
Diskussion mit Dr. Rainer Huhle
"Denn wir dürfen niemals vergessen, dass nach dem gleichen Maß, mit dem wir die Angeklagten heute messen, auch wir morgen von der Geschichte gemessen werden."
So lautete 1945 mit den Worten von Ankläger Robert H. Jackson im "Hauptkriegsverbrecherprozess" das "Versprechen von Nürnberg". In der künftigen Weltordnung sollten alle politischen Großverbrechen international abgeurteilt werden.
Eine Realisierung hat lange gedauert, doch seit 2002 gibt es den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag. Rainer Huhle, Vorstand des Nürnberger Menschenrechtszentrums, stellt die Diskussion unter folgende Fragen: Was hat der ICC mit Nürnberg zu tun? Wodurch unterscheidet er sich vom damaligen Internationalen Militär-Tribunal? Und vor allem: Entspricht er unseren Vorstellungen von Gerechtigkeit?
Ihre Meinung ist gefragt!

Otto Schwerdt und Klaus Kreuzeder im ehemaligen KZ Flossenbürg
D 2006, 70 Min., Redaktion: Andreas Bönte (BR)
Film
Otto Schwerdt (1923-2007) war einer der letzten Zeitzeugen, die die Qualen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in verschiedenen Konzentrationslagern Europas überlebt haben. Im ehemaligen KZ Flossenbürg in der Oberpfalz erinnerte er sich im Jahr 2006 an die Stationen seines leidvollen Lebenswegs. Der Saxophonist Klaus Kreuzeder kommentiert in einfühlsamen musikalischen Interpretationen die Erinnerungen Otto Schwerdts, der mit Ausnahme des Vaters seine gesamte Familie verloren hat - und dennoch keine Hassgefühle verspürt.
Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände zeigt den Film des BR anlässlich des Holocaust-Gedenktages.

6. November 2011 bis 29. Januar 2012
Die Ausstellung zeigt ausgewählte Fotografien aus den letzten 65 Jahren. Sie dokumentieren die baulichen und nutzerischen Veränderungen des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes in diesem Zeitraum. Die kleine Präsentation bezeugt den Umgang mit der Geschichte des Nationalsozialismus in Nürnberg über die Jahrzehnte hinweg und weist auf künftige Aufgabenfelder hin. Damit lenkt sie den Blick in die Zukunft und ist deutlich mehr als eine bloße Bestandsaufnahme des Erreichten zum 10jährigen Jubiläum des Dokumentationszentrums.

Vortrag von Hans-Christian Täubrich
Einen gemeinsamen Blick auf die schmerzliche Vergangenheit in den Jahren der deutschen Okkupation sowie des Zweiten Weltkriegs zu entwickeln, ist für die politische Zusammenarbeit Deutschlands mit den Nachbarländern Frankreich und Polen eine wichtige Voraussetzung. Der Umgang mit der Geschichte bildet eines der wesentlichen Fundamente für das Zusammenwachsen dieser Länder und das aktive politische Gestalten einer europäischen Zukunft.
2010 und 2011 unternahmen Mitarbeiter des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände Fahrten nach Polen und Frankreich. Dabei wurden unter anderem die Gedenkstätten in Auschwitz und Majdanek sowie Natzweiler-Struthof und Oradour besucht. Hans-Christian Täubrich, Leiter des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände, stellt Erfahrungen, Denkanstöße und Perspektiven einer gemeinsamen europäischen Erinnerungsarbeit vor.
Eintritt frei

aus dem Roman "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell
Lesung: Maximilian Löwenstein; Regie: Albert Meisl; Dramaturgie: Julia Engelmayer
Kaum ein Roman hat in den letzten Jahren international derart die Gemüter erhitzt wie das tausend Seiten starke Debüt des französischen Autors Jonathan Littell. Während die einen von einem Meilenstein der literarischen Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs sprechen, verdammen andere insbesondere dessen detailreiche Schilderungen. Denn der fiktive Lebensbericht eines hohen SS-Offiziers schildert den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust aus der Täterperspektive. Geprägt von Kriegsethos und Untergangsvision führt die Erzählung schließlich zu der Frage, wie viel Verantwortung der einzelne Mensch im Krieg hat. Und ob es neben dem Recht auf Leben nicht auch das Recht, nicht töten zu müssen, geben soll.

Ausstellungsgespräch mit Mitarbeitern des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände
In einem geführten Rundgang durch die Dauerausstellung "Faszination und Gewalt" im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände erörtern Mitarbeiter des Dokumentationszentrums das Ausstellungskonzept des vor zehn Jahren eröffneten Hauses. Dabei erfahren die Teilnehmer mehr über Entscheidungsprozesse, den Betrieb eines derartigen Hauses sowie Fragen zu Gestaltung und Architektur.
Eintritt: 7 EUR

"Festliches Nürnberg", D 1936/1937, 22 Min.
"Brutalität in Stein", D 1961, 15 Min
Film und Kommentar mit Dr. Alexander Schmidt
Das Reichsparteitagsgelände war Gegenstand zahlreicher Filmen- vor und nach 1945. Der Propagandafilm "Festliches Nürnberg" von Hans Weidemann über die Reichsparteitage 1936 und 1937 wurde von der Reichspropagandaleitung/ Hauptabteilung Film in Auftrag gegeben und sollte Leni Riefenstahls "Triumph des Willens" übertreffen.
Im Kontrast dazu steht "Brutalität in Stein" von Alexander Kluge und Peter Schamoni. Als erster Film in der Nachkriegszeit deckt er Parallelen zwischen Architektur und Weltanschauung des Nationalsozialismus auf. Bilder der historischen Überreste des Reichparteitagsgeländes werden mit Musik, Propagandareden und Textquellen aus der Zeit des Nationalsozialismus kontrastiert.
Beide Filme kommentiert Alexander Schmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände.
Eintritt frei