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Der Bau des Reichsparteitagsgeländes

Ewigkeit und Monumentalität – die Prinzipien nationalsozialistischer Staats- und Parteiarchitektur galten besonders auch in Nürnberg. Die Bauten für das Reichsparteitagsgelände sollten beeindrucken und zugleich einschüchtern, Disziplin einfordern und Gemeinschaftsgefühl vermitteln. Die Architektur wurde in den Dienst von Propaganda und Machtdemonstration gestellt. Als selbsternannter "Oberster Bauherr" beschäftigte sich Hitler oft bis ins Detail mit den großen Bauvorhaben. Ab 1934 bevorzugte er den Architekten Albert Speer bei der Umsetzung seiner architektonischen Herrschaftsfantasien. Speer wurde von Hitler nicht nur mit dem Ausbau des Reichsparteitagsgeländes beauftragt. Bis 1950 sollte er auch Berlin zur "Welthauptstadt Germania" umgestalten. Nur einige Komponenten für das Reichsparteitagsgelände wurden überhaupt verwirklicht; andere kamen über ihr Fundamentierung oder teilweise fertig gestellte Rohbauten nicht hinaus. Bei Beginn des Zweiten Weltkriegs stellte man die Bauarbeiten im Wesentlichen ein; die Planungen liefen aber noch bis kurz vor Kriegsende weiter.

Für die enormen Zuschauermengen und für die Massenaufmärsche der verschiedenen NS-Organisationen wie SA, SS, Hitlerjugend oder Reichsarbeitsdienst benötigte man Unterkünfte in großer Zahl. Im Süden des Geländes entstanden zu diesem Zweck ausgedehnte Zelt- und Barackenlager.


Das 700 mal 900 Meter große Märzfeld mit Wallanlagen und 24 Wehrtürmen sollte die Vorführungen der Wehrmacht umrahmen. Hinter der Inszenierung von Kampfszenen stand die Absicht, die Deutschen geistig auf den Krieg vorzubereiten. Das Märzfeld wurde nicht fertiggestellt.


Eine 2 Kilometer lange Paradestraße führte vom Märzfeld zur Luitpoldarena. Sie wies auf die Nürnberger Kaiserburg. Dadurch sollte die "Stadt der Reichstage symbolisch mit dem Reichsparteitagsgelände, der 'Tempelstadt der Bewegung'" verbunden werden.


Den Gipfel der Gigantomanie bildete das Deutsche Stadion. Über 400.000 Zuschauer sollten hier den NS- Kampfspielen - einem "Deutschen Olympia" - zusehen. Ein Teilmodell im Maßstab 1:1 wurde zur Erprobung der Tribünenneigung in der Nähe Nürnbergs an einem Berghang errichtet. Das monströse Bauwerk sollte bis zu 130 Meter hoch werden, gelangte jedoch über Fundamentierungsarbeiten nie hinaus. Die riesigen Mengen von Baumaterial stammten zum Teil aus KZ-Steinbrüchen wie Flossenbürg in der Oberpfalz, in denen Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen Granit für NS-Bauten bearbeiten mussten nach dem Prinzip: "Vernichtung durch Arbeit".


Das von 1933 bis 1937 gebaute Zeppelinfeld war von Albert Speer im Stil einer Befestigungsanlage konzipiert. Der massive Einsatz von Fahnen gehörte zum Gesamtkonzept. Sie sollten die ständige Präsenz der Macht symbolisieren und - nach Speers Vorstellung – "sichtbar gemachter Wind" sein. Das Zeppelinfeld ist der einzig fertiggestellte Bau der Parteitagsarchitektur. Als Vorbild für die Haupttribüne diente der antike Pergamonaltar. Bei nächtlichen Veranstaltungen sollte eine ausgeklügelte Lichtregie dem Bau weihevolles Aussehen und sakrale Wirkung verleihen.


Unmittelbar neben dem Zeppelinfeld liegt das 1928 gebaute Städtische Stadion. Es wurde durch zwei Kulissentürme, erweiterte Durchgangstore und die "Führertribüne" verändert. Zum "Tag der Hitlerjugend" hatten dort 50.000 bis 60.000 Jugendliche vor dem Führer anzutreten.


1937 wurde östlich des Reichsparteitagsgeländes die Kraft-durch-Freude-Stadt eingeweiht. Große Bierhallen, Freilichttheater und Kegelbahnen sollten den Unterhaltungswert der Reichsparteitage steigern.Die Holzbauten wurden für die Olympiade 1936 in Berlin errichtet und anschließend nach Nürnberg gebracht.


Ein Park neben der Luitpoldhalle wurde zu einem  Aufmarschfeld für 150.000 Menschen umgebaut. Beherrscht wurde die altarähnliche Anlage von drei riesigen Fahnen und zwei Bronzeadlern an den Seitenflügeln der Tribüne. In der Luitpoldarena zelebrierten die Nazis ihre Totenfeiern für die "Märtyrer ihrer Bewegung". Die "Straße des Führers" verband das Ehrenmal mit der Rednerkanzel.


An das römische Kolosseum erinnert der Monumentalbau der Kongresshalle am Dutzendteich. Für die Parteikongresse wünschte sich Hitler ein eigenes Gebäude mit mindestens 50.000 Sitzplätzen. Neben dieser Zweckbestimmung war keine weitere Nutzung vorgesehen. Um die Entwürfe der Architekten Ludwig und Franz Ruff umzusetzen, musste ein Leuchtturm und der 1912 eröffnete Tiergarten verlegt werden. Außerdem waren aufwändige Fundamentgründungen in sumpfigem Gelände notwendig. Die Kongresshalle blieb ein Torso, nachdem die 1935 begonnenen Arbeiten im September 1939 eingestellt wurden. Trotzdem ist sie heute das größte erhaltene Relikt der Herrschaftsarchitektur des Dritten Reichs.


Das Bauprogramm der Nationalsozialisten wurde nur zu einem kleinen Teil verwirklicht. Bei Beginn des Zweiten Weltkriegs stellte man die Bauarbeiten im Wesentlichen ein, während die Planungen noch bis kurz vor Kriegsende weiterliefen. Funktionslos geworden sind die immer noch riesenhaften Reste seit 1945 Zeugnisse eines Größenwahns, der in der Katastrophe endete.