Das Dokuzentrum als Teil der deutschen und internationalen Gedenkstättenlandschaft

Mitarbeiter des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände treffen Kollegen der KZ Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, 2010.

Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände versteht sich selbst als ein Mosaikstein der deutschen und internationalen Erinnerungslandschaft. Nicht als Gedenkstätte, vielmehr als ein Erinnerungs- und Lernort möchte es anhand seiner Spezifika zu einem besseren Verständnis der Ursachen, Zusammenhänge und Folgen der NS-Gewaltherrschaft beitragen. Dabei stehen Themen, die den Ort Nürnberg sowie die Selbstinszenierung der NSDAP auf den Reichsparteitagen betreffen, im Vordergrund der Vermittlung. Kenntnisse der Hintergründe und Strukturen, die besonders in den Anfangsjahren des Regimes zu Massenbegeisterung und kultischer Verehrung Hitlers geführt haben, helfen Interessierten bei späteren Besuchen anderer Gedenkstätten die Geschichte an Orten der ehemaligen Vernichtungslager besser zu verstehen und einzuordnen. Durch einen Besuch unterschiedlicher Gedenkstätten und Erinnerungsorte kann sich somit jeder Besucher eine eigene Topographie der Geschichte des "Dritten Reiches" erstellen.

Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände arbeitet sowohl bei der pädagogischen Betreuung der Besucher als auch bei der inhaltlichen Ausrichtung der Ausstellungen eng mit den Fachkollegen anderer Erinnerungsorte oder Gedenkstätten zusammen. Ein regelmäßiger Austausch über neue Forschungsergebnisse und innovative Ausstellungsgestaltung ist selbstverständlich.

In den vergangenen Jahren hat sich der fachliche Austausch mit Kollegen aus dem Ausland weiter intensiviert. Bereits vor Eröffnung des Dokumentationszentrums versammelten sich 1999 in Nürnberg Experten aus Gedenkstätten und Museen aller Welt zu einem internationalen Symposium unter dem Titel „Die Zukunft der Vergangenheit. Wie soll die Geschichte des Nationalsozialismus in Museen und Gedenkstätten im 21. Jahrhundert vermittelt werden?“ Durch die Übernahme einer Ausstellungen der Gedenkstätte Oradour im Jahr 2005, den Export diverser eigener Ausstellungen nach Frankreich, USA und Polen sowie der engen Kooperation mit sechs Gedenkstätten in Polen zur Ausstellung „Das Gleis“ im Jahr 2010 erfuhr das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände auch international Aufmerksamkeit und Anerkennung.

Bei Austauschreisen nach Frankreich und Polen in den letzten Jahren erfolgte die Sensibilisierung fester und freier Mitarbeiter für die Geschichts- und Erinnerungskultur des eigenen, aber auch der Nachbarländer. Das gegenseitige Kennenlernen und der persönliche Kontakt zwischen deutschen und ausländischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern trugen dazu bei, eigene Vorurteile abzubauen und gemeinsam an einer europäischen Erinnerungskultur zu arbeiten. Ziel der Austauschreisen, die sicherlich in den kommenden Jahren fortgesetzt werden, ist die Intensivierung einer gemeinsamen Geschichtsarbeit, des interkulturellen Dialogs sowie die Entwicklung einer gemeinsamen europäischen Erinnerungsperspektive.