Reichsparteitagsgeländes, im heutigen Stadtteil Langwasser, große Zeltlager eingerichtet. Als im Zweiten Weltkrieg keine Reichsparteitage mehr stattfanden, wurde die bestehende Infrastruktur zur Unterbringung großer Menschenmassen umfunktioniert und in die rassistische Ausgrenzungs- und Verbrechenspolitik des NS-Regimes eingebunden. Ab 1939 richtete die Wehrmacht hier ein großes Kriegsgefangenenlager ein, das bis zur Befreiung Nürnbergs durch amerikanische Truppen im April 1945 durchgehend bestand. Zehntausende Soldaten aus Polen, den Benelux-Staaten, aus Frankreich, Jugoslawien, der Sowjetunion, Italien, aus England und den USA wurden hier im Verlaufe des Krieges gefangen gehalten. Die meisten von ihnen mussten in Nürnberg und der Region Mittelfranken Zwangsarbeit leisten. Die Behandlung der einzelnen Kriegsgefangenen unterschied sich deutlich voneinander. Während etwa die jugoslawischen Offiziere vergleichsweise human behandelt wurden, war insbesondere der Umgang mit den sowjetischen und italienischen Häftlingen von massiver Gewalt geprägt. Mehrere tausend Kriegsgefangene kamen aufgrund ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen in Nürnberg zu Tode und wurden auf dem Nürnberger Südfriedhof in Massengräbern beigesetzt. Andere wurden gezielt ermordet.

Sowjetische Kriegsgefangene bei Erdarbeiten auf dem Märzfeld, im Vordergrund drei bewaffnete deutsche Wachen, 1941/42. Foto: K. Bach

Von Frühjahr 2017 bis Frühjahr 2019 führt das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Kooperation mit dem Zentralen Museum für Kriegsgefangene in Łambinowice-Opole (Polen) das Projekt "Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg als Ort von NS-Zwangsarbeit" durch. Das Projekt nimmt drei ausgewählte Gruppen von Kriegsgefangenen in den Blick, die unter besonders prekären Bedingungen inhaftiert und zur Arbeit gezwungen wurden: Soldaten aus Polen, der Sowjetunion und Italien. Es werden Recherchen in überregionalen und internationalen Archiven durchgeführt und Angehörige ehemaliger Kriegsgefangener kontaktiert. Neben Informationen zur Entwicklung des Lagers und des Arbeitseinsatzes sollen insbesondere auch individuelle Häftlingsschicksale rekonstruiert werden. Im Projektverlauf entstehen zwei Informationsangebote für die breite Öffentlichkeit: Zum einen wird eine transportable Ausstellung erarbeitet, die 2019 im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände und im Zentralen Museum für Kriegsgefangene in Łambinowice-Opole gezeigt wird. Sie steht anschließend als Wanderausstellung zur Verfügung. Zum anderen wird eine Online-Präsentation entwickelt, die das Thema einer jüngeren Generation erschließt.

Luftbild vom Reichsparteitagsgelände. In der oberen Bildhälfte sind die Parteitagsbauten zu sehen, in der unteren Bildhälfte das Kriegsgefangenenlager. Bildnachweis: National Collection of Aerial Photography

Haben Sie Informationen oder Dokumente zu Kriegsgefangenen, die während des Zweiten Weltkrieges in Nürnberg-Langwasser inhaftiert waren oder in Nürnberg zur Arbeit eingesetzt wurden, beispielsweise in der Landwirtschaft, der Rüstungsindustrie oder zur Enttrümmerung? Suchen Sie Informationen zu Angehörigen, die im Kriegsgefangenenlager Nürnberg-Langwasser inhaftiert waren?

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung. Sie erreichen uns telefonisch oder per Mail unter:
Tel. (0911) 4 08 70 - 274 oder
sekretariat.dokumentationszentrum@stadt.nuernberg.de

Das Projekt wird gefördert von der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft".

Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft"
Zentrales Museum für Kriegsgefangene in Łambinowice-Opole