"Faszination und Gewalt" - die Dauerausstellung im Dokumentationszentrum

Luftaufnahme der Kongresshalle, Sommer 2001.

Noch heute zeugen auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände im Süden Nürnbergs gigantische Baureste vom Größenwahn des nationalsozialistischen Regimes. Auf elf Quadratkilometern sollte hier eine monumentale Kulisse für die Selbstinszenierung der NSDAP entstehen.

Seit 2001 besteht im Nordflügel der unvollendet gebliebenen, von den Nationalsozialisten für 50.000 Menschen konzipierten Kongresshalle das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände. Mit einem Pfahl aus Glas und Stahl, der sich durch den Nordflügel bohrt, setzt das Dokumentationszentrum auch von außen ein weithin sichtbares markantes, zeitgenössisches Architekturzeichen.

Auf 1.300 m² informiert dort die Dauerausstellung "Faszination und Gewalt" über Ursachen, Zusammenhänge und Folgen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Dabei stehen jene Themen, die einen direkten Bezug zu Nürnberg aufweisen, im Mittelpunkt der 19 chronologisch strukturierten Ausstellungsbereiche: die Geschichte der Reichsparteitage, die Bauten des Reichsparteitagsgeländes, die "Nürnberger Gesetze" von 1935, der "Nürnberger Prozess" gegen Hauptverantwortliche der NS-Verbrechen 1945/46 und seine zwölf Nachfolgeprozesse sowie der schwierige Umgang mit dem nationalsozialistischen Architekturerbe nach 1945.

Moderne Medien wie Computeranimationen, Filme und Touchscreens, aber auch Fotos und Dokumente veranschaulichen dem Besucher direkt am historischen Ort die Bauten des Geländes, die Geschichte und Hintergründe der Reichsparteitage. Ein Audioguide vermittelt die Texte und Kommentare in sieben Sprachen und bietet zusätzlich spezielle Beiträge für Jugendliche.

In der Ausstellung "Faszination und Gewalt".

Konzeption

Wissenschaftlicher Beirat

Die wissenschaftliche und museumsfachliche Ausgestaltung der Ausstellung des Dokumentationszentrums wurde bis zur seiner Eröffnung 2001 von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet. Ihm gehörten führende Vertreter der Zeitgeschichtsforschung an:

  • Prof. Dr. Wolfgang Benz, Institut für Antisemitismusforschung, Berlin
  • Prof. Dr. Horst Möller, Institut für Zeitgeschichte, München
  • Prof. Dr. Reinhard Rürup, Stiftung Topographie des Terrors und Institut für Geschichtswissenschaften, TU München
  • Prof. Dr. Gregor Schöllgen, Universität Erlangen-Nürnberg (Sprecher des Beirats)

Vertreten waren ferner profilierte Museumsfachleute:

  • Dr. Judith Belinfante, vormals Präsidentin der Vereinigung jüdischer Museen in Europa, Amsterdam, und Mitglied des niederländischen Reichstags
  • Prof. Dr. Hermann Schäfer, Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn
  • Prof. Dr. Christoph Stölzl, Deutsches Historisches Museum, Berlin
  • Das Kultusministerium des Freistaats Bayern war vertreten durch Dr. Peter März, Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München.

Konzeption

Museen der Stadt Nürnberg

Projektleitung

Hans-Christian Täubrich

Gestaltung

Müller+Müller-Rieger, München

Ausstellungstexte

Dr. Volker Dahm (Institut für Zeitgeschichte, München)
Dr. Friedrich Kießling (Institut für Geschichte der Universität Erlangen-Nürnberg)
Prof. Dr. Horst Möller (Institut für Zeitgeschichte, München)
Prof. Dr. Gregor Schöllgen (Institut für Geschichte der Universität Erlangen-Nürnberg)
Dr. Eckart Dietzfelbinger (Museen der Stadt Nürnberg)

Filme und Animationen

AV-Studio Nürnberg; Ernst-Gortner-Film; Reiner Holzemer Film; Max-Studio, Erlangen.

Projektionstechnik

SevenM, Nürnberg

Historische Recherche

Dr. Eckart Dietzfelbinger, Frank Gutermuth, Torsten Halsey, Wolfgang Meyer, Dr. Ute Steinfels

Audio-Führung

soundgarden audioguidance, München