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"Führer" und "Volksgemeinschaft"

Begeisterte SA-Männer jubeln Hitler zu, Aufnahme aus der Ausstellung.Bildnachweis: Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Helmut Meyer zur Capellen

"Führer" und "Volksgemeinschaft" bilden die staatstragenden Grundmythen des "Dritten Reichs". Dahinter steht der naturwissenschaftlich maskierte Glaubenssatz, die Deutschen seien ein Volk durch "gemeinsames Blut" mit einem einheitlichen "Rassenkern", also durch in der Substanz identische Erbanlagen.

Nach Auffassung der Nationalsozialisten ist die deutsche Geschichte eine Geschichte innerer Kämpfe und Spaltungen, die während der Weimarer Republik zunehmend den Bestand des Volkes bedrohten. Der Nationalsozialismus erhebt den Anspruch, diesen Prozess  angeblicher  "Zersetzung" durch politische Parteien und Klassenorganisationen zu beenden und die "Volkseinheit" herzustellen.

In diesem Sinn ist die "Volksgemeinschaft" ein radikales Programm zur Rückbildung der modernen, durch Werte- und Interessenvielfalt charakterisierten Gesellschaft auf einen vormodernen Zustand. Das Ziel ist die Schaffung einer Art Stammesgesellschaft, in der ein Einzelner kraft besonderer "Begabung" über Denken und Handeln ihm bedingungslos ergebener Gefolgsleute bestimmt.

Aus diesem Gedankengut leitet sich die Beseitigung konkurrierender Parteien und die Gleichschaltung von Einrichtungen ab, die der Interessensvielfalt der demokratischen Ordnung entsprachen. An deren Stelle soll eine vor allem vom Gefühl her begründete "Volksgemeinschaft" entstehen. Freilich: Wer sich dieser verweigert, wer ihren "rassischen", politischen und moralischen Normen oder ihren Leistungsanforderungen nicht genügt, wird von ihr ausgeschlossen, abgesondert oder sogar physisch ausgemerzt.

Weiterlesen: Führermythos und Führerkult

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